Schorndorf

Der Markteinkauf läuft geordnet ab

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Ein Mitarbeiter der Polizeibehörde ist auf dem Markt unterwegs, um das Verhalten der Kunden im Auge zu be- und im Bild festzuhalten © ZVW/Alexandra Palmizi
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Vor allen Zugängen zum Markt wurden Hinweistafeln aufgestellt.
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Manche Kunden tragen Mundschutz und Einmalhandschuhe. Auf ausreichend Abstand und die Verhaltensregeln wird geachtet.

Schorndorf.
Samstagmorgen, 9 Uhr, die Sonne scheint, ein Frühlingstag, frisches Obst, schmackhaftes Gemüse, allerlei Leckereien, eine bunte Blumenpracht, hier ein Schwätzchen, dort ein Kaffee – so könnte ein normaler Besuch auf dem Schorndorfer Wochenmarkt aussehen. Wenn – ja wenn nicht dieses Coronavirus derzeit den Alltag beeinflussen würde. Nichts ist in diesen Zeiten normal.

Rückblick – Samstag vor einer Woche: Bezüglich des Infektionsschutzes sei das, was Dr. Klaus Mannschreck bei seinem Besuch erlebt habe, „ein Chaos“ gewesen, ließ der Arzt den Ersten Bürgermeister Edgar Hemmerich wissen. Keine sichtbaren Infoplakate habe es gegeben, die Abstandsregeln seien nicht eingehalten worden. Individuelles Wahrnehmen mit dem medizinischen Blick? Andere Stimmen – darunter auch die der Marktbetreiber – hatten von geordneten Verhältnissen gesprochen.

Wie dem auch sei: Die Verantwortlichen der Stadtverwaltung nahmen sich dem Anliegen an. Der Erste Bürgermeister Edgar Hemmerich teilte mit: Ordnungskräfte werden am Samstag beim Wochenmarkt vor Ort sein, um alles im Auge zu behalten. Mit einem Schreiben hatte sich Hemmerich nochmals an die Marktbeschicker gerichtet: Darin bedankte er sich nicht nur ausdrücklich für den Einsatz und für den erheblichen zusätzlichen Kraftakt jedes Einzelnen, sondern wies wiederholt auf die Verhaltensregeln hin. Lob für Hemmerich und seine Zeilen gab es nicht nur von Axel Damm, dem Sprecher der Schorndorfer Marktbeschicker, sondern auch von Kathrin Fischer direkt bei dem Gang über den Markt: „Herr Hemmerich, vielen Dank für Ihren Brief. Sie haben die richtigen Worte gefunden“, rief Fischer aus ihrem Kaffee-Anhänger hervor.

Marktstände nach hinten versetzt, Durchgänge breiter gestaltet

Der Wochenmarkt – wieder unter dem Einfluss des Corona-Themas. An diesem Frühlingsmorgen laufen zwei Mitarbeiter des Vollzugsdienstes, die aus rechtlichen Gründen an dieser Stelle nicht namentlich erwähnt werden, über den Platz. Seit 6 Uhr sind sie im Dienst. Sie blicken zufrieden und lächelnd um sich: „Alles läuft. Keine Auffälligkeiten.“ Bußgelder einsammeln? Verwarnungen aussprechen? Nein, das alles sei nicht nötig und eigentlich auch gar nicht gewollt, betont Jörn Rieg (Sachgebietsleiter Ordnungsangelegenheiten): „Wichtig ist uns, die Marktbeschicker und Kunden zu sensibilisieren und auf das Corona-Virus-Risiko hinzuweisen.“ Auch Marktmeisterin Bettina Kargl ist zwischen den Ständen unterwegs. Mit ihrer leuchtend gelben Jacke sticht sie bestens hervor. „Die Leute halten sehr gut Abstand“, sagt sie und nickt zufrieden.

„Wir konnten die Durchgänge etwas breiter gestalten – da die Geschäfte geschlossen sind, können wir jetzt gerade die Marktstände etwas nach hinten versetzen, das entzerrt und gibt Platz in der Mitte.“ Kargl, die sonst auch auf einen reibungslosen Marktbetrieb achtet, erinnert nun Kunden ebenfalls daran, wie sie sich in Zeiten von Corona zu verhalten haben. „Das Schwätzle“, der gemütliche Cappuccino, der Sitzplatz in der Sonne – „das ist jetzt alles anders“, bedauert Kargl, wie alle Menschen derzeit. Sie würdigt das Verhalten der Kundschaft: „Es ist doch ganz klar, dass jeder eine gewisse Anlaufzeit benötigt, um mit der Situation umzugehen. Jeder benimmt sich vorschriftsmäßig.“

Vor allen Zugängen zum Platz vor dem Rathaus wurden Hinweistafeln aufgestellt. Zu lesen ist: Wer sich auf dem Wochenmarkt mit Lebensmitteln eindecken möchte, sollte dies zügig tun. Händeschütteln und körperliche Kontakte sind tabu. Der Sicherheitsabstand ist einzuhalten. Wer sich krank fühlt, grippeähnliche Symptome hat, der bleibt zu Hause.

