Schorndorf

Der ultimative Test für die Vater-Sohn-Beziehung

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Sonne, Wasser, Freiheit: Manchmal hatten es Martin und Micha Kleinschmidt auf ihrem Katamaran auch ganz entspannt. © Privat
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Auch ihre Leidenschaft Tauchen konnten Martin und Micha Kleinschmidt ausleben. © Privat
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Martin und Micha Kleinschmidt präsentieren voller Stolz ihre jeweilige Meeresbeute. © Privat
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Fisch und andere Meerestiere waren die bevorzugten Nahrungs- und Genussmittel an Bord. © Privat
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Die Tour von Martin und Micha Kleinschmidt in Bilder © Christine Tantschinez
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Die Tour von Martin und Micha Kleinschmidt in Bilder © Christine Tantschinez
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Die Tour von Martin und Micha Kleinschmidt in Bilder © Christine Tantschinez
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Die Tour von Martin und Micha Kleinschmidt in Bilder © Christine Tantschinez
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Die Tour von Martin und Micha Kleinschmidt in Bilder © Christine Tantschinez
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Die Tour von Martin und Micha Kleinschmidt in Bilder © Christine Tantschinez
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Die Tour von Martin und Micha Kleinschmidt in Bilder © Christine Tantschinez
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Die Tour von Martin und Micha Kleinschmidt in Bilder © Christine Tantschinez

Schorndorf. Es war ein Härtetest: für die Familie, für das Familienunternehmen, fürs eigene Ego und, vor allem, für die Vater-Sohn-Beziehung. Martin Kleinschmidt und sein Sohn Micha haben sich eine knapp 15-monatige Auszeit genommen, um mit einem Katamaran 13 500 Seemeilen auf dem Atlantischen Ozean und in der Karibik zu segeln. Das Wichtigste: Die Vater-Sohn-Beziehung hat’s überlebt – so gut, dass sich beide für die Zukunft sogar ein gemeinsames Arbeiten vorstellen können.

Video: Martin Kleinschmidt aus Schorndorf hat mit seinem Sohn ein Jahr die Welt umsegelt

Selbstverständlich ist das nicht, und deshalb wurden die drei bis vier Jahre, die zwischen dem Entschluss, den Törn zu wagen, und dem Start am 5. Juli 2015 nicht nur dazu genutzt, sich für alle medizinischen, technischen und witterungsbedingten Notfälle schulen zu lassen und die Firma, den Pflegedienst KSP, so aufzustellen, dass er auch ohne Chef funktioniert, sondern auch für ein Persönlichkeitscoaching mit Einzelgesprächen und Teamarbeit. Die Ergebnisse, erzählen Martin Kleinschmidt und sein 22-jähriger Sohn Micha, waren auf Anhieb durchaus nicht so, dass sie kein Konfliktpotenzial geborgen hätten, im Gegenteil. Der Sohn eher regelkonform, der Vater eher kreativ, da war abzusehen, dass es auch mal knirschen und krachen könnte. Was es auch getan hat, aber nie so, dass man sich nicht vernünftig aussprechen und danach nicht wieder „grün“ sein konnte. Was auch, wie Martin Kleinschmidt sagt, daran liegen könnte, dass es auf so einem Boot so viel zu tun gibt, dass für anhaltende Zerwürfnisse und fürs Beleidigtsein gar keine Zeit bleibt. „Da gibt es so viele Situationen, in denen Du einfach funktionieren musst“, pflichtet Micha Kleinschmidt bei, gibt aber, genauso übrigens wie sein Vater, zu, dass es sehr lange gebraucht hat, bis sich Vater und Sohn wechselseitig voll vertraut und sich blind aufeinander verlassen haben. Den direkten und gleichberechtigten Umgangston, den sie sich während des Törns angeeignet haben, haben sie seit Beendigung ihres gemeinsamen Abenteuers beibehalten, was in der Familie zunächst einmal durchaus für Irritationen gesorgt hat.

