Schorndorf

Darum wollen die Methodisten die Schorndorfer Friedenskirche verkaufen

Friedenskirche
Stephan Reinhardt, Pastor der Evangelisch-Methodistischen Kirche im Bezirk Mittleres Remstal, predigt seit Beginn der Corona-Pandemie schon nicht mehr in der Friedenskirche, sondern ausschließlich in der Christuskirche in Plüderhausen. Aus dem Pastorenhaus ist er mit seiner Familie Anfang Oktober 2021 ausgezogen. © Benjamin Büttner

Direkt am Alten Friedhof gelegen, gehört die Friedenskirche nicht nur zur evangelisch-methodistischen Gemeinde, sondern untrennbar auch zum Stadtbild. Am äußeren Eindruck wird sich auch in Zukunft nichts ändern, doch die Schorndorfer Methodisten haben sich entschieden, Kirche und Pastorenhaus aufzugeben. Schon seit vier, fünf Jahren, berichtet Pastor Stephan Reinhardt, sei klar, dass etwas passieren muss. Die Friedenskirche in Schorndorf und die Christuskirche in Plüderhausen – beide eng miteinander verbunden – lassen sich allein mit ehrenamtlichem Engagement nicht mehr halten.

„Corona“, sagt Reinhardt, „hat den Prozess beschleunigt“: Da seit Beginn der Pandemie die Gottesdienste schon ausschließlich in der größeren, etwas moderneren Kirche in der Plüderhäuser Weberstraße gefeiert wurden, haben sich die Methodisten vor einem halben Jahr entschieden, für die Friedenskirche samt dem danebenliegenden Pastorenhaus einen Käufer zu suchen. Anfang Oktober 2021 ist Reinhardt mit seiner Familie auch aus dem Pastorenhaus gezogen.

Methodisten: Seit 1856 in Schorndorf verwurzelt

„Ein Gebäude aufzugeben“, betont der Pastor, „heißt aber nicht, dass wir Schorndorf aufgeben“. Dafür ist die Evangelisch-Methodistische Kirche auch viel zu tief verwurzelt: 1856, also vor mehr als 160 Jahren, hat mit Johann Gottlieb Steinlen der erste Methodist in Schorndorf gepredigt. Offenbar mit so großer Überzeugungskraft, dass in der Daimlerstadt fortan methodistische Versammlungen stattfanden. Erst im Haus von Bäckermeister Seibold am Unteren Marktplatz, dann im Saal des Gasthauses „Zum Adler“ in der Unteren Hauptstraße. 1873 wurde Schorndorf Predigersitz und 1887 bauten die Methodisten an der Ecke Rosen-/Künkelinstraße eine Kapelle mit 160 Sitzplätzen. Als die Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg weiter wuchs und der Gemeindesaal zu klein wurde, bauten die Methodisten am Alten Friedhof eine Kirche mit Pastorenhaus. Einweihung war im Mai 1955.

Dass die Christuskirche in Plüderhausen nicht nur gut 30 Jahre jünger, sondern auch etwas größer ist, hat den Entschluss sicher begünstigt, sich von der Friedenskirche zu trennen. Und auch wenn sich die Kirchengemeinde die Sache nicht leichtgemacht hat, letztendlich fiel die Entscheidung einstimmig. Gegenwind hat Reinhardt bisher wenig zu spüren bekommen: Im Bezirk Mittleres Remstal – zu dem die Gemeinden Schorndorf und Plüderhausen gehören – ist die Zusammenarbeit offenbar gut. Schon vor der Corona-Pandemie gab es viele gemeinsame Aktivitäten und Bezirksgottesdienste, die einmal in der Friedens- und einmal in der Christuskirche gefeiert wurden.

Dass Gläubige aus der evangelisch-methodistischen Gemeinde in Schwäbisch Gmünd künftig ebenfalls nach Plüderhausen kommen werden – auch das spricht für den Standort Plüderhausen. Es gab, sagt Reinhardt, sogar die Überlegung, beide Kirchen abzustoßen und ganz neu zu bauen. Alle Optionen wurden durchdacht. Letztendlich erschien den Verantwortlichen die jetzige Lösung am ehesten realisierbar. Doch auch das ist möglich: Sollte der Verkauf nicht gelingen, wird noch mal neu überlegt.

Untrennbar verbunden: Kirche und Pastorenhaus

Kirche und Pastorenhaus gehören aber nicht der Schorndorfer Kirchengemeinde, sondern der evangelisch-methodistischen Gesamtkirche. Und die sucht jetzt auch einen Käufer für beide, untrennbar miteinander verbundene Objekte: Die Friedenskirche hat im Erdgeschoss einen großen Saal, der mit Erweiterung und ohne Corona-Abstandsgebot Platz für 130 Personen bietet; außerdem zwei Gruppenräume, im ersten Stock einen Besprechungsraum, im zweiten Stock einen Archivraum. Das Eingangsfoyer wurde 2010 angebaut. Das Pastorenhaus direkt daneben hat eine Wohnfläche von 160 Quadratmetern und insgesamt sieben Zimmer. Beide Gebäude sind renovierungsbedürftig. Ein Abriss kommt aus Friedhofsschutzgründen auf keinen Fall infrage.

Ideen für die Weiternutzung gibt es – und auch ein paar Interessenten: In Kirche und Pastorenhaus könnte ein Mehrgenerationenhaus Platz finden. Ein christlicher Verein, der einer Jüngerschaft ein Leben mit Jesus bieten will, hat ebenfalls Interesse angemeldet. Entschieden ist noch nichts: „Vielleicht ergeben sich noch andere Möglichkeiten, wir sind offen“, sagt Reinhardt und möchte – auch aus Respekt vor den Menschen, die viel in die Kirche investiert haben – eine gute Lösung finden.

Wer Interesse an den Objekten hat, kann sich an Pastor Stephan Reinhardt wenden, 0 71 81 / 6 28 67, oder an Martin Schneidemesser, der in der Evangelisch-Methodistischen Kirche für Immobilien zuständig ist, 0 70 21 / 8 66 86 00.

Direkt am Alten Friedhof gelegen, gehört die Friedenskirche nicht nur zur evangelisch-methodistischen Gemeinde, sondern untrennbar auch zum Stadtbild. Am äußeren Eindruck wird sich auch in Zukunft nichts ändern, doch die Schorndorfer Methodisten haben sich entschieden, Kirche und Pastorenhaus aufzugeben. Schon seit vier, fünf Jahren, berichtet Pastor Stephan Reinhardt, sei klar, dass etwas passieren muss. Die Friedenskirche in Schorndorf und die Christuskirche in Plüderhausen – beide eng

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