Schorndorf

Der Wald schreibt erstmals rote Zahlen

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Mittlerweile bleibt auch die Buche von Dürreschäden nicht mehr verschont. © ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf. All die Jahre hat der Stadtwald einen Überschuss abgeworfen. Diese Rechnung geht im kommenden Jahr erstmals nicht mehr auf, weil die forstwirtschaftlichen Aufwendungen im kommenden Jahr erstmals deutlich höher sein werden als die Erlöse aus dem Holzverkauf. Beides die Konsequenz daraus, dass die Trockenheit der vergangenen Jahre dem Wald so zugesetzt hat, dass wohl nur noch hilft, ihn klimastabil umzubauen.

Im sogenannten periodischen Betriebsplan, der von 2014 bis 2023 reicht, war von einer durchschnittlichen jährlichen Nutzung von rund 4600 Festmetern ausgegangen worden. Tatsächlich sollen im kommenden Jahr über 5200 Festmeter Holz geschlagen werden, die einen Ertrag von rund 220 000 Euro erbringen sollen. Das im Bewirtschaftungsplan für 2020 letztendlich ein Defizit von circa 130 000 Euro zu erwarten ist, hat zum einen damit zu tun, dass die Aufwendungen für Neupflanzungen und die Pflege des stark dürregeschädigten Waldes stark steigen, zum anderen aber auch damit, dass sich die Lage auf dem Holzmarkt drastisch verändert hat und dass es sich bei dem, was derzeit aus dem Wald kommt, überwiegend um Schadholz handelt.

Der Schadholzanteil liegt mittlerweile bei 80 Prozent

Betrug früher der Schadholzanteil etwa 20 Prozent, so liegt der laut Stadtförster Julian Schmidt mittlerweile bei 80 Prozent. Seit August dieses Jahres, so Schmidt im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats, sei nur noch Schadholz aus dem Stadtwald geholt worden, und etwa die Hälfte der Bäume, die in diesem Jahr geschlagen würden, wiesen gravierende Dürreschäden auf. Allein in Mitteleuropa, ergänzte Finanzbürgermeister Thorsten Englert, seien 2018 73 Millionen Festmeter Schadholz angefallen, wobei sich die Trockenschäden längst nicht mehr nur aufs Nadelholz beschränkten, sondern auch aufs Laubholz übergegriffen hätten – mit spürbaren Auswirkungen auf die Erträge. Voraussichtlich erst 2022 werde sich der Anfall an Schadholz wieder normalisieren, sagte Englert und sprach mit Blick auf den Bewirtschaftungsplan 2020 von „Zahlen, die es so noch nicht gab“.

Die Zukunft gehört Baumarten wie der Eiche oder der Douglasie

„Es fallen Baumarten aus, die wir bisher für klimastabil gehalten haben“, sagte Julian Schmidt und nannte exemplarisch die Buche. Was im Umkehrschluss heiße, dass Kahlflächen – darunter auch solche, bei denen das in der Vergangenheit versäumt worden ist – möglichst schnell wieder aufgeforstet werden müssen, und zwar mit Baumarten wie etwa der Eiche oder der Douglasie, von denen man sich in Zukunft wieder die Erträge erwarten könne, wie das in der Vergangenheit vor allem bei der Fichte, „die künftig keine Rolle mehr spielen wird“, der Fall gewesen sei. In Zahlen ausgedrückt: Es gab schon Zeiten, da lag die Fichte bei einem Festmeterpreis von 70 Euro, derzeit gibt’s für einen Festmeter nicht einmal mehr 30 Euro, wobei laut Julian Schmidt allein schon die Aufarbeitung 25 Euro kostet.

Verwilderte Flächen müssen erst wieder hergerichtet werden

Umgekehrt entwickeln sich die Kosten für Neuaufforstungen, wobei da verstärkt auch die Flächen in den Blick geraten, die in den vergangenen Jahren liegen geblieben sind und der Brombeere überlassen wurden. Es würden derzeit neue Verfahren ausprobiert, um solche verwilderten Flächen wieder herrichten zu könnten, sagte der Stadtförster, demzufolge die massiven Pflegerückstände, die es auch im Stadtwald gebe, auch dazu geführt haben, dass sich Baumarten wie etwa die Weide durchgesetzt haben, die keinen dauerhaften Wald ergeben. Schmidt bezifferte die Pflegerückstände flächenmäßig auf rund 100 Hektar, und bei denen sei es nicht damit getan, dass neue Bäume gepflanzt würden. „Das muss auch alles gepflegt und gesichert werden“, sagte Julian Schmidt. Und deshalb sei auch nicht mehr zu leisten als das, was man sich fürs kommende Jahr vorgenommen habe – ganz davon abgesehen, dass bei einer Eichenkultur die Aufforstungskosten pro Hektar bei 10 000 bis 12 000 Euro lägen. 100 000 Euro sind im Bewirtschaftungsplan für Aufforstungen und Neupflanzungen bereitgestellt, nachdem in der Vergangenheit hauptsächlich auf Naturverjüngung gesetzt worden ist, was aber, wie Julian Schmidt sagte, „jetzt nicht mehr funktioniert“. Im Ausgabenblock von rund 375 000 Euro sind als weitere Schwerpunkte die Personalausgaben mit knapp 80 000 Euro, der Aufwand für die Holzernte durch Dritte mit 115 000 Euro und die Unterhaltung von Waldwegen und Erholungseinrichtungen mit 30 000 Euro enthalten.


Schorndorf. All die Jahre hat der Stadtwald einen Überschuss abgeworfen. Diese Rechnung geht im kommenden Jahr erstmals nicht mehr auf, weil die forstwirtschaftlichen Aufwendungen im kommenden Jahr erstmals deutlich höher sein werden als die Erlöse aus dem Holzverkauf. Beides die Konsequenz daraus, dass die Trockenheit der vergangenen Jahre dem Wald so zugesetzt hat, dass wohl nur noch hilft, ihn klimastabil umzubauen.

Im sogenannten periodischen

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