Schorndorf

Der angeblich barrierefreie Haltepunkt

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Die beidseitigen Rampen zu den Bahnsteigen am S-Bahn-Haltepunkt Weiler sind so gut wie fertig. Barrierefrei ist der Haltepunkt aber erst, wenn die Bahnsteige auf das Niveau des Ein- und Ausstiegs der S-Bahn angehoben wären. Was allerdings bedeuten würde, dass dann auch wieder die Rampen angepasst werden müssten – und das wäre sicherlich auch wieder mit hohen Kosten verbunden. © Palmizi / ZVW
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Es sind genau 38 Zentimeter, die ausgeglichen beziehungsweise von Fahrgästen überwunden werden müssen. © Alexandra Palmizi
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Dieses Schild ist in jeglicher Hinsicht ein Witz. Davon abgesehen, dass es in Weiler weder einen Bahnhof und schon gar keinen 200 Meter entfernten gibt, sondern nur einen Haltepunkt, an dem dieses Schild angebracht ist, gibt es am Haltepunkt Weiler keine Umstiegsmöglichkeiten auf Bus und Ruftaxi. Und mit Stadtmitte dürfte wohl die Ortsmitte gemeint sein. © Alexandra Palmizi

Schorndorf-Weiler. Als Wilhelm Pesch gerade den Meterstab anlegt, um die Differenz von S-Bahn-Ausstieg und Bahnsteigkante zu messen, beugt sich der Zugführer durchs Fenster – nicht etwa um Pesch zurechtzuweisen oder ihn zu fragen, was er da eigentlich während des kurzen S-Bahn-Halts tut, sondern um frisch von der Leber weg zu schimpfen, was für ein Schwachsinn es ist, neue Rampen zu den Bahnsteigen zu bauen, ohne diese vorher auf das Ein- und Ausstiegsniveau anzuheben. Bahnhofspate Wilhelm Pesch sieht sich bestätigt: „Besser hätte ich es nicht sagen können.“

Bestätigt sehen darf sich auch der Weilermer Herbert Röker, der ebenfalls den „angeblich barrierefreien Umbau des S-Bahn-Haltepunktes Weiler reklamiert, für den laut Bahn 1,1 Millionen Euro ausgegeben worden sind, und sich ebenfalls fragt, ob nicht zuerst die Bahnsteige auf ein barrierefreies Niveau hätten angehoben werden müssen. Ganz davon abgesehen, so Röker in einem Schreiben an die Redaktion und wiederum in voller Übereinstimmung mit Wilhelm Pesch, dass aufwendig und teuer lange Zugangsrampen gebaut worden seien, obwohl es auch zuvor schon Zugänge über einfache Rampen zu den Bahnsteigen gegeben habe, die – vor allem auf der Südseite – mit viel weniger Aufwand so hätten verlängert und umgebaut werden können, dass ebenfalls Steigungen von nicht mehr als sechs Prozent hätten erreicht werden können.

Unklar, wann Aufhöhung der Bahnsteige möglich ist

Was die Anhebung des Niveaus der Weilermer Bahnsteige angeht, hat die von Herbert Röker angeschriebene Landes-Behindertenbeauftragte vom Leiter des Regionalbüros Südwest der DB Station & Service AG die Auskunft bekommen, dass „zum aktuellen Zeitpunkt aufgrund der nicht gesicherten Finanzierung keine Aussage über den Realisierungszeitraum einer möglichen Aufhöhung der Bahnsteige in Weiler möglich“ sei. Ohnehin könne eine Finanzierung immer nur im Rahmen von Ersatzinvestitionen erfolgen, und Ersatzinvestitionen für Bahnsteige im Bereich der S-Bahn Stuttgart stünden aufgrund des vergleichsweise geringen Alters der Anlagen in den nächsten Jahren nicht an. Grundsätzlich aber seien die jetzt errichteten neuen Rampen „so konstruiert, dass diese bei einer nachträglichen Aufhöhung der Bahnsteige ebenfalls problemlos angepasst werden können“, heißt es in einem von Groh unterzeichneten Schreiben.

Pesch hat "alles erlebt, was es gibt"

Über zehn Jahre lang ist der Grünen-Stadt- und Ortschaftsrat Wilhelm Pesch jetzt schon Bahnhofspate in Weiler und hat, wie er sagt, „in dieser Zeit alles erlebt, was es gibt“. Und vieles moniert und angeprangert, ohne dass sich die Situation grundsätzlich zum Besseren verändert hätte. Das fängt an beim Winterdienst, der oft erst dann anrückt, wenn sich die morgendlichen Pendler schon durch den Schnee und übers Eis gekämpft haben und geht weiter beim Baumschnitt, der in den letzten Jahren so vernachlässigt worden ist, dass die Birken auf der Südseite mittlerweile ins Lichtraumprofil hineinragen und Gefahr laufen, den S-Bahnverkehr zu beeinträchtigen oder zu gefährden.

