Schorndorf

Den Künstlern in Schorndorf geht jetzt die Luft aus

Kunstmarkt03
Das war einmal. Der immer gut besuchte Kunstmarkt am 1. Dezember-Wochenende war eine wichtige Verkaufsausstellung für die Schorndorfer Künstlerinnen und Künstler vor Weihnachten. Aber auch dessen coronakonforme Version „Q Store. Das Kunstkaufhaus“ wurde nun abgesagt. © Ralph Steinemann Pressefoto

Kunst? Kannste knicken! Fällt im sich als Kulturstaat gefallenden Deutschland unter „Freizeit und Vergnügen“, in bedenkenswerter Nachbarschaft etwa zu Bordellen. Keinesfalls „systemrelevant“. Auch beim inzwischen zweiten „Lockdown“ mussten Kultureinrichtungen wie Galerien, Museen und Musikspielstätten überall wieder komplett schließen. Und das, obwohl sie sich viel, ja allergrößte Mühe mit Konzepten zur vorgeschriebenen Einhaltung der coronabedingten Hygieneregelungen gemacht haben. Doch wen schert’s?

„Kultur ist Bildung und soziale Teilhabe, kein Vergnügungspark!“

Keine Ausstellungen. Keine Auftritte. Kein Geld. Die Künstlerinnen und Künstler in der Zirkuskuppel: ratlos. „Wir sind keine Freizeiteinrichtung und kein Vergnügungspark“, protestiert dagegen Stefanie Grünes, die Geschäftsführerin des Kulturforums Schorndorf. „Kultur ist Bildung. Das kann man nicht einfach streichen. Es geht dabei auch um soziale Teilhabe.“

Die Kraft, das Engagement und die Stimmung unter den Schorndorfer Kulturschaffenden rund ums seit langen Jahren höchst engagierte, bürgerschaftlich organisierte Kulturforum und im Künstlerbund Kunstverein scheinen bedenklich zu bröseln, wenn man Stefanie Grünes' Wahrnehmungen Glauben schenken will.

„Die Power, die einen trägt, ist bei vielen nicht mehr da!“

Es ist anders als beim Lockdown im Frühjahr, als man noch mehr oder weniger optimistisch und hoffnungsvoll für den Sommer und Herbst, für eine Zeit „danach“ plante. „Die Power, die einen trägt, ist bei vielen nicht mehr da, das ist der Unterschied zum Sommer“, hat Grünes beobachtet. „Man weiß einfach nicht mehr, ob etwas Geplantes dann auch wirklich stattfinden kann.“ Zwischen den Zeilen der Verlautbarungen aus der Politik höre man gerade heraus, so die Kultur-Organisatorin, „dass die Einschränkungen verlängert werden“.

Darauf wurde nun reagiert. Der Kunstverein lässt seine Anfang Dezember angesetzte Jahresausstellung „Essenz“ ausfallen. Hinter den Kulissen hört man von Widerstand. Besonders der für die Künstlerinnen und Künstler als sehr wichtige Einnahmequelle vor Weihnachten geltende Kunstmarkt, der coronakonform zu einem weiträumigen „Kunstkaufhaus“ hatte umorganisiert werden sollen, fällt ebenfalls aus.

Stattdessen bleibt die aktuelle Ausstellung des türkischen Künstlers Sakir Gökcebag hängen. „Wir hoffen“, so Grünes, „dass wir im Dezember in irgendeiner Form wieder aufmachen dürfen, und dann ist mit dieser Ausstellung etwas da.“

Spendenaktion unter dem Motto „Ohne Kultur wird es still“

So oder so. Für die Künstlerinnen und Künstler, die kein zweites Standbein etwa als Lehrer oder sonst wo haben, wird die Luft immer dünner. Deshalb wird die von Didi März im Rahmen des Kulturforums initiierte Spendenaufruf-Aktion einer „Soforthilfe für Künstlerinnen und Künstler“ noch einmal verstärkt beworben.

„Ohne Kultur wird es still“, so das Motto der Wiederaufnahme der Aktion, bei der nun 42 Spenden zwischen 30 und 3000 Euro eingingen, von denen insgesamt 18 Künstler mit je 300 Euro bedacht wurden. Reicht nicht wirklich zum Leben. Hilft aber bei Notfällen, sagt Grünes, etwa wenn „das Auto kaputt oder der Kühlschrank leer ist“.

„Die meisten Kulturschaffenden leben ohnehin am Existenzminimum“, so die Autorin Sibylle Berg gestern im Interview. „Kultur ist für dieses System nicht wichtig. Für die Menschen schon.“

Kunst? Kannste knicken! Fällt im sich als Kulturstaat gefallenden Deutschland unter „Freizeit und Vergnügen“, in bedenkenswerter Nachbarschaft etwa zu Bordellen. Keinesfalls „systemrelevant“. Auch beim inzwischen zweiten „Lockdown“ mussten Kultureinrichtungen wie Galerien, Museen und Musikspielstätten überall wieder komplett schließen. Und das, obwohl sie sich viel, ja allergrößte Mühe mit Konzepten zur vorgeschriebenen Einhaltung der coronabedingten Hygieneregelungen gemacht haben. Doch wen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper