Schorndorf

Das Trampolin beherrschen in vier Tagen

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Trainer Jan Freudenberg unterstützt die Kinder bei ihren ersten Versuchen auf dem Trampolin. © Sarah Utz

Schorndorf. Welch elegante Artistik auf dem Trampolin möglich ist, war unlängst bei den Olympischen Spielen zu bestaunen. In einem Kurs der SG Schorndorf können Sechs- bis Zehnjährige im Ulrich-Schatz-Sportzentrum den sicheren und kunstvollen Umgang mit dem Turngerät gerade trainieren. Und dabei ein wenig von dieser Faszination erahnen.

Video: Trampolin-Workshop der SG Schorndrof

Wie Hasen hüpfen fünf Jungen über die luftgepolsterte Turnmatte. Zuerst mit den Händen, dann mit den Füßen bewegen sie sich vorwärts. Was bei Profis durchaus elegant aussieht, wirkt bei den Neulingen urkomisch und macht ihnen sichtlich Spaß. Auf der „Airtrack“ genannten Matte wird entsprechend viel gelacht. Auch wenn die Jungen die Aufgabe nicht immer ganz ernst nehmen, so erfüllt sie doch einen wichtigen Zweck auf dem Weg zum Sprung. Der „Hasenhüpfer“ ist eine Art Trockenübung für das Trampolin und soll Absprung, Körperkontrolle und Koordination der Nachwuchssportler schärfen.

Vor dem Sprung gibt es Trockenübungen auf der Turnmatte

Insgesamt fünf solcher Stationen sind in der Sporthalle aufgebaut. Und an jeder werden spezifische Fertigkeiten trainiert. Die Kinder springen von Kästen über kleine Trampoline auf große Matten, um Sprungtechniken zu üben. Sie hüpfen über ein Gummiband, um ein Gefühl für die Höhe zu bekommen. Oder sie springen mit beiden Beinen vom Sprungbrett in einen Ring, damit sie mehr Stabilität beim Landen erlangen. Was wichtig ist, weil das Trampolinspringen zwar ziemlich viel Spaß machen, aber auch ganz schön gefährlich sein kann.

Schließlich sind die 15 Kinder, die in dieser Woche das Trampolinspringen lernen, auch noch Anfänger. Der erste Schritt zum guten und vor allem sicheren Sprung ist daher die Kontrolle über den eigenen Körper. „Am ersten Tag geht es vor allem darum, ein Gefühl für die Körperspannung zu entwickeln“, erklärt Trainer Jan Freudenberg. „Damit man sich nicht verletzt.“ Worauf es beim Trampolinspringen sonst noch ankommt? Natürlich die richtige Technik, „sonst kommt man nicht sehr weit.“ Und, nicht zu vergessen, „der Spaß und die Motivation, das auch wirklich lernen zu wollen“. Klingt gar nicht so kompliziert, was der 20-Jährige sagt, oder?

Bevor es aber aufs große Trampolin geht, müssen die Kinder noch ein wenig an ihrer Technik feilen. Zunächst müssen die Grundsprünge sitzen. Der einfachste von ihnen ist der Strecksprung. „Darauf baut alles Weitere auf.“ Dabei werden die Arme möglichst so weit nach oben gestreckt, dass der Körper eine Linie bildet. Ist das geschafft, geht es an den Hocksprung. Hier gehen die Beine beim Springen in die Hocke und werden dabei kurz festgehalten mit den Händen. „Das ist sehr wichtig für den Salto“, sagt Freudenberg. Außerdem gibt es noch den Grätsch- und den Spreizsprung. Bei beiden gehen die Füße auseinander: entweder zur Seite oder nach vorne und hinten.

Am Ende sollen alle Kinder einen Salto rückwärts machen können

Wenn die Kinder diese Grundsprünge sicher beherrschen, kann der Schwierigkeitsgrad stufenweise erhöht werden: Über Sitzsprünge – „da braucht man viel Körperspannung“ – sowie Rücken- und Bauchsprünge bis hin zum Überschlag. Für den viertägigen Kurs hat sich Trainer Freudenberg nämlich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: „Am Ende sollen alle Kinder einen Salto rückwärts auf dem großen Trampolin machen können.“

Doch zunächst müssen die Grundsprünge auf dem respekteinflößend großen Trampolin umgesetzt werden. Nicht immer gelingt das allen auf Anhieb. Manchmal muss der Trainer kurz Hand anlegen, die Körperhaltung korrigieren und den Kindern Ratschläge geben, wie sie ihren Sprung verbessern können. Was sie schnell begreifen: Schon nach einer Viertelstunde machen die Kinder die erste Drehung auf dem Trampolin. Ein ganz wichtiger Tipp dazu vom Trainer: „Macht euch nicht klein, sondern versucht, lang zu bleiben.“ Die richtige Körperspannung ist nun mal, wir erinnern uns, die entscheidende Grundlage für gute Sprünge – und sichere Landungen.

Dass ein ordentlicher Trampolinsprung viel mehr ist als reines Hoch- und Runterhüpfen, hat nicht zuletzt der Schriftsteller Ilija Trojanow erlebt, der für sein Buch „Meine Olympiade“ 80 olympische Sommersportarten im Selbstversuch absolvierte und dabei seine Leidenschaft für das Trampolin entdeckte: Nirgendwo, findet Trojanow, komme man dem Fliegen als Mensch näher als auf dem Trampolin.

Zumindest eine Ahnung von dieser Faszination dürften die Schorndorfer Kinder am Ende ihres ersten Tages bekommen haben. Und mögen sie auch vom Training erschöpft sein, so ertönt doch auf die Frage, ob es ihnen gefallen hat, aus 15 Kehlen ein überzeugtes, lautes „Ja!“. Dafür gibt es dann noch einen letzten Tipp von Trainer Freudenberg: „Immer schön konzentriert bleiben – und früh ins Bett gehen.“

Ein Kurs als Testlauf

Mit diesem Kurs, der auch für Fortgeschrittene angeboten wird, möchte die SG Schorndorf nicht nur etwas Neues während der Sommerferien ausprobieren. Es ist, so Trainer Freudenberg, eine Art Testlauf.

Je nachdem, wie die Resonanz auf die Trampolin-Workshops letztlich ausfällt, erwägt der Sportverein, künftig regelmäßig Trampolin-Kurse zu veranstalten.

Wer sich für das aktuelle Angebot der Turnabteilung – von Kindertanz über Rhythmische Sportgymnastik bis Aerobic – interessiert, findet hier die richtigen Ansprechpartner: Heiko Paule (Gerätturnen): 0 71 81/2 11 00, Sabine Natterer (Kinder und Erwachsene): 0 71 81/6 24 52 sowie per E-Mail unter: sg-turnen@gmx.de

Weitere Informationen über das gesamte Sportangebot des Vereins gibt es im Internet unter der Adresse www.sg-schorndorf.de