Schorndorf

Darauf freuen sich OB Klopfer, Schowo-Chef Dobler, Stadtpfarrerin Eisrich und andere nach der Corona-Pandemie

Freude Zukunft Frauen
Symbolbild. © Pixabay License/silviarita

Um am Ende des Corona-Jahres einmal den Blick auf die schönen Seiten des Lebens zu richten, haben wir bekannte Schorndorfer Persönlichkeiten gebeten, ihre Hoffnungen für die Zeit nach der Pandemie zu formulieren. Worauf sie sich freuen, wenn nicht mehr der Infektionsschutz, sondern das Leben an erster Stelle steht.

OB Matthias Klopfer: Mehr Kontakte und Treffen mit Freunden

Seit März 2020 ist das Leben von uns allen durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie geprägt. Und alle hoffen wir, unser „normales“ Leben schnell zurückzubekommen. Was fehlt mir am meisten?

Als Oberbürgermeister fehlt mir das direkte, tägliche Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern. Spontan ins Gespräch kommen, auf Festen, beim Einkaufen oder im Café. Ich freue mich, wieder Jubilaren zum 100. Geburtstag oder zur Eisernen Hochzeit gratulieren zu können. Und ich will wieder mitfiebern mit den Ringern des ASV oder den Badmintonspielern der SG Schorndorf und wieder tolle Konzerte oder Ausstellungen genießen. Und vieles mehr, unsere Stadt hat so viel zu bieten, jeden Tag.

Privat freue ich mich aufs Skifahren in der nächsten Wintersaison, auf neue Entdeckungen im Urlaub, auf Treffen mit Freunden, das gemeinsame Feiern und das gemeinsame Kochen mit meinem Männerkochclub, den „Pfundskerlen“. Vor allem aber sehne ich mich nach meinem täglichen Mittagessen in unseren Restaurants und nach den schönen Abenden in unseren Straßencafés oder Gaststätten. Und auf das gemeinsame Fußballerlebnis in meinem Stammlokal. Ich freue mich auf Public Viewing bei der Fußball-Europameisterschaft. Ich freue mich, das Leben wieder zu leben und zu genießen, in all seinen Facetten.

Ich weiß aber auch, dass viele Bürgerinnen und Bürger ganz andere Sorgen haben. Existenzielle Sorgen. Sie wünschen sich, aus der Einsamkeit wieder zu entkommen. Viele wünschen sich die Sicherheit, den Arbeitsplatz nicht zu verlieren. Unser Pflegepersonal und unsere Ärztinnen und Ärzte hoffen, dass die extreme Belastung unseres Gesundheitssystems zu Ende geht.

Und jetzt, in der Zeit zwischen den Jahren, hoffe ich, dass wir alle nächstes Jahr wieder gesund, zuversichtlich und hoffnungsfroh das Weihnachtsfest 2021 genießen können, ohne Einschränkungen.

Jürgen Dobler: „Licht am Horizont“: SchoWo 2021

Worauf er sich freut? „Auf ganz vieles“, antwortet Jürgen Dobler, Kirchengemeinderat, SchoWo-Macher und Inhaber einer Werbeagentur. „Es ist schon vieles gewonnen, wenn wir uns wieder frei bewegen können, ohne Zwang“, findet er. Er freut sich aufs Ausgehen, Freunde zu treffen und zu feiern. Dann werde hoffentlich auch jene Spannung abfallen, die die Menschen überall mehr und mehr stresse.

Auch aus geschäftlicher Perspektive sehne er das Ende herbei. Er will wieder ordentlich Aufträge an Land ziehen, statt seine Zeit dafür aufzubringen, Anträge für Zuschüsse zu erstellen. Diese Situation zermürbe jeden, der gerne arbeite. Auch die Situation der Geschäftsleute um ihn herum betrübe ihn. „Das macht den coolsten Menschen mürbe“, findet er.

Aber eins will er immer machen: „Die Hoffnung hochhalten.“ Und so ist er zusammen mit dem Gremium der Schorndorfer Vereine schon wieder dabei, die SchoWo 2021 auszutüfteln. Ganz einfach sei das nicht. „Jetzt planen wir ein Fest, von dem wir nicht wissen, ob es stattfinden kann.“ Aber sie müssen. Wer im Juli bestimmte Bands haben will, muss jetzt buchen. Die Veranstaltungsbranche schreibt wieder Termine in ihre Kalender: „Endlich wieder Licht am Horizont.“ Und so gibt’s schon eine Zusage vom „Hofbräu-Regiment“, seinen angestammten SchoWo-Platz weiterhin auszufüllen. Und was Dobler wirklich freut: Bei der ersten Abfrage der Schorndorfer Vereine, wer denn bei der SchoWo 2021 am Start wäre, gab es mehr positive Rückmeldungen als in den Jahren zuvor. Diejenigen, die zuletzt immer unsicherer waren, ob sie noch ausreichend Personal fürs Stadtfest aufbringen können, seien jetzt so motiviert wie schon lange nicht mehr. Das rührt Dobler geradezu. Weil’s den Zusammenhalt zeigt, den es in der Stadt gibt. Und noch etwas: dass die SchoWo eben zu Schorndorf dazugehört.

