Schorndorf

Das Indianerzelt auf dem Schulhof

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© Palmizi / ZVW
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Schorndorf-Haubersbronn. In der Abenteuer-AG haben sie schon Lägerle im Wald gebaut, in der Werk-AG erste Erfahrungen im Sägen, Bohren und Feilen gemacht. Jetzt haben sich beide Gruppen zusammengetan: Mit Unterstützung der Stadtwerke und der Zentralen Dienste haben 30 Mädchen und Jungen der Schillerschule Haubersbronn auf einer Rasenfläche des Schulhofs ein Weidentipi gebaut und damit dem Bewegungs-Schwerpunkt der Grundschule alle Ehre gemacht.

Die harten Erdklumpen zu zerbröseln, ist gar nicht so einfach. Mit bloßen Händen, aber auch mit Schaufeln und Hacken werden die Brocken klein gemacht – bis den kleinen Schaffern der Schweiß auf der Stirn steht. Doch es hilft alles nichts: Damit die drei Meter langen Weidenruten, die die Männer der Zentralen Dienste zuvor auf einer Ausgleichfläche an der Schorndorfer Westumfahrung geschnitten haben, auch ordentlich anwachsen können, müssen die Stämme von Erde dicht umgeben sein. Außerdem braucht’s „viel Wasser“, weiß Werk-AG-Lehrer Walter Beutel. Es ist also kein einmaliger Kraftakt: „Die Schüler müssen das Tipi auch pflegen“, ergänzt Lehrerin Tanja Bauer, die normalerweise die Abenteuer-AG leitet.

Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern aus Beutels Werk-AG und zwei Kindern aus der Sprachförderung hat sich ihre Abenteuer-AG am Montagnachmittag ins Zeug gelegt. Ursprünglich, erzählt Silke Brand, Leiterin Vertrieb, Marketing, Umwelt bei den Stadtwerken, hätten in Haubersbronn untergebrachte Flüchtlinge bei der Aktion mithelfen sollen. Die bürokratischen Hürden, mit denen ein solcher Arbeitseinsatz verbunden gewesen wäre, „sind aber extrem hoch“. Und so haben die Zentralen Dienste auch den 80 Zentimeter tiefen Setzgraben ausgehoben. Außerdem hat Hausmeister Georg Stiefel beim vorbereitenden Löchersetzen mitangepackt.

Tatsächlich aber sollte der Tipi-Bau ein Projekt für die Kinder sein. Und so war am Montagnachmittag die Erdarbeit Hauptaufgabe der Erst- bis Viertklässler. Das war Bewegung pur – und passt für Lehrerin Tanja Bauer zum Konzept der Schule mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt. Das Tipi, sagt sie, kann schließlich auch in den Bewegungspausen genutzt werden.

Engagierte Stadtwerke: Tipis für sechs Grundschulen

Die Stadtwerke, die sämtliche Material- und Personalkosten übernommen haben, wollen mit dem Projekt Bürgernähe und soziales Engagement demonstrieren. Da sie das vergangene Jahr obendrein unternehmensintern zum „Jahr des Kindes“ erklärt haben, passt die Weidentipi-Aktion perfekt. Und so hat Silke Brand, die als Mutter eines Grundschulkindes weiß, dass Schülern oft Rückzugsmöglichkeiten fehlen, alle Schorndorfer Grundschulen anschreiben lassen. Sechs haben Interesse signalisiert. Und jetzt ist nach der Otfried-Preußler-Grundschule in Miedelsbach die Schillerschule Haubersbronn die zweite Schule, die mit Unterstützung der Stadtwerke und der Zentralen Dienste zu einem Rückzugstipi kommt. Im Frühjahr 2017 kommen dann die Schurwaldschule in Oberberken, die Reinhold-Maier-Schule in Weiler, die Fuchshof- und die Künkelinschule an die Reihe.

Für die Schillerschule ist es freilich schon der zweite Anlauf, zu einem Weidentipi zu kommen: Vor einigen Jahren wurden im Schulgarten schon Weiden in die Erde gesteckt – und „wieder rausgerissen“, erzählt Lehrerin Tanja Bauer. Das soll sich nicht wiederholen. Doch den jetzigen Standort am Eingang des Schulhofs hält Bauer sowieso für geeigneter. Außerdem ist das Tipi mit einem Durchmesser von 2,50 Metern größer. Und mit Walter Beutel hat die Aktion einen erfahrenen Tipi-Bauer: Bevor er an die Schillerschule nach Haubersbronn kam, war er an der Urbacher Wittumschule und hat dort schon ein Weidentipi gebaut.

Tipi selbst gemacht

Das zeitige Frühjahr ist die beste Zeit für den Weidentipi-Bau: Dann sind die Weidenäste frisch und wachsen am besten an. Der Boden darf aber nicht mehr gefroren sein. Die Ruten werden einfach von Weidenbäumen geschnitten, die an den Ufern von Gewässern oder auf Feuchtwiesen wachsen. Tipi-Bauer empfehlen: Ideal sind schmalblättrige, strauchförmige Arten.

Weiden brauchen viel Licht, deshalb sollte das Tipi in einiger Entfernung von Mauern und großen Bäumen entstehen. Die Weidenstecklinge brauchen außerdem unmittelbaren Kontakt zum Erdreich, damit sie Wurzeln bilden können. Deshalb sollte die Erde nicht nur in den Setzgraben geschüttet, sondern vorher zerbröselt und dann festgestampft werden. Und nicht vergessen: Viel Gießen hilft beim Anwachsen.