Schorndorf

Covid-19 hin oder her: Der Wochenmarkt läuft

Wochenmarkt
Das gehört für viele trotz Corona zum Samstag: Der Gang auf den Wochenmarkt. © Büttner

Es war ein nasskalter, garstig-trüber, eher abweisender Morgen, an dem Schorndorf am Samstag erwachte. Eigentlich der perfekte Einstieg für die von Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Vortag in einem dramatischen Auftritt über die Medien verkündeten Ausgangsbeschränkungen und den Appell, die eigenen vier Wände nur dann zu verlassen, wenn es wirklich unumgänglich sei.

Trotz dieser, alles andere als einladenden äußeren Umstände ließen sich die treuen Kundinnen und Kunden nicht von ihrem gewohnten Gang auf den Schorndorfer Markt abschrecken. Dort herrschte lebhafte, aber keinesfalls hektische Umtriebigkeit, sowohl auf den Parkplätzen in der Bahnhofsperipherie, wie auch zwischen den Verkaufsständen selbst. Dort wurde es bisweilen sogar eng, auch wenn die Passanten augenscheinlich penibel darauf bedacht waren, sich nicht zu nahe zu kommen und eine harmonische Distanz zueinander einzuhalten.

Masken: Durchweg korrekt über Mund und Nase

Und wer genau hinschaute, der konnte sogar bemerken, dass Marktbesucher und -beschicker nicht nur durchweg ihren Mund-Nasenschutz trugen, sondern dass dieser auch korrekt über und nicht unter der Nase saß. Zugegeben, meinte ein junger Mann in Fahrradkluft, Kaffee to go und Butterbrezel aus der Hand zu genießen, werde einem durch die Maskenpflicht erschwert, aber es lasse sich schon ein abgelegenes Eckchen finde, an dem auch das möglich sei. Der Marktbesuch gehöre zu seinen üblichen Samstagspflichten, seine Frau drücke ihm immer eine Einkaufsliste in die Hand und schicke ihn los, schon damit er ihr nicht in der Wohnung im Weg stehe.

Radfahren: Gut fürs dringend notwendige Immunsystem

Und ja, er sei so gut wie immer mit dem Rad unterwegs, bei fast jedem Wetter, nur bei extremem Sturm und Regen oder Schnee steige er schon mal auf die „Öffis“ um. Dies gelte übrigens auch unter der Woche für den Weg in die Arbeit. Wer Rad fahre, schone nicht nur die Umwelt, sondern verbessere auch Fitness, körperliches und seelisches Wohlbefinden, verringere die Kälteempfindlichkeit und stärke sein Immunsystem.

Wie wichtig gerade Letzteres sei, zeige sich in diesem Herbst mehr als drastisch. Das einzige Argument nicht auf das Rad umzusteigen, räsonierte er, sei das „leider nach wie vor gewaltig verbesserungsbedürftige Radwegenetz“. Die Rad-Servicesäule am Unteren Marktplatz stelle zwar einen netten Anfang dar, sei aber letztendlich nur Symbolpolitik, die entschlossene Verkehrsplanung nicht ersetzen könne.

Die Landfrauen sind unzufrieden

Unzufriedenheit zeigten sich auch die Landfrauen, die hinter ihrem Stand in der Gottlieb-Daimler-Straße bei der Kirche unter anderem Gsälz, Gutsle und Gestricktes feilboten. Gewaltig zurückgegangen sei der Verkauf im Vergleich zu den vorangehenden Samstagen, waren sie sich einig, und zurückzuführen sei dies auf den „überfallartigen Beschluss“ der Landesregierung, der am Freitagmittag bekanntgegeben wurde, und die reißerische Berichterstattung darüber in den Medien. Dadurch sei mehr Unsicherheit erzeugt als informiert worden, kritisierten sie.

„Und versuch’ dann mal am Freitagnachmittag auf dem Rathaus anzurufen und dich zu erkundigen, was wirklich gilt. Da bekommst du niemanden mehr ans Telefon, da herrscht Wochenende!“ – „Vielleicht“, mischte sich ein älterer Herr ein, der die Diskussion aus der Distanz verfolgt hatte, habe „der Kretschmann, der alte Fuchs“, mit diesem Beschluss mehr auf den Grünenparteitag gezielt, der an diesem Wochenende in Reutlingen über die Bühne gehe, als auf die tatsächliche Entwicklung der Fallzahlen. Schließlich würden ja bereits am Sonntag Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten gemeinsam entscheiden, wie es weitergehen soll. „Und wenn dann wieder neue Beschlüsse kommen, dann weiß am Ende niemand wirklich Bescheid, was erlaubt und was verboten ist.“

Ganz schön was los bei den „drei Engeln von der SchoWo“

Über mangelndes Besucherinteresse könnten sie auch an diesem Marktsamstag nicht klagen, versicherten gut gelaunt die „drei Engel von der SchoWo“, die an ihrem Verkaufsstand in Rathausnähe SchoWo-Wein, SchoWo-Chroniken und SchoWo-Ansichtskarten im Sortiment hatten. Tatsächlich sei gefühlt fast mehr los, als an den beiden Adventswochenenden davor, so ihre Einschätzung, und auch die Menschen würden sich heute nicht anders verhalten als sonst.

„Covid-19 hin oder her“, gab sich auch ein älteres Ehepaar unbeeindruckt, das sich in die Schlange vor einem Käseverkaufsstand eingereiht hatte und nun geduldig wartete, „essen muss man! Deshalb stehen wir hier bei unserem Stammhändler an, wo es für unseren Geschmack den besten Käse weit und breit gibt. Zudem ist der Marktbesuch über den eigentlichen Einkauf hinaus ein Fest für die Sinne, auf das wir nur ungern verzichten würden, gerade an diesen tristen Tagen.“

Es war ein nasskalter, garstig-trüber, eher abweisender Morgen, an dem Schorndorf am Samstag erwachte. Eigentlich der perfekte Einstieg für die von Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Vortag in einem dramatischen Auftritt über die Medien verkündeten Ausgangsbeschränkungen und den Appell, die eigenen vier Wände nur dann zu verlassen, wenn es wirklich unumgänglich sei.

Trotz dieser, alles andere als einladenden äußeren Umstände ließen sich die treuen Kundinnen und Kunden nicht von

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