Schorndorf

Dänen halten besser Abstand, Norweger hamstern nicht: Auslandserfahrungen in Zeiten von Corona

Tamara Bischoff
Die Miedelsbacherin Tamara Bischoff freut sich, wieder an der Universität in Dänemark zu sein, wo die angehende Grundschullehrerin ihr Auslandssemester verbringt. © Privat

Auf den ersten Blick scheint nichts schlechter zusammenzupassen als Corona mit einem Erasmus-Semester voller neuer Erfahrungen und Begegnungen im Ausland. Als im März etliche Länder der Welt den Lockdown vollzogen, Grenzen dichtmachten und Schulen und Hochschulen quasi über Nacht auf Online-Lehre umstellten, hatten rund 50 Studierende der Pädagogischen Hochschule (PH) Schwäbisch Gmünd gerade ihr Auslandssemester oder -praktikum begonnen, auf das sie sich lange vorbereitet und gefreut hatten, darunter auch Tamara Bischoff aus Miedelsbach.

Die Studierenden waren plötzlich mit vielen Fragen konfrontiert: Muss ich das Semester abbrechen? Wie komme ich nach Hause, wenn der Flugbetrieb eingestellt ist? Muss ich mein Stipendium zurückzahlen? Zählt mein Erasmus-Semester auch, wenn ich von zu Hause online studiere? Wie ist das Gesundheitssystem vor Ort?

Die Miedelsbacherin Tamara Bischoff studiert Lehramt für die Grundschule und ist nun, nach einigen Wochen Unterbrechung, wieder am dänischen University College Syd. „Ursprünglich war nur ein kurzer Aufenthalt in Deutschland vor Ostern geplant“, erzählt sie. „Doch aufgrund von Grenzschließungen und Quarantäneregelungen konnte ich nicht eher nach Dänemark zurückkehren.“

Keine Maskenpflicht in Dänemark

Das Studium ging für Tamara Bischoff während des Festsitzens in der Heimat dennoch weiter: „Der Kurs wurde online ausgerichtet und wir konnten uns über Videomeetings sehen und austauschen.“ Befremdlich sei für sie vor allem gewesen, in ein Land zurückzukehren, in dem die Regierung völlig andere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus ergriffen hatte. So gebe es in Dänemark zum Beispiel keine Maskenpflicht – Abstand halten mussten die Dänen und Däninnen dennoch. Und das hat nach Ansicht Bischoffs besser geklappt als in Deutschland.

Auch Schulen und Kindergärten hätten früher wieder den Betrieb aufgenommen. „Nur deshalb ist es für uns Erasmus-Studenten möglich, ein Praktikum in einer Bildungseinrichtung zu absolvieren“, sagt Bischoff – natürlich unter strengen Hygieneauflagen.

Kein Klopapier-Mangel in Norwegen

Auch andere Studierende der PH Schwäbisch Gmünd haben interessante Erfahrungen im Ausland gemacht. Keine Panik, keine Hamsterkäufe – so schildern Jasmin Glock und Bianca Uhl ihre Eindrücke aus Norwegen. Beide studieren derzeit an der University of South Eastern Norway in Vestfold in der Nähe von Oslo. Aus der Heimat haben sie immer wieder mitbekommen, dass Supermarktregale leergekauft waren. „Die Norweger gehen sehr gelassen mit der Situation um“, berichtet Glock. So ist Norwegen vielleicht nicht das Land, wo Milch und Honig fließen, aber in dem stets genügend Klopapier, Nudeln und Konserven vorhanden gewesen sind. Vom sogenannten „friluftsliv“ – mit Sport an der frischen Luft oder Grillen am Strand – ließen sich die Norwegerinnen und Norweger auch in der Corona-Zeit nicht abbringen.

Doch auch dort wurden im März Kindergärten, Schulen, Restaurants, Bars, Friseure und Hochschulen geschlossen. Das Semester „Outdoor Education“ der beiden PH-Studentinnen läuft seitdem online ab.

Mittlerweile gab es in Norwegen einige Lockerungen: Kindergärten und Grundschulen sowie Restaurants seien wieder geöffnet und das Leben gehe glücklicherweise langsam wieder seinen „normalen“ Gang, erzählt Bianca Uhl.

Die schwedische Gelassenheit

„An jedem Wochentag um 14 Uhr wird die schwedische Bevölkerung im Fernsehen offiziell über die aktuelle Lage informiert“, berichtet Lisa Durchdewald aus ihrem Auslandssemester an der Hochschule Kristianstad. Mit dem schwedischen Sonderweg seien die Einheimischen sehr zufrieden, so die Erfahrung der Studentin. Auch sie fühlt sich nicht eingeschränkt. „Meine Vorlesungen werden online umgesetzt. Die meisten Prüfungen finden ebenfalls online statt, andere werden durch Hausarbeiten ersetzt“, sagt sie. Ihr Alltag bestehe aus Bewegung, Kochen, Lernen und viel Natur. Im Fitnessstudio werde gründlich desinfiziert und auf Abstand geachtet.

Von Corona oder gar Panik merke man vor allem auf dem Land nicht viel. Camping- und Spielplätze seien gut besucht, vor Eisdielen bildeten sich, unter Wahrung des Mindestabstands, lange Schlangen und auch die ältere Generation treffe sich auf einen Spaziergang und genieße die ersten Sonnenstrahlen. Beinahe ein „Dolce Vita“ im hohen Norden, also? So scheint es, liege es doch in der schwedischen Mentalität, die Dinge entspannt zu sehen, wie ein Schwede Lisa Durchdewald verriet.

Nicht alle blieben im Ausland

Die Leiterin des Akademischen Auslandsamts der PH Schwäbisch Gmünd, Dr. Monika Becker, fasst die Situation der Studierenden so zusammen: „Wir haben es ihnen bewusst freigestellt, selbst zu entscheiden. Andere Länder, zum Beispiel die USA oder Belgien, haben ihre Studierenden pauschal zur Heimreise aufgefordert, egal wo sie waren und wie die Lage vor Ort war. Wir haben stattdessen mit den Studierenden und teilweise mit der Partnerhochschule im Ausland individuell besprochen, was jeweils am besten ist.“ Letztlich hätte etwa ein Drittel den Auslandsaufenthalt abgebrochen. Ein Drittel habe beschlossen, nach Deutschland zurückzukehren, um von hier aus das Semester an der Partnerhochschule online zu absolvieren. Ein weiteres Drittel sei vor Ort geblieben, um ein Erasmus-Semester der besonderen Art zu erleben.

Monika Becker freut sich, dass Studierende ihr Abenteuer Ausland fortsetzen: „Die Krise zeigt, dass wir alle im gleichen Boot sitzen und wir nur gemeinsam zu Lösungen kommen. Gleichzeitig merken wir, dass kein digitaler Austausch das echte Leben ersetzen kann.“