Illegal in Amerika: Das hätte böse enden können

Welcher Bootstyp passt zu uns – die Entscheidung fiel nach dem Besuch verschiedener Bootsmessen schließlich auf einen in Frankreich hergestellten zwölf Meter langen und über sieben Meter breiten Katamaran des Typs Lagoon 400, der vielsagend „First Step“ getauft wurde –, welche Schiffsausrüstung brauchen wir – angefangen von der Stromversorgung über Werkzeug und Ersatzteile bis hin zur Küchenausstattung – , wo wollen wir hin, wo wollen wir zu welcher Jahreszeit sein und wie sind die jeweiligen Einreisebestimmungen? Fragen über Fragen, die im Vorfeld einer solchen Unternehmung zufriedenstellend beantwortet sein wollen. Was offensichtlich gelungen ist, denn, so Martin Kleinschmidt, „zu 95 Prozent haben wir das, was wir mitgenommen haben auch gebraucht“. Deutlich überversorgt, aber das mag etwas mit dem Beruf der beiden Segler zu tun haben, waren sie lediglich im medizinischen Bereich. Und deutlich unterschätzt haben sie, was es auf so einem Boot alles zu tun gibt und wie reparaturanfällig auch ein neues Boot sein kann. Und weit draußen auf dem Meer, da hilft auch eine 24-monatige Garantie nichts mehr. Die aufregendste Erfahrung diesbezüglich war ein weitgehender Totalausfall der Technik an Bord, der einen nicht eingeplanten 27-Stunden-Trip von Nassau, der Hauptstadt der Bahamas, nach Miami erforderlich machte, wo die Kleinschmidts erfahren mussten, dass ihr gerade auslaufendes Visum ungültig sei, weil sie versäumt hatten, es einen Tag vor Ablauf – so ist die Vorschrift – verlängern zu lassen. Illegal in Amerika zu sein, das kann böse enden, und hätte es auch enden können, wenn den beiden Schorndorfern nicht nach langem Hin und Her und diversen Telefonaten mit Washington ein Notfallvisum ausgestellt worden wäre, auf das jeder Mensch nur einmal in seinem Leben Anspruch hat. Dass es 580 Dollar pro Person gekostet hat, sei nur am Rande erwähnt. Wie überhaupt im Zusammenhang mit diesem Törn und all seinen Begleiterscheinungen von Geld nicht gerne gesprochen wird. Martin Kleinschmidt, der 2013 schon einen Vorbereitungstörn mit einem Skipper unternommen hatte, sagt nur soviel: „Das Geld, das Sie zu Hause brauchen, brauchen Sie auch auf dem Schiff.“

Die Reise
Insgesamt 452 Tage waren Martin Kleinschmidt und sein Sohn unterwegs, davon waren sie 77 Tage auf See, lagen 139 Tage irgendwo vor Anker und verbrachten 194 Tage in Häfen. Sie haben auf ihrer 25  000 Kilometer langen Reise 24 Länder und 68 Inseln besucht.
Die längsten Einzelstrecken waren von den Kap Verden nach Barbados mit 3874 Kilometern, für die sie in Form einer Spaßregatta zwölfeinhalb Tage gebraucht haben, von Miami zu den Bermudas über 1905 Kilometern und von den Bermudas zu den Azoren mit 3324 Kilometern.
Los ging’s in Cuxhaven, Endstation war auf Mallorca, Stationen dazwischen waren unter anderem Amsterdam, Southampton, Brest, Lissabon, La Coruña, die Kanarischen Inseln, Kap Verde, Martinique, Guadeloupe, St. Kitts und Nevis, die Britischen und die US-Jungferninseln, Puerto Rico, die Dominikanische Republik, die Bahamas, die Bermudas, die Azoren, Gibraltar, Spanien und Ibiza.

