Schorndorf

Der Kinderschutzbund hilft Familien in Coronazeiten mit einem anonymen Elterntelefon

Kinderschutzbund
Eva-Maria Schäfer, Simone Halle-Bosch (fürs Familienzentrum), Magdalena Hecker-Rost und Ines Pfeil-Bürkle (v.l.n.r.) haben für Kinder und Familien im Rems-Murr-Kreis anlässlich der großen Herausforderungen in der Coronakrise etliche Hilfen organisiert. Da gibt es ein Elterntelefon, eine Spielzeugkiste, Lebensmittel- und Drogeriegutscheine sowie ehrenamtliche Unterstützung durch Lernbegleiter, Starkmacher und Alltagsbegleiter. Unterstützer und Spender werden immer gebraucht. Bild: Büttner © Büttner

Zu Hause arbeiten, zu Hause ein, zwei, drei, ganz viele Kinder betreuen, sie beschulen, putzen, kochen, den Einkauf nicht vergessen. Und immer schön pädagogisch bleiben, geduldig sein, auch wenn es quasi keine Pause gibt. Das ist schwer. Da kommt so mancher an seine Grenzen. Dann hilft ein offenes Ohr, jemand mit Verständnis, jemand, der Perspektiven aufzeigen kann. Der womöglich sogar Hilfe parat hat, auch zusätzliche, hilfreiche Ansprechpartner kennt, vor allem aber einfach mal zuhört. Darum hat der Kinderschutzbund jetzt ein Elterntelefon ins Leben gerufen.

Stadt Schorndorf ist Kooperationspartner

Wer möchte, kann anonym die kostenlose Hotline anrufen. Von Montag bis Freitag von 19 bis 21 Uhr ist die Leitung unter08 00/6 64 66 36 von einer der 14 Ehrenamtlichen besetzt, die unter der Federführung von Eva-Maria Schäfer, ehemals Rektorin der Schorndorfer Realschule und der Staufer-Gemeinschaftschule, frisch gestartet sind. Kooperationspartner ist die Stadt Schorndorf. Alle Gesprächspartner haben einen pädagogischen, therapeutischen oder sozialpädagogischen Hintergrund. Sie liefern am Telefon keine fertigen Lösungen, dafür stellen sie strukturierende Fragen, die helfen, das Gefühlsdurcheinander im eigenen Herzen zu sortieren. Schließlich ist eins klar: Geht es den Eltern gut, geht es auch den Kindern gut. Werden die Eltern gesehen, fällt es ihnen leichter, ihre Kinder mit Liebe und in wohlwollender Zugewandtheit zu sehen.

Kinder in den Mittelpunkt des Interesses stellen

Der Kinderschutzbund Schorndorf/Waiblingen rund um Geschäftsführerin Magdalena Hecker-Rost und Ines Pfeil-Bürkle hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf Kinder achtzugeben, sie in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen - auch und vor allem die Kinder, deren Leben nicht unter dem günstigsten Stern beginnt. Zu diesem Zweck haben die Ehrenamtlichen schon etliche Initiativen in Leben gerufen. Alltagsbegleiter, Starkmacher, Lerntutoren, sie alle stehen bereit. Was fehlt, sind aktuell die Kinder. Solange Kitas und Schulen nicht geöffnet haben und eine Kontaktsperre -wenn auch eine gelockerte - gilt, können die Ehrenamtlichen die Familien, die sie sonst betreuen, nicht wie sonst treffen.

Drei bis vier zusätzliche Esser an fünf Tagen der Woche

Da verhallt so mancher Hilferuf. Da bleibt manche Familie alleine mit ihren Sorgen. Und derer gibt es viele. Etliche Familien, die Magdalena Hecker-Rost und ihrer Mitstreiterinnen betreuen, müssen angesichts von Kurzarbeit und weggebrochenen Aushilfsjobs große Löcher im Geldbeutel verkraften. Familien, deren Kinder bisher unter der Woche über das Bildungs- und Teilhabepaket in den Mensen verköstigt wurden, müssen nun täglich Mittagessen für viel mehr Menschen als sonst kochen. Drei bis vier zusätzliche Esser an fünf Tagen der Woche – das spürt so mancher Haushalt empfindlich. Für solche Fälle hat der Kinderschutzbund Spenden von einem Kooperationspartner bekommen - und auch schon reichlich verteilt.

Einkaufen am Wochenende nur noch dank eines Einkaufsgutscheins

Hinweise, wer solch einen Gutschein brauchen könnte, bekommen die Mitarbeiterinnen oft von den Ehrenamtlichen, die sich weiterhin bemühen, nah dran an ihren betreuten Familien zu bleiben. Andere melden sich in ihrer Not von selbst beim Kinderschutzbund. Und das ist gut so. Da berichtet Ines Pfeil-Bürkle beispielsweise von einer Familie, deren finanzielle Reserven komplett aufgebraucht waren und die nur dank des Einkaufsgutscheins fürs anstehende Wochenende einkaufen konnte. Andere Familien hängen zwischen den Zahnrädern der Behörden fest und müssen unvorhergesehen lange auf Gelder wie Elterngeld oder Arbeitslosengeld warten.

