Schorndorf

Der Schorndorfer Ehrenbürger Dr. Werner Lempp ist tot

Dr Werner Lempp - CDU - und Schorndorfer Ehrenbuerger wird am 08-07-2009 - 80 Jahre alt
Dr. Werner Lempp vor zehn Jahren an seinem 80. Geburtstag. Jetzt ist er im Alter von 90 Jahren im Marienstift verstorben. Archivfoto: Pavlovic © Pavlovic

Nach Karl-Otto Völker ist mit Dr. Werner Lempp innerhalb weniger Wochen der zweite Schorndorfer Ehrenbürger verstorben. Seine Familie teilte mit, dass Werner Lempp am 22. Juni im Alter von 90 Jahren friedlich einschlafen durfte. Zuletzt lebte er im Evangelischen Marienstift Schorndorf.

Dr. Werner Lempp war 36 Jahre Mitglied im Gemeinderat und von 1975 bis 2004 Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion. Der gebürtige Esslinger zog 1963 mit seiner Familie nach Schorndorf und engagierte sich von Anfang an ehrenamtlich in der Stadt. Wichtig waren ihm stets die Sorge um Familien und Kinder und das Schulwesen. Wegen seiner außergewöhnlich vielfältigen ehrenamtlichen Tätigkeiten wurde er im Jahr 2005 zum Ehrenbürger der Stadt Schorndorf ernannt.

Oberbürgermeister Matthias Klopfer lernte Dr. Lempp erst nach seiner aktiven Zeit im Gemeinderat kennen. Die politische Diskussion scheute er aber auch danach nicht: „Dr. Lempp hat die Dinge immer sehr direkt angesprochen und kein Blatt vor den Mund genommen. Er war ein Meister der politischen Rede, scharfsinnig, mit Ecken und Kanten. Er wird unserer Stadt sehr fehlen“, wird der Oberbürgermeister in einer Pressemitteilung zitiert.

Das derzeitige Goldene Buch ist eine Spende von Werner Lempp

Darüber hinaus zeigte sich Dr. Lempp als großzügiger Mäzen, der unter anderem die Kücheneinrichtung für das Bürgerhaus in Buhlbronn finanzierte, eine Musikanlage an das Jugendzentrum Hammerschlag spendete und der Stadt Schorndorf das zweite Goldene Buch nach dem 2. Weltkrieg überreichte. „Das Goldene Buch wird unserer Stadt noch lange erhalten bleiben, und auf Seite eins hat sich Herr Dr. Lempp verewigt. Es ist ein schönes Symbol dafür, was er auch den nachfolgenden Generationen vermacht hat“, so Klopfer.

Lempp war Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten

Beruflich war der in Esslingen geborene und als eines von sechs Kindern des Prälaten Dr. Richard Lempp in Stuttgart aufgewachsene Dr. Werner Lempp als Prüfer in zwei Wirtschaftsprüferbüros, als Prokurist und als Geschäftsführer in der Metallindustrie tätig. Von 1980 bis 1994 war er Kaufmännischer Vorstand und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten. 20 Jahre lang, von 1973 bis 1993, war Lempp Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Schorndorf. Dem Kirchengemeinderat gehörte Werner Lempp zuerst in Stuttgart und dann in Schorndorf von 1959 bis 2007 an. Lange Jahre war er KGR-Vorsitzender der Paulusgemeinde, von 1996 bis 2007 außerdem 2. Vorsitzender des Gesamtkirchengemeinderats in Schorndorf. Die lange Liste seiner weiteren Ehrenämter reicht vom Elternbeiratsvorsitzenden über die Mitgliedschaft in verschiedenen Fördervereinen, Kommissionen und Beiräten bis hin zum Vorsitz der Freunde des Kreiskrankenhauses. Ausgezeichnet worden ist der Jubilar mit der goldenen Verdienstmedaille der Stadt, mit den Bundesverdienstkreuzen am Bande und 1. Klasse, mit dem goldenen Verdienstabzeichen des Städtetags und versehentlich gleich zweimal mit der Brenz-Medaille der evangelischen Landeskirche. 2005 wurde Lempp zum Ehrenbürger der Stadt Schorndorf ernannt.

