Schorndorf

Das Dach steht, die Stars können kommen

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Vorbereitungen fürs elfte Zeltspektakel. Die Zeltbauer beim Aufstellen der Stützen für die Außenwand. © ZVW/Gabriel Habermann
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Der Achtmaster. © Gabriel Habermann

Winterbach. Immer wieder ein erhebender Anblick: Je ein Mann wird an die Seilwinden der acht Masten kommandiert, dann geht es Zentimeter um Zentimeter hoch. Das Dach fürs Zeltspektakel 2019 steht. Ab Dienstag ziehen die Gladiatoren ein, angefangen mit Supertramp-Mann Roger Hodgson.

Das Zelt ist rechtzeitig angekommen. Das Wetter macht mit, die Zeltbaumannschaft tut routiniert ihren Job. Entspannt kann die Winterbacher Rock-Ini ihrem Einsatz entgegenblicken. Der beginnt jetzt am Mittwochabend. Die Inneneinrichtung des Zelts, der Aufbau des Biergartens, die gesamte Infrastruktur drum herum.

Nach und nach wird mal wieder die Stärke des Winterbacher Vereins sichtbar. Am Donnerstag sind es 20 Mitglieder und Freiwillige, am Freitag schon 40, für Samstag und Sonntag dann je 60. Sie kommen aus dem ganzen Remstal oder gar aus dem Backnanger Raum, so wie der Pressemann Christoph Goldschmidt. Die Musik hat sie zusammengeführt, die Schafferei vollends vereint.

Die internationale Zeltbautruppe

Reiner Ehmann hatte jetzt am Dienstag Platzdienst. Ein Weinstädter. Den zwölf Zeltbauern, die 400 Kilometer von Oberhausen hierhergefahren sind mit Sack und Pack, arbeitet er zu. Im Auto liegen hat er eine Liste mit dem, was er fürs Vesper holen soll. Es wird wortlos verteilt. Die Zeltbauer kommen aus Rumänien und sonst wo aus dem Osten, ein Holländer ist dabei.

Blick unter die Plane. Die Dimensionen sind gewaltig. Gerade jetzt, wo der Rasen noch frei ist. Fußballfeldgroß. Aber für die Abordnung aus Oberhausen ist das immer noch ein Kleinzelt. Fürs Wacken-Festival, weiß Ehmann, liefern sie eine viermal größere Interimsbleibe aus.

"Das entsteht in vier Tagen aus dem Nichts"

Zeltbau in dieser Dimension ist ein eigenes Geschäft, keine Frage. Generationen von Zirkuszeltbauern haben vorgearbeitet. Die Technik so weit simpel, aber es muss jeder an seinem Platz sein. Denn nachträglich, mit einem Kran etwa, wird da gar nichts gemacht. Die Hauben über den acht Mastspitzen entfalten sich von selbst, wenn die Riesenplane hochgewunden ist. Die Masten sind miteinander durch Stahlseile verbunden, Abspannseile führen dann runter zum Boden. Das will alles vorab zurechtgelegt sein. Und erprobt sein. Windstärke zehn muss so ein Zelt auch noch packen. Der Tüv kommt und macht die Abnahme. Ehmann weiß, was zu tun ist. Aber wenn er so rundum blickt, packt es auch ihn. „Das entsteht in vier Tagen aus dem Nichts, das finde ich schon immens.“ Wobei ja alles aus der Erfahrung kommt. Denn wirklich aus dem Nichts, „das geht schief“, ist er überzeugt. Acht Tage Powerplay, mit Unterhaltung außen im Biergarten und den Acts im Zelt, das musste langsam wachsen, um es mit einem Verein stemmen zu können. Es handelt sich um die elfte Ausgabe.

Der harte Kern der Winterbächer hat sich vorher kurz mal eingegroovt. Auch schon aus Gewohnheit. Dann geht es ab zum Gaildorfer Bluesfest, erzählt Steffen Clauss, der Obermächer. Ein Brauch seit den 90er Jahren. Dann aber ist „Schluss mit lustig, dann sind wir selber dran“.

Dieses Jahr ereignet sich das Zelt in einem Umfeld, das eh schon viele Leute ins Tal bringt. Gartenschau. Der Winterbacher Bürgermeister Sven Müller, ein Zeltspektakel-Fan wie sein Vorgänger Albrecht Ulrich, hat die Rockini gefragt, ob die Konzerte ins Gutscheinheft für die Gartenschau aufgenommen werden können. Die Rockini hat dann doch abgewunken. Steffen Clauss sagt: „Wenn es zu unseren Konditionen gepasst hätte, dann wären wir auf den Zug aufgesprungen. Wir haben halt auch unsere eigenen Vorstellungen. Verschenken und verschleudern wollen wir nichts.“ Es kam mal ein Sponsor, der hätte ihnen auch das Namensrecht abgekauft. Das Zeltspektakel verkaufen, „das machen wir nicht“. Wäre ja noch schöner!

 


Letzte Chance auf Tickets

So sieht die Lage sechs Tage vor dem Start aus: John Fogerty, Dieter Thomas Kuhn und Gerhard Polt sind ausverkauft.

Für Roger Hodgson, Dienstag, 16. Juli, gibt es noch Stehplätze. Ebenso für LaBrassBanda am Donnerstag, 18. Juli.

Karten, egal welcher Kategorie, sind noch zu haben für Jan Delay, Samstag, 20. Juli, Dreamtheater, Sonntag, 21 Juli, und Joss Stone am 23. Juli.