Schorndorf

Der neue Fitness-Alltag: Muckis trainieren, Corona aussperren

Fitnessstudios
Der Sportliche Leiter im Ulrich-Schatz-Sportzentrum, Steffen Moldenhauer  (2.v.l.), freut sich zusammen mit den Sportlern über die Öffnung des Fitnessstudios. © ALEXANDRA PALMIZI

Endlich wird wieder gestrampelt, gepumpt und geschwitzt. Die Schorndorfer Fitnessstudios haben wieder geöffnet – unter Auflagen. Die finanzielle Breitseite aufgrund der zweieinhalbmonatigen Schließung wird die Unternehmen allerdings mit zeitlicher Verzögerung treffen. Schließlich wurden in den vergangenen Monaten die Mitgliedbeiträge meist weiterbezahlt, doch konnten keine neuen Verträge geschlossen werden. Diese fangen zu normalen Zeiten die Zahl an Kündigungen in Fitnessstudios auf. Bleiben sie aus, entsteht eine Lücke, wenn die aktuellen Verträge auslaufen.

Für den Moment aber sieht die Welt der Fitnessbetreiber wieder rosiger aus, für die Sportler sowieso: Corinna Bareiß sitzt glücklich an einer Maschine, an der sie ihre Beinmuskeln trainiert. „Ich hab jetzt lange drauf gewartet“, berichtet sie. „Das Studio hat mir wirklich gefehlt.“ Zwar habe man in der Corona-Zwangspause immer noch radfahren oder joggen können. Aber das so nötige Ganzkörpertraining an Geräten, das ihr bestens gegen die Verspannungen vieler Stunden Büroarbeit hilft, sei einfach eine andere Hausnummer. Dreimal wöchentlich ist sie immer am Start gewesen, und will es auch künftig wieder sein.

Feste Trainingszeiten, häufige Desinfektionsgänge

Die Geräte im Schatz-Sportzentrum stehen luftig auseinander, rund drei Meter sogar. Die Laufwege wurden definiert. Der Freihantelbereich konnte in einen Kursraum verlegt, nur wenige Geräte im Cardiobereich mussten gesperrt werden. Um den Zustrom der Bewegungshungrigen zu steuern, haben Geschäftsführer Benjamin Wahl und der Sportliche Leiter Steffen Moldenhauer feste Trainingseinheiten von 105 Minuten festgelegt. 25 Personen dürfen aktuell gleichzeitig trainieren.

Wer ins Studio möchte, sollte sich anmelden, aber auch für spontane Sportler wird immer ein Kontingent an Plätzen vorgehalten. Laut der Verordnung der Landesregierung wären sogar 40 bis 50 Sportler auf der Fläche erlaubt. Immerhin darf pro zehn Quadratmeter Trainingsfläche ein Sportler aktiv sein. Vorläufig aber wollen die SGler langsam starten und sich an den Betrieb herantasten. Einen Mundschutz muss beim Sporteln keiner tragen, allerdings sind intensivste Cardiotrainings nicht erlaubt.

Kunden fühlen sich gut geschützt

Zwischen den „Trainings-Slots“, wie die Zeiteinheiten genannt werden, ist eine Pause von je einer Viertelstunde vorgesehen, damit sich kommende und gehende Sportler nicht begegnen. Zur Mittagszeit gibt’s sogar eine längere Pause. Während der Sportpausen desinfizieren Mitarbeiter des Studios alle relevanten Kontaktflächen. Dies obwohl die Mitglieder die Geräte nach der Benutzung ebenfalls mit Desinfektionsmittel säubern. Zehn Desinfektionssäulen stehen im Studio bereit. Und die Kundschaft? Wie findet sie’s?

Bisher sei die Rückmeldung nur positiv. Alle fühlten sich ausreichend geschützt, halten sich vorbildlich an die Regeln und seien einfach froh, wieder an die Geräte zu kommen. Und da haben sie einiges zu tun. Steffen Moldenhauer schätzt, dass manche Sportler 20 bis 25 Prozent ihrer Muskelkraft eingebüßt hätten. Vor allem jene, die sonst sehr intensiv trainierten, würden diesen Effekt stark bemerken und müssten nun wieder neu auftrainieren.

Noch unklar, wann Umkleiden und Saunen wieder öffnen können

Das merkt auch Werner Klingler von der Schorndorfer Herzsportgruppe. Er war schon gestern hier, und kann heute Muskelkater von Übungen vermelden, die ihn unter normalen Umständen nicht einmal groß anstrengen würden. Er ist froh, jetzt wieder Sport machen zu können, schließlich hat er demnächst eine Knie-Operation vor sich. Zuvor will er seine Beinmuskeln trainieren, um in der Zeit der Reha davon zu profitieren.