Stadtpfarrerin Dorothee Eisrich: „Feiern, dass wir am Leben sind!“

„Ich freu‘ mich auf vier Dinge, wenn die Pandemie unter Kontrolle ist“, sagt Stadtpfarrerin Dorothee Eisrich. „Wenn ich Menschen begegne, kann ich wieder Gesichter sehen, nicht nur Masken. Es fehlt mir, wahrzunehmen, wie die Menschen reagieren, die Emotionen auf ihren Gesichtern abzulesen. Aber nicht nur im Privaten und der seelsorgerischen Begleitung der Menschen schaffen die Masken und auch die Abstandsregeln weitere Distanzen. Es leidet auch die Kommunikation in der Debatte, beispielsweise im Kirchengemeinderat." Entscheidungsfindungen dauerten länger, Prozesse würden hierarchischer. Online-Begegnungen und -Beratungen, die seien einfach kein Ersatz für echte Begegnungen.

„Ich freue mich, wenn ich Menschen sehe, die keinen Bogen umeinander machen, sondern solche, die sich anlächeln können, sich umarmen, spüren und Halt geben können. Ich freue mich, wenn ich wieder feiern darf, laut und unbeschwert.“ Die Liebe und das Leben zu feiern, gibt’s in Eisrichs 2021 auch reichlich Anlass. Zwei Hochzeiten stehen in der Familie an. Die Stadtpfarrerin hofft sehr, dass sie ohne Einschränkungen stattfinden können. „Wir wollen feiern, dass wir am Leben sind!“

Und noch etwas: Dorothee Eisrich kann es kaum erwarten, dass das Leben endlich wieder abwechslungsreicher wird. „Wenn auf den ersten Blick nicht ständig das Thema „Corona“ zu sehen ist. Das Leben ist so viel bunter, es gibt so viele andere Themen!“ Dazu gehöre aber auch, dass man sich darüber Gedanken mache, wie die Menschen gut zusammenleben könnten. „Wie geht es weiter?“ Das gelte für das Miteinander in der Stadtgesellschaft ebenso, wie in globalen Zusammenhängen. Die Corona-Krise, sie habe die Risse in den Gesellschaften sichtbar gemacht. Allzu deutlich sei das Gefälle zwischen Arm und Reich geworden. „Wir haben jetzt einen Befund, und an dem müssen wir künftig arbeiten.“

Gerhard Nickel: Erholungspause von Corona im Sommer

Das Jahr 2020 sei einfach eine unheimliche Belastung für alle, die bei Schorndorf Centro involviert sind, fasst Gerhard Nickel, der Vorsitzende des City-Marketing-Vereins, zusammen. „Die zweifache Erfahrung des Herunterfahrens des öffentlichen Lebens auf null wird langfristig schwerwiegende Schäden auch für die Selbstständigen in unserer Stadt bedeuten.“ Im Moment werde das noch durch die Aufhebung der Insolvenzmeldepflicht übertüncht, nimmt Nickel an. Aber wenn die Pflicht im Februar wieder in Kraft gesetzt wird, rechnet Nickel mit etlichen neuen Leerständen.

Wirklich optimistisch zu sein, fällt dem Anwalt nicht leicht. Immerhin rechnet er angesichts des knappen Impfstoffes nicht damit, dass im kommenden Jahr echte Normalität zu erwarten ist. Aber er freut sich darauf, wenn sich im Frühjahr und Sommer die Infektionslage schon allein jahreszeitlich bedingt entspannt, wieder mehr ausgehen zu können. Er hofft sehr, dass er im Sommer wieder nach Italien reisen kann. Gern erinnert er sich an die letztjährigen Reisen in seine Wahlheimat zurück.

Das kulturelle Leben wieder zu entdecken und zu genießen – auch darauf freut sich Nickel. Kino, Feste, Ausstellungen, Theater – allein die Möglichkeit zu haben, solche Dinge zu genießen, seien schon ein Wert für sich. Und dann freut sich Nickel darauf, wieder mehr Geselligkeit erleben zu können. „Sich ungezwungen mit Freunden treffen, so richtig“, von Angesicht zu Angesicht. Selbst wenn die pandemische Großlage Umarmungen noch ausschließen sollte, allein das Treffen mit Abstand und das gemeinsame Kaffee-Trinken wären schon was. Und solche lockeren Kontakte seien es auch, die aktuell im Gemeinderat fehlten. Nickel findet, dass es der Stimmung guttäte, wenn im Anschluss an Sitzungen auch wieder ein persönlicher, fraktionsübergreifender Austausch möglich wäre.

