Schorndorf

Der Nachwuchs-Regisseur aus dem Remstal

Schützle
Mario Schützle an seinem Schreibtisch: Künstler und Unternehmer. © ZVW

Remshalden. „Im Fernsehen kommt nur noch Schrott“, findet Mario Schützle. Er gehört zu einer Generation, die sich im Internet gezielt herauspickt, was sie sehen will. Und was ihm gefällt, fließt dann auch in sein eigenes Werk ein. Der 19-Jährige betreibt mit drei anderen Jungfilmern eine Produktionsfirma. Mit Auftragsarbeiten für Firmen verdient er sich das Geld für künstlerisch anspruchsvollere Projekte.

Das letzte Werk heißt „Far far away“ und hat im Dezember einen Preis bei der Filmschau Baden-Württemberg abgeräumt. Zwar sagt Mario Schützle, der Preis sei ja für den Schnitt, und damit habe er ja gar nichts zu tun, das habe ein anderer gemacht, aber der Streifen und alles, was dazugehört, ist natürlich auch sein Werk. Er hat Regie geführt und ist Produzent, das heißt, er hat sich im Vorfeld des Drehs um die Organisation aller Teile gekümmert, die es braucht, damit so ein Film entstehen kann, vom Kameramann über die Maskenbildnerin bis zu den Schauspielern.

Bei der Filmschau schaffte es „Far far away“ außerdem unter die zehn ausgewählten Werke, die am Eröffnungsabend liefen. Das hieß für Mario Schützle und die anderen Macher des Films, dass sie mit der Limousine vorfahren durften, wie man das von einem großen Festival wie der Berlinale kennt. „Das war schon witzig“, sagt Mario Schützle. Auch abgesehen von dem Preis für den Schnitt war das Ganze ein Erfolg. „Der Applaus war nicht schlecht danach“, sagt Schützle über die Resonanz der Premierenzuschauer in Stuttgart.

Far Far Away - Making Of - Filmschau 2015 Version from CineTimeMedia on Vimeo.

„Far far away“ dauert knapp vier Minuten. Das ist die Herausforderung beim Kurzfilm, sagt Mario Schützle: „So kurz wie möglich eine prägnante Geschichte zu erzählen. Schnell auf den Punkt zu kommen.“ „Far far away“ nimmt sich zumindest die Zeit für einen kurzen textlichen Vorspann, der die folgende Geschichte für die Zuschauer in die richtige Richtung lenkt und das Thema Autismus einführt. Der Text, auch der gesprochene, ist auf Englisch. Das hat den Grund, dass der Streifen auch für internationale Kurzfilmfestivals geeignet sein sollte. Mario Schützle hat sich mit dem Film erfolgreich bei zehn Festivals beworben, bei zwei, in den USA und in den Niederlanden, wurde er angenommen.

Das Filmprojekt hat Schützle aus eigener Tasche finanziert

Der Autist, um den es in dem Film geht, heißt Jeremy, ein bärtiger, verschlafen dreinblickender junger Mann, gleichzeitig die einzige Person, die in den knapp vier Minuten auftritt. Wir sehen ihn, wie er mit Spielfiguren Luftkämpfe nachstellt, wie er Gameboy spielt, fernsieht, und immer wieder, wie er mit einem Funkgerät versucht, mit Aliens Kontakt aufzunehmen. Unter den Bildern liegt eine gefühlvolle Musik, die einen durch die kleine, einsam anmutende Welt von Jeremy trägt.

Mario Schützle hatte den Film „Rain man“ im Kopf, in dem Dustin Hoffman einen Autisten verkörpert, als er zusammen mit Drehbuchautor Daniel Tenne die Idee für die Geschichte entwickelte. „Wichtig war, wir wollten den Charakter nicht lächerlich darstellen, so dass der Zuschauer mit ihm lacht, nicht über ihn“, sagt er.

Der Schauspieler, der Jeremy spielt, und die anderen Crew-Mitglieder sind alle keine Laien, aber Geld hat für das Projekt keiner bekommen. Finanziert hat es Mario Schützle aus der eigenen Tasche. 1500 Euro hat die Produktion gekostet. Neben seinem Gehalt – er steht kurz vor dem Abschluss einer Ausbildung als Fachinformatiker – verdient er sich das Geld durch andere Projekte.

Ein realistisch und unternehmerisch denkender junger Mann

Mario Schützle, das muss man sagen, ist neben seinen künstlerischen Ambitionen ein sehr unternehmerisch denkender junger Mann. Die Chancen, es als Spielfilm-Regisseur zu schaffen, schätzt er realistisch ein. Deswegen backt er kleine Brötchen und macht Auftragsarbeiten. Zum Beispiel hat er für das Stuttgarter Olgahospital einen Erklärfilm zur Narkoseanwendung bei Kleinkindern gedreht. Die künstlerische Freiheit hat bei so etwas enge Grenzen: „Da steht der Kunde daneben und sagt, wie er es haben will.“ Aber es bringt Geld, das sich dann wieder in künstlerisch anspruchsvollere Kurzfilmprojekte investieren lässt. Gerade schreibt er ein Drehbuch für einen Film, der in die Thriller-Richtung geht.

Am liebsten hält Mario Schützle alle Fäden selbst in der Hand. Dafür steht der Begriff des Autorenfilmers, das ist einer, der das Drehbuch schreibt und die Regie führt, der also künstlerisch von der Grundlage bis zur Ausführung die Richtung vorgibt. Schützle hat bei allem Realismus weiter den Traum, damit irgendwann Erfolg zu haben und mehr als Kurzfilme zu machen.

Klar, er ist erst 19, das vergisst man schnell, wenn er so nüchtern und routiniert über Geschäftsmodelle und Rechtsanwalts-Konsultationen redet. Vielleicht schafft er es ja tatsächlich mal ins Fernsehen, warum nicht? Dann würde da zur Abwechslung zwischen all dem „Schrott“ mal wieder was Gutes laufen.

Gutes Drehbuch, gute Schauspieler

Für seine Produktionen arbeitet Mario Schützle mit Schauspielern zusammen, die entweder Profis sind oder zumindest Erfahrung haben.

Mit Laiendarstellern kommt man nicht weit, meint er und erklärt das A und O für einen guten Film: „Drehbuch, Drehbuch, Drehbuch und gute Schauspieler!“ Oder anders gesagt, selbst wenn Kameraführung und Schnitt perfekt sind: „Wenn die Geschichte und die Schauspielleistung nicht passen, dann geht gar nichts.“