Und damit Familien mit einem kleinen Geldbeutel ihrem Nachwuchs doch mal eine Freude machen können, gibt es in Kooperation mit dem Familienzentrum eine Spielzeugkiste. Die wird regelmäßig mit vorgeliebten Spielsachen aufgefüllt. Wer Bedarf hat, darf sich da etwas herausnehmen, das die bittere Krisenzeit ein klein wenig versüßen soll. Und wer Spielsachen aussortieren mag, aus denen die eigenen Kinder herausgewachsen sind, darf gerne Spenden vorbeibringen. Auch die Miedelsbacher Firma Dusyma hat schon reichlich Bastel- und Spielmaterial zur Verfügung gestellt.

„Mit vier Kindern können Sie kein Home Schooling durchziehen“

Aber es gibt noch mehr Probleme. Eltern und Kinder sind ohne Kita- und Schulbetrieb und angesichts des weit verbreiteten Home-Offices der Erwachsenen miteinander teils in kleinen Wohnungen zusammengedrängt. 24 Stunden, sieben Tage pro Woche. Das zerrt an den Nerven aller Beteiligten. Die Gefahr von häuslicher Gewalt wird immer größer, je länger der Lockdown anhält. Dazu kommt: „In einer Drei-Zimmer-Wohnung mit vier Kindern können Sie kein Home Schooling durchziehen“, weiß Pfeil-Bürkle. Auch hier will der Kinderschutzbund nicht wegsehen. Immerhin:  Mit der ersten sanften Lockerung der Corona-Verordnung durch die Öffnung der Schulen für manche Kinder könnten auch die Ehrenamtlichen langsam wieder in zaghaften Kontakt mit ihren Bezugs-Kindern kommen.

"Die Armut bekommt jetzt ein Gesicht" 

Weitere Starkmacher und Lernbegleiter werden spätestens nach dem Ende der Krise dringend gebraucht, um den Kindern, die jetzt unter den Einschränkungen zurückfallen, wieder neu unter die Arme greifen zu können. Denn allzu viele Kinder haben keinen Zugang zu ausreichend elektronischer Ausstattung. Die aber würde ihnen überhaupt erst die Möglichkeit zur Teilnahme am digitalen Unterricht ermöglichen. Klar ist: Kinder benachteiligter Haushalte können nun schlechter lernen. „Die Armut bekommt jetzt ein Gesicht“, weiß Eva-Maria Schäfer. Bildungsungerechtigkeiten werden deutlicher als je zuvor. Im gleichen Maße werden nun mehr Lernbegleiter benötigt. Einige Freiwillige haben sich zuletzt schon gemeldet. Das freut die Engagierten sehr. Ines Pfeil-Bürkle vermutet, dass sich viele Menschen in der Zeit der Krise wieder auf Wert und Solidarität besinnen, den Blick auf Wesentliches richten und zu einem sinnvollen Ehrenamt motiviert sind. Allerdings ist der Bedarf noch größer als die Zahl der neuen Engagierten. Wer also Zeit und Freude hat, Kinder in besonderen Lebenslagen zu unterstützen, ist herzlich eingeladen,  sich bei den Verantwortlichen des Kinderschutzbundes zu melden.

Geld fehlt an allen Ecken und Enden

Und noch etwas: Geld fehlt an allen Ecken und Enden, auch dem Kinderschutzbund, dem mit dem Ausfall des Stadtlaufes auch eine der wichtigsten Einnahmen des Jahres weggebrochen ist. 20 000 Euro fehlen nun in der Kasse. Dabei werden die Einnahmen dringend benötigt, um benachteiligten Kindern und Familien im Kreis zur Hilfe eilen zu können. Deshalb bitten Hecker-Rost und ihre Mitstreiterinnen auch um Spenden. Die Bankverbindung lautet: IBAN DE36 6025 0010 0005 0537 91, BIC:SOLADES1WBN.

Info

Wer schnell und aktuell informiert sein möchte, was der Kinderschutzbund vor Ort tut, kann dessen Webseite (www.kinderschutzbund-schorndorf.de) besuchen oder den neu ins Leben gerufenen Facebook- und Instagram-Kanal abonnieren.

Zu Hause arbeiten, zu Hause ein, zwei, drei, ganz viele Kinder betreuen, sie beschulen, putzen, kochen, den Einkauf nicht vergessen. Und immer schön pädagogisch bleiben, geduldig sein, auch wenn es quasi keine Pause gibt. Das ist schwer. Da kommt so mancher an seine Grenzen. Dann hilft ein offenes Ohr, jemand mit Verständnis, jemand, der Perspektiven aufzeigen kann. Der womöglich sogar Hilfe parat hat, auch zusätzliche, hilfreiche Ansprechpartner kennt, vor allem aber einfach mal zuhört.

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