Schorndorf

Der Stadtjugendring in Schorndorf steht vor dem Aus

Josef Herbert
Josef Herbert (69), Bereitschaftsleiter beim DRK in Schorndorf, ist seit sieben Jahren auch Vorsitzender des Stadtjugendrings. © Gabriel Habermann

Dem Stadtjugendring, der die Interessen von Kindern und Jugendlichen in der Stadt vertreten soll und sich als Dachverband der Schorndorfer Jugendorganisationen, Gruppen und Vereine versteht, droht das Aus: Findet sich kein neuer Vorstand, wird der 1969 gegründete Verein aufgelöst. Der Vorsitzende, sein Stellvertreter, die beiden Beisitzer und die Kassiererin stehen nicht mehr zur Wahl – weil sie beruflich zu stark eingebunden sind, aber auch aus Altersgründen: „Ein 69-Jähriger ist Vorsitzender des Stadtjugendrings, das ist der Hammer“, bringt es Josef Herbert treffend auf den Punkt.

Herbert, den man in Schorndorf als Bereitschaftsleiter des Deutschen Roten Kreuzes kennt, hat das Amt im Jahr 2015 übernommen. Schon damals, erinnert er sich, sei die Auflösung des Stadtjugendrings im Gespräch gewesen. Viel gelaufen ist in den vergangenen Jahren nicht mehr, die Corona-Pandemie hat auch der Jugendarbeit schwer zugesetzt. Zuletzt haben immer weniger Vereine überhaupt die Erhebungsbögen ausgefüllt, um beim Stadtjugendring finanzielle Zuschüsse für Jugendausfahrten oder das Internationale Jugendsportfest zu beantragen. Bei einem Kennenlerntreffen im Kreisjugendheim in Mettelberg bei Murrhardt vor fünf Jahren ist sogar „niemand gekommen“.

Schorndorf hat für Jugendliche zu wenig zu bieten

Und dabei, davon ist Josef Herbert überzeugt, brauchen Jugendliche in Schorndorf dringend eine starke Lobby – und mehr Räume, um sich treffen zu können: In der Stadt gebe es nicht nur zu wenig Angebote für Jugendliche, „sie werden vertrieben“, bemängelt Herbert und wünscht sich für Heranwachsende ein selbstverwaltetes Jugendhaus. Dass das DRK in Schorndorf eine der jüngsten Bereitschaften im Land hat und sich in der Sofa-Ecke in der Garage des DRK-Heims regelmäßig die 20- bis 30-Jährigen treffen, kommt für ihn nicht von ungefähr: „Unser Haus ist offen.“

Für Armin Holp, Bildungsreferent beim Kreisjugendring, ist die Krise des Stadtjugendrings Schorndorf indes kein Einzelfall: „Wir haben ein Ringsterben.“ In den meisten Städten und Gemeinden im Rems-Murr-Kreis gibt es keinen Stadtjugendring. Und überall dort, wo er von Ehrenamtlichen und nicht von Hauptamtlichen geführt wird, „ist es sehr schwierig“. In Backnang gibt es, führt Holp aus, eine bezahlte 50-Prozent-Stelle – und einen Vorstand, dessen Mitglieder alle um die 20 Jahre jung sind.

Stadt sieht sich in beratender und unterstützender Rolle

Auch die Stadt Schorndorf würde es begrüßen, wenn der Stadtjugendring weiterbestehen könnte, auch als Bindeglied zwischen den Institutionen der Kinder- und Jugendarbeit, der Stadtverwaltung und der Politik. Doch die Stadt sieht sich ausschließlich in einer beratenden und unterstützenden Rolle – ohne Mitgliedschaft und weitere finanzielle Verpflichtungen. Isabelle Kübler, Fachbereichsleiterin Schulen und Vereine, formuliert es auf Anfrage so: „Auch steht die Stadtverwaltung, insbesondere die Jugendreferentin, dem Stadtjugendring weiterhin beratend und als Kooperationspartner und Vernetzer (auch in die Schulen hinein) in der Schorndorfer Jugendarbeit zur Seite.“

Doch Ehrenamtliche für die Vorstandsarbeit zu finden, ist ein schwieriges Unterfangen: „Niemand hat Interesse“, fasst Josef Herbert die bisherigen Anstrengungen zusammen, Engagierte zu finden, die sich nicht nur für Jugendliche starkmachen wollen, sondern auch bereit sind, an jährlich vier bis sechs Pflichtveranstaltungen des Kreis- und Landesjugendrings teilzunehmen. Findet sich bis zur Mitgliederversammlung am 19. Mai kein neuer Vorstand, muss das bisherige Gremium für die Dauer eines Jahres weitermachen und ein Konzept entwickeln, wie die finanziellen Mittel weiterverwendet werden – und dann wird der Stadtjugendring aufgelöst.

Dem Stadtjugendring, der die Interessen von Kindern und Jugendlichen in der Stadt vertreten soll und sich als Dachverband der Schorndorfer Jugendorganisationen, Gruppen und Vereine versteht, droht das Aus: Findet sich kein neuer Vorstand, wird der 1969 gegründete Verein aufgelöst. Der Vorsitzende, sein Stellvertreter, die beiden Beisitzer und die Kassiererin stehen nicht mehr zur Wahl – weil sie beruflich zu stark eingebunden sind, aber auch aus Altersgründen: „Ein 69-Jähriger ist

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