Törn unterbrochen, um klar Schiff in der Firma zu machen

Zu dem, was nicht eingeplant war, gehört auch eine viereinhalbwöchige Unterbrechung, weil Martin Kleinschmidt irgendwo zwischen den Bermudas und den Azoren ein Hilferuf aus der Firma erreicht hat, dass in einer Abteilung wegen mehrerer Kündigungen Land unter sei. Also flog der Vater von den Azoren aus zurück in die Heimat, während der Sohn das Boot zur Hauptinsel San Miguel manövrierte und dort einen Liegeplatz und eine Aufsicht für das Boot organisierte, ehe er fünf Tage später ebenfalls nach Schorndorf aufbrach, um dort gemeinsam mit seinem Vater wieder klar Schiff in der Firma zu machen. Danach aber war klar, dass der Törn, der noch zweieinhalb Monate dauern sollte, regulär zu Ende gebracht würde. Jetzt liegt der Katamaran, innen und außen glänzend wie neu, vor Mallorca und wartet auf einen Käufer. Und Martin und Micha Kleinschmidt sind bereits wieder im beruflichen Trott im Unternehmen des Vaters, in das der Sohn eigentlich nie einsteigen wollte. Was jetzt aber nicht mehr ganz so sicher ist. Zumal sich Martin Kleinschmidt die Freiheit, die er bei diesem Törn erlebt hat – trotz vieler Besuche von Familienangehörigen und Freunden, die den beiden Seglern an die schönsten Plätze hinterhergeflogen sind und sie auch immer wieder ein Stück weit auf dem Boot begleitet haben –, nicht mehr ganz nehmen lassen will. „Ich habe ganz viele Ideen“, sagt Kleinschmidt und leitet aus dem Privileg und dem Glück, einen solchen Törn unternehmen zu können und ganz viele fröhliche Menschen – einerseits in der „Segler-Community“, andererseits in den meist armen, aber an Gastfreundschaft nicht zu überbietenden Ländern – kennenlernen zu dürfen, auch die Verpflichtung ab, auch aus einer christlichen Grundüberzeugung heraus in irgendeiner Form etwas zurückzugeben.

"Leid und Zerstörung berühren einen wieder mehr"

Und Micha Kleinschmidt? Der macht sich, beeindruckt von dem, was er in den letzten 15 Monaten erlebt hat, vor allem auch Gedanken darüber, was für eine Art Mann er sein und wie viel Zeit er in den Beruf investieren und wie viel Zeit er der künftigen Familie schenken will. Denn eins ist klar: Auch wenn dieser Törn in mancher Beziehung ein Härtetest war, als harter Hund ist der 22-Jährige nicht zurückgekommen – im Gegenteil. „Man wird eher sensibler“, sagt Micha Kleinschmidt und bekennt ungeniert, dass er bei manchen Büchern, die er gelesen, und bei manchen Geschichten, die er unterwegs gehört hat, Rotz und Wasser geheult hat. Auch Martin Kleinschmidt hat das Gefühl, dass er seit diesem Törn näher am Wasser gebaut hat als früher. „Die Nachrichten und Bilder von Leid und Zerstörung berühren einen wieder mehr“, sagt der knapp 50-Jährige, der sich von dieser Auszeit auch versprochen hat, dass er sich klarer darüber wird, wo sein weiterer Platz in dieser Welt ist. „Ich bin nicht härter geworden, aber gelassener“, sagt Kleinschmidt, der sich während dieser Reise auch als Koch hat ausleben können – je nach Lust und Laune auch mal nachts.

Wer – in Wort, Bild und auf Videos – noch viel mehr über den Segeltörn von Martin und Micha Kleinschmidt erfahren will, hat dazu am Mittwoch, 2. November, Gelegenheit.

Die allen Interessierten offen stehende Veranstaltung in der Barbara-Künkelin-Halle (Reinhold-Maier-Saal) beginnt um 18.30 Uhr.

Es wird um Spenden für die internationale und christlich motivierte Hilfsorganisation Mercy Ships gebeten, die Hospitalschiffe in Entwicklungsländer schickt. Martin Kleinschmidt hat sich zum Ziel gesetzt, Mercy Ships mit einem Euro je gesegeltem Kilometer zu unterstützen, insgesamt also mit 25 000 Euro. Etwa 15 000 Euro hat er während und nach seinem Törn schon gesammelt.