Auch außen vor dem Sportzentrum wird eifrig trainiert. Auf dem überdachten Kleinspielfeld, der AOK-Arena, schwitzen Bewegungshungrige in Sportkursen – natürlich mit reichlich Abstand. Was mit der Sauna und den Umkleidekabinen passiert, bleibt noch spannend. Moldenhauer und Wahl hoffen darauf, dass mit den Lockerungen für Schwimmbäder und Wellnessbereiche auch für Fitnessstudios weitere Erleichterungen kommen.

Sports-Club Orange: Familiäre Stimmung

Uwe Riedel vom Sports-Club Orange in Haubersbronn ist froh, ganz gut durch die Krise gekommen zu sein. Die Kundschaft sei ihm treu geblieben, eine große Kündigungswelle habe es nicht gegeben. „Du warst die vergangenen Jahre für uns da, jetzt sind wir für dich da“, hätten viele seiner Mitglieder gesagt und nicht einmal eine Gegenleistung für die gezahlten Monatsbeiträge ohne Training verlangt. So eine Haltung, vermutet der Studioinhaber, finde man eben nur in so familiären Betrieben wie seinem.

Die Auszeit hat er nicht nur genutzt, um am heimischen Haus und im Garten zu arbeiten. Auch im Fitnessstudio hat er manches renoviert und neu gestaltet. Der Abstand und das geringere Arbeitspensum habe dem Selbstständigen gutgetan, neue Ideen fürs Studio seien da geradezu wieder gesprudelt. „So viel Urlaub hatte ich seit 15 Jahren nicht“, berichtet der Fitnessstudiobetreiber.

Selbstreflexion inmitten der Krise

„Ich hab’ irgendwie zu mir gefunden.“ Wäre die Krise nicht gekommen und hätte ihm keine unfreiwillige Auszeit beschert, er würde wohl die nächsten 15 Jahre so weitermachen, schätzt er. Und das wäre in jedem Fall zu viel gewesen. In Zukunft will er mehr nach sich und seiner Familie gucken, sich mehr Freizeit einräumen.

Seine Kunden indes würden mit den entsprechenden Auflagen zum Training gut auskommen. 40 Sportler können bei ihm gleichzeitig trainieren. „Alle sind sehr verständig und einfach froh, wieder trainieren zu können.“ Als Ersatz für die trainingsfreien Monate hat er seien Mitgliedern verschiedene Möglichkeiten eingeräumt: Zur Wahl stehen Zusatzmitgliedschaftsmonate, eine Ernährungsberatung, Privattrainerstunden oder ein gewisses Kontingent an kostenlosen Getränken.

Clever-Fit: Platz für 110 Mitglieder

Ähnlich hält es auch Norman Kreuter vom Clever-Fit-Studio in Schorndorf. Gemeinsam mit seiner Frau hat er noch vier weitere Studios im Schwäbischen. Auch bei ihm sei wieder eine bunte Mischung an Sportlern auf der Fläche, alle verhielten sich vorbildlich und vermieden geradezu die üblichen Stoßzeiten. Einige Geräte hat das Studio ausgelagert, andere wurden gesperrt. Laufwege wurden festgelegt. Bis zu 110 Leute hätten auf der Fläche Platz, tatsächlich kämen in den Sommermonaten aber selten mehr als 60 oder 70 gleichzeitig. Das Drehkreuz am Eingang zählt automatisch die Anzahl der Sportler im Studio.

Auch Kreuter ist froh über die Solidarität seiner Mitglieder, weiß aber auch, dass die zähe Zeit, in der die zuletzt nicht generierten Abos fehlen, erst noch kommt. Im nächsten Jahr erst - so schätzt er - werde er die Auswirkungen der Krise am deutlichsten spüren. Bis dahin sei das Ziel innovativ zu sein, sich Strategien zu überlegen, wie Ausfälle aufgefangen werden können. Er ist sich sicher: Nicht alle Fitnessstudios werden diese Krise überstehen.

Endlich wird wieder gestrampelt, gepumpt und geschwitzt. Die Schorndorfer Fitnessstudios haben wieder geöffnet – unter Auflagen. Die finanzielle Breitseite aufgrund der zweieinhalbmonatigen Schließung wird die Unternehmen allerdings mit zeitlicher Verzögerung treffen. Schließlich wurden in den vergangenen Monaten die Mitgliedbeiträge meist weiterbezahlt, doch konnten keine neuen Verträge geschlossen werden. Diese fangen zu normalen Zeiten die Zahl an Kündigungen in Fitnessstudios auf.

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