Einer, der niemanden geschont hat – auch sich selbst nicht

In seinem Plädoyer, Dr. Lempp die Ehrenbürgerwürde zu verleihen, hat der damalige Oberbürgermeister Winfried Kübler betont, bei Lempp seien das kommunalpolitische Engagement und sein Einsatz auf vielen sozialen und karitativen Feldern nicht voneinander zu trennen: Alles zusammen trage zum bürgerschaftlichen Miteinander bei und rechtfertige die Verleihung des Ehrenbürgerrechts. „Politisch kämpferisch, stets an der Sache orientiert und mit hohem zeitlichen Aufwand setzte er sich für das Wohl der Stadt und ihrer Bürger ein“, hatte Kübler anerkennend festgestellt und dem angehenden Ehrenbürger bescheinigt, er habe, ausgestattet mit dem Gerechtigkeitssinn eines aufrechten Demokraten, immer mit offenem Visier gekämpft und niemand geschont. Auch nicht sich selbst.

Respekt auch vom politischen Gegner

Dass es sich vor allem die SPD-Fraktion mit ihrer Zustimmung zu einem Ehrenbürger Lempp nicht leicht gemacht hat – was damit zu tun gehabt haben könnte, dass es Lempp umgekehrt der SPD-Fraktion und nicht zuletzt den Frauen in der Fraktion mit seiner Art nicht immer leicht gemacht hat – darauf hatte sein späterer Nachfolger als Ehrenbürger, Karl-Otto Völker, im Gemeinderat hingewiesen. Andererseits dürfe eine Ehrenbürgerschaft nicht aus parteipolitischer Sicht beurteilt und nicht davon abhängig gemacht werden, „dass er sich nicht so dargestellt hat, wie wir ihn gerne gehabt hätten“, sagte Völker damals. Als „Vorbild mit Ecken und Kanten“ hatte der SPD-Fraktionsvorsitzende den langjährigen CDU-Fraktionsvorsitzenden eingeordnet und im attestiert, er habe sich „unter dem Strich ums Wohl der Stadt verdient gemacht“. Grünen-Stadtrat Werner Neher hatte im Gemeinderat vor allem Werner Lempps Humor vermisst. „Es ist nur halb so lustig, seit er weg ist“, hatte Neher konstatiert und darauf hingewiesen, dass Lempp als einer, der gar kein Ur-Schorndorfer sei, viel mehr geleistet habe für diese Stadt, als sich „nur“ 36 Jahre lang im Gemeinderat kommunalpolitisch temperamentvoll zu engagieren und dabei seinen Standpunkt auch außerhalb des Sitzungssaals konsequent zu vertreten. So hat Werner Lempp auch nie gekniffen, wenn es um Auseinandersetzung mit dem vermeintlichen oder tatsächlichen politischen Gegner ging. Notfalls hat sich Lempp dazu auch in die Manufaktur und damit in die „Höhle des Löwen“ begeben, was ihm auch von seinen Kritikern hoch angerechnet worden ist.

Ein besonnener Mensch mit einem spöttischen Humor

Anlässlich seines 80. Geburtstags ist Dr. Werner Lempp an dieser Stelle als „Wohltäter, Politiker, Christ und Mensch“ gewürdigt worden. Feiern lassen hat er sich damals nur noch privat. „Was vorbei ist, ist vorbei“, hatte er diesen Rückzug ins Private begründet. Und sich so gezeigt, wie er all die Jahre war: Als sehr besonnener und rationaler Mensch, der aber auch lachen konnte und über einen feinen spöttischen Humor verfügte, den er im Gemeinderat mitunter auch durchaus gezielt eingesetzt hat, wenn, wie er selber sagte, die Veranstaltung zu langweilig zu werden droht.

Die Trauerfeier wird ausschließlich für geladene Gäste im engsten Familien- und Freundeskreis stattfinden.