Vor vielen Ständen sind auf dem Asphalt Pfeile und Absperrkleber angebracht – sie weisen den Kunden den vorschriftsmäßigen Weg. Auch Edgar Hemmerich wirft an diesem Vormittag einen Blick auf das Marktgeschehen: „Große Menschenansammlungen gibt es nicht. Das Anstehen ist geordnet, es ist genügend Platz.“ Alles funktioniere sehr gut. Die Verkäufer sind dankbar über jeden, der kommt und regionale Produkte einkauft. Am Stand von Lothar Mei, der Schwarzwälder Wurstspezialitäten anbietet, heißt es zum Beispiel: „Die Kunden verhalten sich einwandfrei. Wir sind ja auf vielen Wochenmärkten unterwegs, es gibt zum Glück keine Probleme.“ Dass ein Ordnungsdienst nach dem Rechten schaue, sei korrekt und nachvollziehbar.

„Es ist toll, zu sehen, wie alle respektvoll und achtsam miteinander umgehen“

In der Schlange stehen und sich beim Warten nicht unterhalten, sondern in Geduld üben. Keiner regt sich darüber auf. Im Gegenteil: „Es ist toll, zu sehen, wie alle respektvoll und achtsam miteinander umgehen“, sagt Lars Dengel. Der Schorndorfer steht an einem Obst- und Gemüsestand. Plötzlich muss er niesen – vorbildlich in die Armbeuge. „Ich habe Heuschnupfen“, sagt er entschuldigend. Einer der Nachteile derzeit. Man werde etwas kritisch beäugt. „Aber das ist nicht zu ändern“, sagt Dengel mit einem Schulterzucken. Wie die Kundschaft, so haben sich auch die Marktbeschicker umgestellt: Hinter vielen Ständen werden Einmalhandschuhe getragen, Flaschen mit Desinfektionsmittel stehen bereit. Es gibt keine Selbstbedienung mehr, Infozettel an den einzelnen Ständen weisen explizit darauf hin. Nur ganz vereinzelt tragen die Kunden und auch Marktbeschicker einen Mundschutz. Einmalhandschuhe dagegen scheinen mittlerweile dazuzugehören, wenn man das Haus verlässt.

„Es gibt nichts zu beanstanden. Die Kunden halten sich vorbildlich an die Maßnahmen – so wie die Marktbeschicker auch. Manche sind sogar so vorsichtig, dass sie ihr Geld hinlegen, und dann noch mal einen Schritt zurücktreten“, sagt David Klinger an seinem Blumenstand. „Ohne Kunden können wir nicht leben, und die Kunden können nicht ohne uns leben“, sagt Ingo Klutt von Gourmet Klutt, der früh am Morgen mit seinen Waren nach Schorndorf gekommen war. Er erzählt, dass er sich zunächst über den Bericht letzte Woche in den Schorndorfer Nachrichten etwas aufgeregt habe, die Äußerung über chaotische Zustände sei übertrieben gewesen, aber – und das gibt Klutt gerne zu – der Text habe auch „wachgerüttelt“. Er beobachte, wie sich die Marktbeschicker verhielten und freue sich, wie die Kunden mit ausreichend Abstand kommunizierten: „Ich denke, jeder hat begriffen, um was es geht.“ Der Wochenmarkt müsse weiterbestehen, bekräftigt Edgar Hemmerich. Wichtiger Aspekt dabei: Man kaufe regionale Produkte unter freiem Himmel ein – „es ist nicht wie im Supermarkt“ – und auch die soziale „Gemeinschaft auf Abstand“ tue für einen kurzen Moment gut.

Noch mehr Präsenz an Ordnungskräften werde für die Zukunft auf dem Wochenmarkt nicht nötig sein, so der Erste Bürgermeister. Dass man den Wochenmarkt im Auge behalten werde, stehe außer Frage. In welchem Ausmaß, werde allerdings von Tag zu Tag, beziehungsweise von Woche zu Woche entschieden. Ingo Klutt hat am Ende des Marktbesuchs noch die passenden aufbauenden Worte parat: „Der Wochenmarkt war und bleibt ein Treffpunkt und der ist wichtig. Es gibt frisches Obst und Gemüse – nichts kräftigt das Immunsystem mehr. Und ein gestärktes Immunsystem ist die stärkste Waffe gegen das Coronavirus.“ Auch wenn es schwer sei: „Wir werden alle gemeinsam die Situation meistern“, ist sich Klutt sicher. Worte, die in diesen Tagen irgendwie gut tun.