Schorndorf

Darum hängt an der Künkelinhalle ein großes Solidaritäts-Plakat

Solidaritaetkunst
Ein Appell für gesellschaftliche Solidarität – an der Südseite der Künkelinhalle nicht zu übersehen. © Gaby Schneider

Die Lage ist ernst. So ernst, dass Sven Pflug, der als Manager der Künkelinhalle eher auf der warmen Seite des Schreibtischs sitzt, sich entschlossen hat, an die Öffentlichkeit zu gehen: Nachdem mit dem zweiten Lockdown alle nicht systemrelevanten Veranstaltungen abgesagt wurden, hat er ein vier auf zwei Meter großes Plakat in Auftrag gegeben und an die Südseite der Künkelinhalle gehängt. Nicht, um ein paar Hundert Euro an Spenden für Künstlerinnen und Künstler einzutreiben, sondern um die Verbände im Kampf gegen das langsame Sterben der Kultur zu unterstützen und die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, „dass es eine große Menge von Bürgern gibt, die auch ihre Steuern zahlen und seit einem Dreivierteljahr keine wirtschaftliche Grundlage mehr haben“.

„Wir müssen wieder Veranstaltungen ermöglichen“

Pflug geht es um nichts weniger, als darum, die kulturelle Vielfalt zu retten. Das heißt für ihn in letzter Konsequenz: „Wir müssen Veranstaltungen ermöglichen.“ Kultur, davon ist der Hallenmanager überzeugt, ist gesellschaftlich relevant, „auch für die Zuschauer“. Und Veranstaltungsorte wie die Künkelinhalle haben für ihn mit einem ausgeklügelten Hygienekonzept über die Sommer- und ersten Herbstwochen gezeigt, dass Veranstaltungen auch in Pandemiezeiten funktionieren können: „Es gab keinen kulturellen Hotspot“, betont Pflug und wünscht sich dringend eine Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen. Ihn macht wütend, dass für den Profi-Fußball alles ermöglicht wird, die Politik die Kultur aber sterben lässt. Veranstaltungen mit 100 oder maximal 200 Zuschauern, „das würde uns und vielen Kleinkünstlern extrem helfen“. Wie miserabel es den Künstlern geht, denen auch noch das gesamte Weihnachtsgeschäft weggebrochen ist, das bekommt Pflug derzeit in unzähligen Telefongesprächen berichtet.

Und so kann er das Video-Statement, in dem der Jazzmusiker Till Brönner kürzlich in den sozialen Medien die Politik zur nachhaltigen Hilfe für die Veranstaltungs- und Kulturbranche aufgerufen hat, nur unterschreiben. Immerhin beschäftigt die Kulturbranche mit 1,5 Millionen nicht nur mehr Menschen als die Automobilbranche. Ihr Beitrag zur volkswirtschaftlichen Gesamtleistung in Deutschland betrug, das ist auf der Internetseite des Bundeswirtschaftsministeriums nachzulesen, im Jahr 2019 insgesamt 106,4 Milliarden Euro. Damit übertrifft die Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachen Wertschöpfung inzwischen andere wichtige Branchen wie die chemische Industrie, die Energieversorger und die Finanzdienstleister. Für Pflug ist die Branche „megagroß und megawichtig“ – und die Gefahr real, dass sich die Kulturlandschaft extrem verändern wird. Künstler werden nicht mehr von ihrer kreativen Arbeit leben könne, viele Clubs und Veranstaltungsorte sterben.

Mitarbeiter in Kurzarbeit, Veranstaltungen abgesagt

Pflug selbst ist, wie alle sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Künkelinhalle, in Kurzarbeit – und hängt gewissermaßen in der Warteschleife: „Ich habe keine Idee, weil ich keine haben darf.“ In diesem Jahr rechnet er mit nichts mehr, sein Team ist frustriert: Die drei Veranstaltungen, die er für Dezember in der Halle geplant hatte und Anfang Oktober noch nicht in Gefahr sah, sind mittlerweile abgesagt. Die „Danceperados“ und „Glanz auf dem Vulkan“, die beiden Highlights der Saison, hat er abgesagt und ins kommende Jahr verlegt. Einzig systemrelevante Veranstaltungen, wie Gemeinderatssitzungen, Fortbildungen und kleine Tagungen, dürfen in der Halle noch stattfinden. Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen, Abi- und Tanz-Bälle, IHK-Ehrungen und Messen – allesamt gestrichen.

Wie wichtig kulturelle Veranstaltungen sind, ist ihm nicht zuletzt klargeworden, als der Betrieb in der Künkelinhalle nach dem ersten Lockdown langsam wieder anlief und ab 1. Juli Veranstaltungen mit 250 Gästen stattfinden konnten – zur großen Freude des Publikums, das das Angebot tatsächlich angenommen hat: „Manche“, erzählt Pflug, „hatten Tränen in den Augen.“ Und er selbst möchte eigentlich nur das tun, was OB Klopfer ihm vor zwei Jahren, als er als Hallenmanager in Schorndorf eingestellt wurde, ans Herz legte: die Menschen glücklich machen.

Die Lage ist ernst. So ernst, dass Sven Pflug, der als Manager der Künkelinhalle eher auf der warmen Seite des Schreibtischs sitzt, sich entschlossen hat, an die Öffentlichkeit zu gehen: Nachdem mit dem zweiten Lockdown alle nicht systemrelevanten Veranstaltungen abgesagt wurden, hat er ein vier auf zwei Meter großes Plakat in Auftrag gegeben und an die Südseite der Künkelinhalle gehängt. Nicht, um ein paar Hundert Euro an Spenden für Künstlerinnen und Künstler einzutreiben, sondern um die

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