Schorndorf

Der Kampf um die Zebrastreifen in Schorndorf

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Absteigen, wie’s an Fußgängerüberwegen eigentlich vorgeschrieben ist, oder nicht, das ist für viele Radfahrer die Frage. © ZVW/Benjamin Büttner (Archiv)
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Auch solche vorgebauten Inseln wie hier in der Schlichtener Straße können einen Fußgängerüberweg sicherer machen. Zumal wenn das Warnschild die Sicht nicht beeinträchtigt. © Alexandra Palmizi

Schorndorf. Nur bei 28 von insgesamt 107 Fußgängerüberwegen, die es in Schorndorf und den Stadtteilen gibt, gibt es in puncto Sicherheit keine Beanstandungen. Bei den anderen 73 sieht die Verwaltung Handlungsbedarf ganz unterschiedlicher Art. Im Technischen Ausschuss ging es hauptsächlich darum, wie auf und neben den Zebrastreifen Radfahrern zu ihrem Recht verholfen werden kann – und ob das überhaupt sinnvoll und wünschenswert ist.

Wenn der Oberbürgermeister die Augen verdreht und ein genervtes „Junge, Junge“ in die Runde wirft, dann geht ihm in einer Diskussion gehörig was gegen den Strich. So wie in diesem Fall die verschiedentlich und mehr oder weniger unverhohlen geäußerte Meinung, dass die eigentlich Bösen im Straßenverkehr und an den Fußgängerüberwegen nicht etwa die Autofahrer, sondern die Radler sind. Ausgelöst hatte diese Reaktionen der nicht als passionierter Radfahrer bekannte CDU-Fraktionschef Hermann Betel mit seiner Forderung, es an möglichst vielen Überwegen zu ermöglichen, dass die Radfahrer nicht absteigen müssen, sondern drüberfahren können – was am besten mit baulich und farblich abgesetzten und parallel zum Fußgängerüberweg verlaufenden Radfurten funktionieren würde.

Schaal stört sich an Radlerhorden, Klopfer an Autohorden

Weil einige nur die Hälfte von Beutels Äußerung zur Kenntnis genommen und auch die Sitzungsvorlage nicht richtig gelesen hatten, entspann sich ein munterer Schlagabtausch darüber, wie kritisch es sei, einen Zebrastreifen sowohl Fußgängern als auch Radfahrern zu überlassen. So sprach sich GLS-Stadtrat Werner Neher gegen eine gemischte Nutzung von Fußgängerüberwegen aus, und ihm pflichtete mit SPD-Stadträtin Sabine Berger eine gestandene Polizeibeamtin bei, indem sie kategorisch feststellte; „Überwege müssen den Fußgängern gehören!“ Als dann noch CDU-Stadtrat und Fahrlehrer Thomas Schaal loslegte und von „Radfahrerhorden“ auf Fußgängerüberwegen und davon sprach, dass die auch kontrolliert gehörten, wurde es dem Oberbürgermeister langsam zu bunt. Das seien „keine Horden, sondern Menschen, die mit dem besten aller Verkehrsmittel unterwegs sind“, sagte Klopfer und betonte, dass es zwangsläufig Änderungen im Verkehrsverhalten zur Folge haben werde, wenn der Versuch gemacht werde, ein besseres Miteinander von Fußgängern und Radlern zu organisieren.

„Es kann doch nicht sein, dass ich zehnmal absteigen muss, wenn ich von Schorndorf nach Haubersbronn fahre“, meinte der Oberbürgermeister, der nicht vom Radfahrer, sondern vom Autofahrer mehr Rücksicht erwartet und dessen erklärtes Ziel es ist, „die Autohorden aus der Stadt rauszubringen“. „Wir sind keine Musterstadt, wenn es ums Radfahren geht, und noch weit von einer Verkehrswende entfernt“, sagte Matthias Klopfer und machte deutlich, dass es ja nicht das Ziel der Stadt sei, alle 107 Überwege für Radler freizugeben. „Wir schauen, wo seitlich am Zebrastreifen eine rot markierte Furt möglich ist“, präzisierte der Erste Bürgermeister Edgar Hemmerich das Vorhaben der Verwaltung.

Radler haben die am wenigsten ausgeprägte Regelkonformität

Derweil hatte sich die Diskussion um die für Fußgänger so gefährlichen Radler schon so hochgeschaukelt, dass sich Hermann Beutel nur noch wundern konnte, dass ausgerechnet er als Nichtradfahrer für die Radfahrer kämpfen und „für die Verwaltung die Kohlen aus dem Feuer holen§ muss. Was Sabine Berger und Werner Neher nicht hinderte, ihre Positionen noch einmal zu bekräftigen, wobei sie Unterstützung von SPD-Fraktionschef Thomas Berger, einem weiteren Polizeibeamten, bekamen. Die Radfahrer, sagte er unter Berufung auf eine entsprechende Studie, seien die Verkehrsteilnehmer, die sich durch die am wenigsten ausgeprägte Regelkonformität und die am stärksten steigende Unfallhäufigkeit auszeichneten – und die gleichzeitig am wenigsten überwacht und sanktioniert seien. „Es geht nicht darum, die Autofahrer zu schützen, sondern darum, die Fußgänger vor den Radfahrern und die Radfahrer vor sich selber zu schützen“, meinte Berger. Matthias Klopfers kühle Entgegnung auf seinen Parteifreund: „Unser Ziel muss sein, dass der Radverkehr fährt und nicht schiebt.“