Schorndorf

Crazy Records: Weshalb Jürgen Schocher in Schorndorf einen Plattenladen betreibt

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Jürgen Schocher hat mit „Crazy Records“ sein Hobby zum Nebenjob gemacht. © Ralph Steinemann Pressefoto

Bei Musikfans wird sie in den letzten Jahren immer beliebter, und bei den echten Vinyl-Fans ist sie sowieso nie ganz aus dem Wohnzimmer verschwunden: Die Schallplatte erlebt eine Renaissance. Die Verkaufszahlen steigen stetig an. Im Corona-Lockdown hat der Sammler Jürgen Schocher sein Hobby zum Nebenberuf gemacht und im alten Schorndorfer Güterbahnhof, in der Gmünder Straße, den Schallplattenladen „Crazy Records“ eröffnet. Dort können Fans nicht nur in  Hunderten alten Platten stöbern, sondern auch Teile ihrer eigenen Sammlung verkaufen.

Bei Schallplatten hat man noch etwas in der Hand

Doch wie ist es überhaupt zur Eröffnung des Ladens gekommen? Während der Pandemie-Hochzeit kam der 54-Jährige, der hauptberuflich in einem Elektrofachgeschäft arbeitet, fast schon aus Langeweile auf die Idee. „Ich musste etwas zur Sozialhygiene machen“, erklärt er schmunzelnd. Der leerstehende Laden im ehemaligen Güterbahnhof kam wie gerufen. Und an Schallplatten hat es von Anfang an nicht gefehlt: „In meiner Garage, dem Keller, auf der Treppe - zu Hause stand alles voll mit Platten“, sagt er.

Eine eigene Sammlung hat Jürgen Schocher immer noch zu Hause. Durch die Eröffnung von „Crazy Records“ habe er dort aber viel Platz geschaffen. Doch warum hört er seine Musik, trotz zahlreicher moderner Methoden, immer noch über die großen, runden Scheiben? „Die CD ist bei mir nie richtig angekommen, eigentlich sogar an mir vorbeigegangen“, sagt Schocher und erklärt: „Da hat man ja nichts in der Hand.“ Bei Schallplatten hingegen gebe es kreative, teilweise aufstellbare Cover. Wer von einer Band oder einem Musiker Fan ist, will ja schließlich etwas richtig Gutes in den Händen haben. Auch deshalb ist Jürgen Schocher nicht unbedingt vom Musik-Streaming angetan.

Kunden kommen teils von weit her

Seine Kunden kommen nicht nur aus dem Remstal, wie der Plattenfan erklärt. Viele Stuttgarter machen sich auf den Weg nach Schorndorf. Kürzlich sei sogar ein Kunde aus Freiburg bei ihm gewesen. „Richtige Fans sind viel unterwegs. Die gehen dann in jeder Stadt in den dortigen Plattenladen.“ Jürgen Schocher selbst macht das nicht anders. Wenn er beispielsweise in München sei, schaue er sich dort gerne diese Läden an.

Auf eine bestimmte Musikrichtung oder ein bestimmtes Jahrzehnt hat sich Jürgen Schocher in seinem Laden nicht beschränkt. Prominent ausgestellt hat er aber zahlreiche Klassiker von Michael Jackson bis zu den Beatles. „Die Leute kaufen, was sie gut kennen“, begründet er.

Seltene Platten werden gesucht

Im Prinzip findet man aber alles, was das Herz begehrt. Dass das manchmal gar nicht so einfach ist, zeigt ein Kunde aus Fellbach, der durch die Sammlung im Laden schaut. Er suche eine ganz bestimmte Platte, von der er nur noch das Cover besitzt. Das Original sei ihm einmal gestohlen worden. Auch die Erstauflage vom Rolling-Stones-Album „Beat Beat Beat“ suche er schon länger und war dafür bereits in einem ähnlichen Geschäft in Ludwigsburg. Sammler haben eben ganz besondere Ansprüche. Jürgen Schocher weiß um die Seltenheit einiger Platten und berät den Kunden dabei geduldig.

Auf die Frage, ob sich sein Laden „Crazy Records“ denn lohne, antwortet er: „Wenn es sich am Anfang trägt, ist es gut. Was hätte ich während Corona denn sonst gemacht?“ Außerdem, und das freut Jürgen Schocher sichtlich am meisten, macht er mit seinem Laden viele Sammlerinnen und Sammler glücklich. „Das wird gut anerkannt und das ist schön.“

Neue Musik wird wieder auf Vinyl hergestellt

Was in einem solchen „Special Interest“-Geschäft allerdings wenig Sinn mache, sei, eine Aushilfe einzustellen. „Das muss man schon selber machen, weil man sich sehr gut auskennen muss“, erklärt der 54-Jährige. Vielleicht könne er aber jemanden zu seiner Aushilfe ausbilden, scherzt er.

Auch neue Musik kann Jürgen Schocher seinen Kunden auf Wunsch besorgen. „Heutzutage wird wieder alles auf Platte hergestellt.“ Damit machte er nicht zuletzt seinen 15-jährigen Sohn glücklich, dem er Rap-Alben auf Vinyl bestellen müsse. „Das war sehr lustig zu sehen. Er hat das Ding behandelt und gehalten wie rohe Eier.“ Warum auch nicht? Schließlich sind Schallplatten heutzutage etwas ganz Besonderes.

Bei Musikfans wird sie in den letzten Jahren immer beliebter, und bei den echten Vinyl-Fans ist sie sowieso nie ganz aus dem Wohnzimmer verschwunden: Die Schallplatte erlebt eine Renaissance. Die Verkaufszahlen steigen stetig an. Im Corona-Lockdown hat der Sammler Jürgen Schocher sein Hobby zum Nebenberuf gemacht und im alten Schorndorfer Güterbahnhof, in der Gmünder Straße, den Schallplattenladen „Crazy Records“ eröffnet. Dort können Fans nicht nur in  Hunderten alten Platten stöbern,

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