Ein Schild, mit nichts als leeren Versprechungen beschriftet

Er verstehe zwar, so Pesch, dass die Anwohner entlang der Bahnlinie froh seien, dass die Bäume einen gewissen Sicht- und Lärmschutz böten, aber im Zweifel müsse die Sicherheit einfach vorgehen. Wenn in den neuen Wartehäuschen, die nur noch halb so groß seien wie die alten, eine Bank nicht ersetzt werde, nur weil sie einmal von Vandalen zerstört worden ist, kann Pesch dies ebenso wenig nachvollziehen wie die Schäden an der Bahnsteigbegrenzung, die teilweise notdürftig mit Stahlplatten kaschiert werden. Und die neue Beschilderung, die nichts außer Unsinn und leeren Versprechungen enthält – es sei denn, der von den Grünen seit längerem geforderte Bushalt am S-Bahn-Haltepunkt wäre schon vorweggenommen – ist für Wilhelm Pesch schlichtweg ein Witz.

Als Bahnhofspate bleibt einem da nur, sich über die ganz kleinen Erfolge zu freuen: Zum Beispiel darüber, dass die Abfallbehälter, die innerhalb der Wartehäuschen immer wieder beschädigt oder angezündet wurden, jetzt außerhalb der Unterstände angebracht sind.

Zweite P+R-Anlage gewünscht 

Und dann wäre da ja auch noch der Weilermer beziehungsweise Schorndorfer Wunsch, dass, nachdem der Parkdruck im Umfeld der P+R-Anlage immer mehr zunimmt, nördlich der Bahnlinie ein zweiter Park- und Ride-Platz mit 150 bis 200 Plätzen geschaffen wird – idealerweise sowohl von Winterbach als auch von Schorndorf her direkt anfahrbar, so dass der Ortskern nicht zusätzlich verkehrlich belastet wird. Dafür braucht’s Wilhelm Pesch zufolge einen Bebauungsplan, nachdem laut Manfred Beier, seines Zeichens Leiter des städtischen Fachbereichs Stadtplanung und Baurecht, mittlerweile sowohl der VVS als auch der Verband Region Stuttgart zur Einsicht gelangt sind, dass es sich beim Park- und Ride-Standort halt doch nicht nur um einen rein lokalen Standort handelt, der nur deshalb eine überörtliche Anziehungskraft entfaltet, weil er bislang noch gebührenfrei benutzt werden kann.


Informationsveranstaltung zum Thema Verkehr

Die Stadtverwaltung lädt auf Dienstag, 19. Dezember, 18 Uhr, die Bürgerinnen und Bürger vor allem aus Weiler in die Bronnbachhalle ein zu einer Informationsveranstaltung zur Verkehrsplanung im Stadtteil Weiler.

Bei der öffentlichen Informationsveranstaltung werden interessierte Bürgerinnen und Bürger über den Verkehrsentwicklungsplan und Lärmaktionsplan der Stadt Schorndorf und die konkreten Auswirkungen und Planungen für den Stadtteil Weiler informiert. Der Leiter des Fachbereiches für Stadtentwicklung und Baurecht, Manfred Beier, sowie sein Mitarbeiter Jan Grube stellen die Grundlagen, Maßnahmen und Ziele der Verkehrsplanung in Weiler vor.

Der Verkehrsentwicklungsplan wurde anhand von Datenrecherchen, Verkehrszählungen und -befragungen sowie Bürgerbeteiligungen von den Büros Gevas Humberg & Partner sowie BIT Ingenieure entwickelt. Basierend auf dem Analysejahr 2014 entwarfen die Ingenieure insgesamt fünf mögliche Verkehrsszenarien für die Stadt Schorndorf. Hierbei war das Zieljahr jeweils das Jahr 2030.

Auf der Grundlage dieser fünf Szenarien wurde schließlich ein Vorzugsszenario entworfen, dass die effektivsten, sinnvollsten und umsetzbarsten Maßnahmen für den Erhalt der Mobilität in der Stadt Schorndorf bündelt und dem Verkehrsleitbild der Stadt am nächsten kommt.

Die Stadtverwaltung empfiehlt die Umsetzung dieses Vorzugsszenarios und bietet den Bürgerinnen und Bürgern bei der Informationsveranstaltung die Gelegenheit, Fragen zu den Verkehrsplanungen insbesondere im Stadtteil Weiler zu stellen.