Schorndorf

Denis sucht eine neue Gastfamilie

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Bis Ende Juni möchte Denis noch gerne in Schorndorf und am MPG bleiben. © Habermann / ZVW

Schorndorf-Oberberken. Weil ihre Tochter nach dem Auslandsjahr in den USA mit einer guten Portion Selbstbewusstsein heimgekommen ist, wollten die Seyfangs die Organisation, die das ermöglichte, unterstützen und haben sich bereiterklärt, Denis aus Moldawien als Ankunftsfamilie aufzunehmen. Acht Wochen sollte der 16-Jährige bei ihnen bleiben, mittlerweile sind daraus fast fünf Monate geworden. Und so langsam wird es in ihrem Haus in Oberberken doch zu eng.

Damit es bei den Seyfangs für Denis überhaupt einen Platz zum Schlafen gab, hat der zehnjährige Jonathan sein Zimmer geräumt. Seit Ende August schläft der Jüngste der Familie auf einer Liege im Elternschlafzimmer. Aus den acht Wochen, die Denis bei seiner Ankunftsfamilie bleiben sollte, sind fast fünf Monate geworden. Jetzt wird es für die fünfköpfige Familie wirklich Zeit, dass Denis endlich eine Gastfamilie findet, bei der er bis zum Ende des Schuljahrs bleiben kann.

Am liebsten natürlich in Schorndorf oder der näheren Umgebung: Da sich Denis zunächst in der neunten Klasse im Max-Planck-Gymnasium und dann – weil seine Leistungen so gut waren – nach den Herbstferien in der zehnten Klasse eingewöhnen musste, möchten die Seyfangs es dem 16-Jährigen ersparen, dass er sich noch einmal in einer neuen Klasse einfinden muss. „Wir möchten eigentlich, dass Denis am MPG bleiben kann“, sagt Christine Seyfang und kann ihn als Gastkind nur empfehlen: Freundlich, positiv, kommunikativ und offen – „er ist ein ganz normaler Junge“. In der Familie fühlt er sich wohl, hat schnell Aufgaben übernommen und geht regelmäßig mit dem Hund spazieren. Der 16-Jährige spricht gut Deutsch und versteht mittlerweile sogar ein bisschen Schwäbisch.

Ausflüge sind kein Pflichtprogramm

Abgesehen von Kost und Logis würden auf eine Gastfamilie auch keine weiteren Kosten zukommen, versichert Christine Seyfang. Die Busfahrkarte bezahlt Denis selbst, außerdem bekommt er von seinen Eltern, die in Moldawien eine Firma haben, Taschengeld. Die Ausflüge, die die Seyfangs mit ihm nach Heidelberg, zur Kürbisausstellung nach Ludwigsburg und Norddeutschland unternommen haben, waren kein Pflichtprogramm – „das haben wir freiwillig gemacht“.

Doch trotz aller Nachfragen im Bekanntenkreis und eines Aushangs in der Schule – bisher sind alle Versuche, für Denis eine neue Gastfamilie zu finden, gescheitert. Darum versuchen die Austauschorganisation „Youth for Understanding“ und die Seyfangs jetzt gemeinsam ihr Glück über einen Aufruf in der Zeitung. Bis Ende Februar, so die Hoffnung, sollte sich eine neue Familie gefunden haben. Und eines ist Christine Seyfang wichtig zu betonen: „Wir wollen Denis nicht abschieben.“ Die Familie ist bereit, auch weiterhin für den 16-jährigen Schützling da zu sein. Doch für die Seyfangs wird es jetzt einfach Zeit, dass der zehnjährige Jonathan sein Zimmer zurückbekommt.

Deutschkenntnisse enorm verbessert

Auch Denis würde eigentlich am liebsten bleiben. Er fühlt sich in der Familie wohl, verbringt seine Freizeit gerne mit seinen Gasteltern und -geschwistern. Er konnte seine Deutschkenntnisse enorm verbessern. Gerade mal zwei Jahre hat er die Sprache, die er schon immer cool fand, davor in Moldawien gelernt. Und er hat sich an Deutschland und das deutsche Schulsystem gewöhnt – samt Mittagschule und Doppelstunden und ohne Schuluniform. Mittlerweile gehören Flammkuchen, Kartoffelgratin und Kässpätzle zu seinen Leibgerichten. Und auch wenn in Deutschland vieles anders ist als in seinem Heimatland, einen Kulturschock musste der 16-Jährige nicht verkraften. Obwohl er in Moldawiens Hauptstadt Chisinãu aufgewachsen ist, in Oberberken hat er sich von Anfang an wohlgefühlt. „Ich mag die Natur und die frische Luft.“ Da Chisinãu sogar kleiner ist als Stuttgart, war die Umstellung sowieso nicht so groß. Und wenn er Sehnsucht nach der Stadt hat, ist er ja schnell in Schorndorf oder Stuttgart.

YFU

Die gemeinnützige Austausch-Organisation „Youth for Understanding“ (YFU) vermittelt jedes Jahr etwa 600 Austauschschülerinnen und -schüler aus weltweit mehr als 50 Ländern an deutsche Gastfamilien. Und die werden während des Austauschjahrs auch nicht sich selbst überlassen: Die ehrenamtliche Betreuer sind für die Familien und die Jugendlichen da, jedes Vierteljahr findet ein Seminar in einer deutschen Stadt statt.

Familien, die sich vorstellen können, den 16-jährigen Denis für den Rest des Schuljahrs aufzunehmen, können sich bei YFU melden. Kontakt: Marie Schumann, 0 40/22 70 02-89 oder E-Mail: schumann@yfu.de.