Schorndorf

Coronavirus: Fünfter bestätigter Fall im Kreis

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Symbolfoto. © ZVW/Benjamin Büttner

Rems-Murr.
Die fünfte bestätige Infektion mit dem Coronavirus im Rems-Murr-Kreis ist an diesem Wochenende in Remshalden aufgetreten, teilte das Landratsamt am Sonntag, 8. März, kurz vor 12 Uhr mit. „Eine 70-jährige Frau ist positiv auf das Virus getestet worden. Sie hatte sich zuvor in Frankreich aufgehalten. Die Frau befindet sich in stationärer Behandlung in den Rems-Murr-Kliniken.“

Der bundesweit erste Coronavirus-bedingte Todesfall?

Der Ehemann der Erkrankten, der im Februar aus dem afrikanischen Kongo zurückgekehrt war, ist vor wenigen Tagen verstorben. „Ob dieser ebenfalls an Corona erkrankt war, oder der Tod andere Ursachen hatte, ist noch in Abklärung. Das Gesundheitsamt hat insoweit das Land um Unterstützung gebeten“, teilt Martina Keck, Pressesprecherin des Landratsamtes mit. Die Experten gehen laut Martina Keck davon aus, dass die Frage nach der Todesursache am Wochenende noch nicht abschließend geklärt werden würde.

Falls der Verstorbene, von dem unbekannt ist, ob er Vorerkrankungen hatte, an durch das Coronavirus hervorgerufenen Komplikationen gestorben ist, wäre dies einer der ersten deutschlandweiten Coronavirus-Todesfälle. Und der Rems-Murr-Kreis käme damit in bundesweite Schlagzeilen.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" vermeldete an diesem Sonntag (08.03) gegen 18 Uhr per Eilmeldung, "Erstmals ist ein deutscher Staatsbürger nachweislich an dem neuartigen Coronavirus gestorben. Der 60-Jährige war vor einer Woche nach Ägypten gereist" und sei in Ägypten an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben, habe das ägyptische Gesundheitsministerium am Sonntag mitgeteilt, so das Nachrichtenmagazin.

Ansonsten sind Coronavirus-bedingte Todesfälle in Europa bislang nur in Italien (233), Spanien (13), Frankreich (11), Großbritannien (2), den Niederlanden (1) und der Schweiz (1) bekannt geworden – laut ständig aktualisierter Datensammlung der Johns Hopkins University in Baltimore und der Weltgesundheistorganisation (Stand: 08.03.2020, 13.35 Uhr).

Bürgermeister Molt: "Die Kontakte der Infizierten werden recherchiert"

Der Remshaldener Bürgermeister Reinhard Molt steht in Kontakt mit dem Landrat und dem Gesundheitsamt. „Das Amt recherchiert derzeit den Kontaktbereich der Dame“, sagt Molt. Sobald es Klarheit gebe, mit wem sie möglichweise in Berührung kommen sei, werde er informiert und er bekomme Hinweise, ob die Gemeindeverwaltung etwas veranlassen muss. Es könne zum Beispiel sein, dass man einen Kindergarten vorsorglich schließen müsse, wenn Erzieherinnen oder Kinder, die die Einrichtung besuchen, Kontakt zu der erkrankten Frau gehabt hätten. Bisher habe er darauf jedoch keinen Hinweis.

Nicht unaufgefordert Kliniken, Praxen oder Testzentrum aufsuchen!

Das Gesundheitsamt bittet nochmals alle Bürgerinnen und Bürger, die aus Risikogebieten kommen und Symptome wie Atemwegsbeschwerden haben, nur nach telefonischer Abstimmung Arztpraxen oder Notfallpraxen aufzusuchen. Auch das Testzentrum in Schorndorf soll nur nach vorheriger Anmeldung angesteuert werden. "Abstriche werden nur bei Personen vorgenommen, die telefonische Rücksprache mit dem Hausarzt und/oder dem Gesundheitsamt hatten und bei denen ein Test angeordnet wurde. Daraufhin erhalten diese Personen von den Rems-Murr-Kliniken einen Termin."

Rudersberger Schulzentrum bleibt bis einschließlich Dienstag geschlossen

Aufgrund der Coronavirus-Gefahr bleibt das Schulzentrum in Rudersberg am Montag und Dienstag noch geschlossen. Dies wurde nach Absprache mit Gesundheitsamt, Schulamt und der Gemeinde so beschlossen. So steht es seit Samstagmorgen (07.03) auf der Homepage des Schulzentrums. Am Freitag hatte es noch geheißen, am Montag sei das Schulzentrum wieder geöffnet.

Schulleiter Thomas Smolarczyk begründet die Verlängerung der Schließung des Schulzentrums in einem dazugehörigen Elternbrief vom Samstagmorgen mit der Einstufung von "Bozen-Südtirol" als Risikogebiet durch das Robert-Institut und weil das Gesundheitsamt Rems-Murr daraufhin weitere als Corona-Verdachtsfälle bewertete Personen (Südtirol-Heimkehrer) im Umfeld des Schulzentrums ermittelt habe. "Tests auf eine mögliche Infektion der genannten Personen mit dem Virus wurden veranlasst. Um möglichst jedes Infektionsrisiko für Schülerinnen und Schüler des Schulzentrums Rudersberg auszuschließen, bleibt das Schulzentrum Rudersberg am Montag, 09. März, und Dienstag, 10. März, geschlossen. Nach Vorliegen der Testergebnisse wird die Lage erneut bewerten", schreibt Smolarczyk an die Eltern.

Damit die Schülerinnen und Schüler am Fernunterricht per E-Mail teilnehmen können, bittet Schulleiter Smolarczyk die Eltern, "falls nicht schon, geschehen, Ihre E-Mail-Adresse entweder den Elternvertretern Ihrer Klasse oder direkt dem Klassenlehrer/der Klassenlehrerin zu übermitteln." Auch gab er bekannt, dass leider das Winterschullandheim abgesagt werden musste. Der Elterbrief schließt mit dem Satz: "Für weitere Informationen beachten Sie bitte unsere Homepage!" (www.sz-r.de)

Kurze Chronologie der Corona-Virusfälle im Rems-Murr-Kreis

Fall 1: Den ersten bestätigten Fall einer Coronvirus-Infektion im Kreis hat ein Test-Labor am Dienstag (03.03.) bei einem 44-jährigen aus Rudersberg bestätigt. Der Mann, der eine Vorerkrankung hat, befindet sich weiterhin zur vorsorglichen Beobachtung im Rems-Murr-Klinikum in Winnenden. 

Fall 2: Die Tochter des Rudersbergers (Fall 1) wurde ebenfalls positiv getestet (Mittwoch, 04.03.). Die betroffene Familie befindet sich seither für zwei Wochen in häuslicher Isolation. Zudem wurden Kontaktpersonen der Kategorie 1 laut Robert-Koch-Institut und einzelne weitere Kontaktpersonen ermittelt und vom Gesundheitsamt kontaktiert. So kam es zur vorübergehenden Schließung des Rudersberger Schulzentrums, denn zwei Kinder der Familie besuchen dort die Schule und die eine Tochter trägt das Virus in sich.  "Darüber hinaus bleiben Schulen und Kindertagesstätten geöffnet", so das Landratsamt. "Geschwister der Schülerinnen und Schüler des Rudersberger Schulzentrums, die in andere Schulen oder Kindertagesstätten im Umkreis gehen, können nach Einschätzung des Gesundheitsamts ihrem Alltag wie gewohnt nachgehen."

Fall 3: In Backnang ist am Freitag (06.03) eine weitere Infektionen mit dem Coronavirus bekannt geworden. Ein 57-Jähriger wurde dort positiv auf das Virus getestet. Er ist zu Hause isoliert. Er hatte sich zuvor in Südtirol aufgehalten.

Fall 4: In Weinstadt ist am Freitag (06.03.) eine vierte Infektion mit dem Coronavirus aufgetreten. Ein 53-jähriger Mann ist positiv auf das Virus getestet worden. Er hatte sich zuvor in Südtirol aufgehalten. "Drei Schüler des Remstalgymnasiums, die Kontakt zu ihm hatten, bleiben vorsorglich bis auf weiteres zu Hause und werden getestet. Sie zeigen alle drei keinerlei Symptome. Alle anderen Schülerinnen und Schüler der Weinstädter Schulen besuchen nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt – sofern sie keine Symptome zeigen – am Montag regulär den Unterricht". (Stand 6.3.20, 15:12 Uhr) Bislang ist nicht bekannt, ob diese Verfügung weiterhin gilt.