Schorndorf

Deutsche Meisterschaft in Schorndorf: Hier glänzen die besten Hubschrauber-Modellflieger

Modellhubschrauber
Hier war auch Zeit zum Fachsimpeln. © Gabriel Habermann

Mit durchdringendem Surren hob der insgesamt nicht einmal armspannenlange Hubschrauber ab, stieg senkrecht mehrere Meter über den Boden und führte über der abgemähten Wiese einen Tanz auf, der den erdgebundenen Zuschauern schier den Atem raubte. Drehungen um 360 Grad wechselten mit Überschlägen, Loopings und Salti, die Zweifel an allem aufkommen ließen, ob es sich nicht bei allem, was man bis dahin je über die Schwerkraft gelernt hatte, um Fake News handelte.

Achtzehn Teilnehmer aus ganz Deutschland, zwei davon sogar aus den Niederlanden, waren am Wochenende auf dem Gelände der Fliegergruppe Schorndorf zum zweiten Lauf zur deutschen Meisterschaft der Modellhubschrauber zusammengekommen. Besonders spektakulär für die Zuschauer war dabei das Musikprogramm, bei dem die Piloten, die vom Boden aus mit der Fernsteuerung ihre Fluggeräte kontrollierten, diese rhythmisch durch die Luft tanzen ließen und dabei der eigenen Kreativität, ihrem Können und ihrer Gestaltungsfreude freien Lauf ließen.

Herausforderung im Modellfliegen: Exakte Figuren

Am Samstag in der Früh, als dicker Nebel über den Wiesen und Maisfeldern hing, habe er manch besorgten Blick auf den Wetterbericht geworfen, gestand Stefan Wolf, der Wettbewerbsleiter der Veranstaltung. Aber nun, seitdem der Wettbewerb um 9 Uhr begann, herrsche nahezu perfektes Flugwetter: strahlend blauer, wolkenloser Himmel, klare Sicht und Windstille - wobei, schränkte er ein, es der einen oder anderen Flugfigur nicht schaden würde, wenn sie in der Ausführung durch einen leichten Windhauch unterstützt würde.

Schorndorf ist in der "Heli"-Szene ein Begriff

Am wenigstens erfreulich für den Ablauf der Veranstaltung wäre allerdings Regen, meinte Björn Hempel, als Vereinsvorsitzender Hausherr, Gastgeber und selbst mit am Start. Er selbst fliege seit 15 Jahren Modellhubschrauber. Das Faszinierende daran sei die Exaktheit, mit der die einzelnen Figuren geflogen werden könnten, ihre Reproduzierbarkeit und natürlich das Gefühl, beim Fliegen die Erdgebundenheit zu überwinden.

Der erste Lauf zu den deutschen Meisterschaften fand im Juni in Göppingen statt, der dritte und abschließende sei für September in Albstadt geplant. Schorndorf sei das erste Mal Austragungsort, aber höchstwahrscheinlich nicht zum letzten Mal. Sowohl die Teilnehmer wie auch die Punktrichter seien voll des Lobes für die hervorragende Organisation durch die Modellflieger. Die besten Piloten würden sich zudem für die Aufnahme in die Nationalmannschaft der Deutschen Aeroclubs qualifizieren und könnten dadurch an der nächsten Weltmeisterschaft teilnehmen.

Schorndorf, ergänzte Platzwart Jürgen Metzger, sei über das Remstal hinaus in der Szene ein Begriff. Die Fliegergruppe veranstalte in normalen Zeiten einmal jährlich das „Heli-Meeting Schorndorf“, eines der größten Helikopter-Treffen Süddeutschlands. In normalen Jahren finde es im Rahmen der SchoWo statt, die sei Garant für zahlreiche Zuschauer, die sich auch gern am Rande des Flugfelds bewirten ließen, was wiederum der Vereinskasse zugutekäme. Coronabedingt gebe es heuer aber leider keine SchoWo, eine Bewirtung sei leider nicht möglich, und die Corona-Bedingungen müssten beachtet werden. Aus diesem Grund habe man die Veranstaltung auch nicht „an die große Glocke gehängt“, da man im Grunde genommen nicht wisse, ob viele Besucher ein Grund zur Freude oder zur Sorge wären.

„Einmal Modellbauer, immer Modellbauer“

Für Hans-Dieter Pepp, der an diesem Wochenende die Verantwortung für das leibliche Wohl der Wettbewerbsteilnehmer trägt und sie mit Speisen und Getränken versorgt, sind alle Probleme und Bedenken, die mit der Pandemie einhergehen, kein Grund, sich die Freude an dem Wochenende verderben zu lassen. Er selbst sei 30 Jahre Modellautos gefahren, habe auch an Rennen teilgenommen, seit acht Jahren fliege er nun Helikopter. „Einmal Modellbauer, immer Modellbauer“, sinnierte er unter dem Verpflegungspavillon hinter dem Grill.

Beim Fliegen habe er allerdings keine Ambitionen, er betreibe es rein aus Spaß an der Freude. Das Schöne am Rande sei der unheimliche Zusammenhalt im Verein und darüber hinaus in der ganzen Szene. Man helfe sich gegenseitig mit Rat und Tat, pflege intensiv Kameradschaft. Denn das Schöne auch bei den Wettbewerben sei, dass die Teilnehmer nicht als Konkurrenten gegeneinander antreten würden, wie zum Beispiel bei den Modellautorennen, sondern jeder gegen sich selbst, indem er eine möglichst perfekte Flugshow vorführt.

Flugfiguren immer weiter entwickeln

Es gehe nicht einfach nur darum, im Wettbewerb die Figuren exakt zu fliegen, während der „Caller“, quasi der Copilot, hinter einem stehe und angebe, welche Flugbewegung als Nächste drankomme, erklärte Eric Weber aus Fürth, seines Zeichens zehnfacher Deutscher Meister, zweifacher Europameister, zweifacher Welt- und einmal Vizeweltmeister. Er habe 2002 mit dem Hubschrauber-Modellfliegen angefangen, seit 2006 nehme er an Wettbewerben teil. Das Faszinierende bestehe in der Herausforderung, erklärte er, die Flugfiguren weiter zu entwickeln, zu variieren und sich an die Grenzen des Möglichen heranzutasten.

Wer vorne mitfliegen will, braucht viel Training

Das gemeinsam betriebene Hobby und der Spaß würden bei ihm im Mittelpunkt stehen, versicherte Stefan Gaiser, der aus Walddorfhäslach bei Reutlingen angereist war. Für die deutschen Meisterschaften rechne er sich keine Siegeschancen aus, er sehe sich im guten Mittelfeld. Um ganz vorn mitzumischen, müsste er mehr Zeit ins Trainieren und Ausprobieren investieren, doch ihn nehme die eigene Flugschule zu stark in Beschlag, in der er die Grundlagen des Helikopterfliegens vermittle, unter anderem Talenten wie dem 18-jährigen Frieder Völkle aus Neckartailfingen, den amtierenden Jugendweltmeister.

Er fliege seit ungefähr sieben Jahren und nehme seit fünf Jahren an Wettbewerben teil, erzählte Völkle, an einer deutschen Meisterschaft heuer das erste Mal. Es sei einfach ein cooles Hobby, bei dem man sich mit der ausgefeilten Technik der Fluggeräte ebenso vertraut machen müsse wie mit den Gesetzen der Aerodynamik und der Schwerkraft.

Mit durchdringendem Surren hob der insgesamt nicht einmal armspannenlange Hubschrauber ab, stieg senkrecht mehrere Meter über den Boden und führte über der abgemähten Wiese einen Tanz auf, der den erdgebundenen Zuschauern schier den Atem raubte. Drehungen um 360 Grad wechselten mit Überschlägen, Loopings und Salti, die Zweifel an allem aufkommen ließen, ob es sich nicht bei allem, was man bis dahin je über die Schwerkraft gelernt hatte, um Fake News handelte.

Achtzehn Teilnehmer aus

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