Pfarrer Wolfgang Kessler: Endlich wieder echte Begegnungen

Pfarrer Wolfgang Kessler, der für die katholische Seelsorgeeinheit Schorndorf-Winterbach zuständig ist, blickt mit einem Seufzer aufs beinahe vergangene Jahr zurück. Immerhin – die dynamische Lage machte verlässliche Planungen quasi unmöglich. Der Arbeitsaufwand fürs jüngst gefeierte Weihnachtsfest beispielsweise sei ungleich größer gewesen als sonst. Schließlich habe man in der Gemeinde versucht, den Menschen etwas in die Hand zu geben. So gab’s „Weihnachtstüten“ zum Mitnehmen und auch die Sternsinger-Aktion, die in diesem Jahr nicht wie gewohnt stattfinden kann, soll auf diese Weise aufgefangen werden. Einen „Segen zum Mitnehmen“ bekommen die Gemeindemitglieder deshalb. „So können sie eine direkte und unmittelbare Erfahrung machen, selbst aktiv werden“, erklärt Kessler die Idee. Denn klar sei auch: Kontakte per PC und Telefon fingen nicht auf, was an Bedürfnissen der Menschen da sei.

Und so freut auch er sich auf direkte und unmittelbare Begegnungen. „Wenn wir wieder zusammensitzen können und uns nicht nur hinter Masken betrachten können.“ Echte Gemeinschaft miteinander zu erleben, zusammen unterwegs zu sein, auch das sei es, was Gemeinde ausmache. „Begegnung und Beziehung hängen miteinander zusammen", weiß der Theologe. Könne keine Begegnung entstehen, werden auch der Kontakt lockerer, lose.

„Wir Menschen sind soziale Wesen und keine Einzelgänger.“ Und so hofft er aufs Frühjahr, dass sich die Schorndorfer dann wieder, wenn auch unter Vorsichtsmaßnahmen, in einfacher Weise begegnen können. Er hofft, dass das Fest der Erstkommunion, wenn auch auf neue Weise, würdig und freudig begangen werden kann. Und er sehnt eine gewisse Entspannung herbei, die eintreten kann, wenn nicht jedes kirchliche Ereignis mit größtem Aufwand geplant werden muss.

Rektor Harald Schurr: Achtsamkeit für die kleinen Schätze

Das Schuljahr 2020 war schulisch geprägt von Kohortenbildung, Abstandsregeln, Fernunterricht. Alles andere als unkompliziert. Harald Schurr, Rektor der Schorndorfer Künkelinschule, freut sich, wenn der Schulbetrieb irgendwann wieder in normaler Weise laufen kann, Schüler und Lehrer in gewohnter Weise miteinander umgehen können, nicht immer wieder Schülergruppen in Quarantäne seien. Zwar würden alle an seiner Schule bestens mitziehen, dennoch belasteten die vielen Regeln den Schulalltag. Allein das häufige Lüften im Winter, das Einhalten der Abstände, das Verzichten auf Gesang – und das sogar in der liederintensiven Weihnachtszeit –, das seien Verluste, mit denen Schüler und Lehrer umgehen müssten, dies immer mit dem Bewusstsein, dass andere Gruppen der Gesellschaft aktuell mit viel größeren Problemen zu tun hätten.

Schurr hat deshalb bewusst den Blick seiner jungen Schüler auf Positives gerichtet, um ihnen kindgerecht eine gewisse Achtsamkeit den kleinen Schätzen und Schönheiten des Lebens gegenüber nahezubringen. Dies auch, wenn es nur ein kurzer Moment des Innehaltens im Matheunterricht sei, um die Kinder darauf hinzuweisen, mit welch herrlichen Farben gerade die Sonne aufgehe. Positiv habe sich der Kontakt der Lehrer untereinander entwickelt. „Die Kollegialität wird grade extrem großgeschrieben“, findet er. Immerhin lebe der Beruf auch vom Austausch untereinander. Positiv sei auch gewesen, dass so manche Besprechung im Schulbezirk durch die Verlegung in Online-Konferenz-Räume effizienter wurde. Man sei schneller auf den Punkt gekommen, die oft langen Anfahrtswege seien weggefallen.

Schurr freut sich, wenn er irgendwann auch die persönlichen Kontakte zu den Menschen wieder intensivieren kann. „Wenn man sich nicht bei jeder Begegnung fragen muss, ob man auch alles richtig macht.“

Um am Ende des Corona-Jahres einmal den Blick auf die schönen Seiten des Lebens zu richten, haben wir bekannte Schorndorfer Persönlichkeiten gebeten, ihre Hoffnungen für die Zeit nach der Pandemie zu formulieren. Worauf sie sich freuen, wenn nicht mehr der Infektionsschutz, sondern das Leben an erster Stelle steht.

OB Matthias Klopfer: Mehr Kontakte und Treffen mit Freunden

{element}

Seit März 2020 ist das Leben von uns allen durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper