Schorndorf

Die 5 besten Kneipp-Tipps fürs Immunsystem

Schorndorf Sommertour "Richtig kneippen": Iris Smetazko, Vorsitzende des Kneipp-Vereins, führt in die Geheimnisse des Kneippens
Schorndorf Sommertour "Richtig kneippen": Iris Smetazko, Vorsitzende des Kneipp-Vereins, führt in die Geheimnisse des Kneippens ein. Kneippbecken © Gaby Schneider

Doris Fritz gehört zum Schorndorfer Kneipp-Verein wie das idyllisch im Aichenbach gelegene Rundbecken – um das sie sich seit bestimmt 30 Jahren kümmert, damit Kneipp-Fans dort Sommer für Sommer am Waldrand Wassertreten können. Als Übungsleiterin ist sie seit mehr als 40 Jahren im Kneipp-Verein aktiv. Sie war Zweite Vorsitzende und Schatzmeisterin über viele Jahre. Und nachdem sie 2008 stellvertretende Landesvorsitzende des Kneipp-Bunds wurde, hat sie sich – anfangs zusammen mit Iris Ehmann und später allein – um die Leitung der Landesgeschäftsstelle gekümmert, die damals von Stuttgart nach Schorndorf gezogen ist. Jetzt ist die 63-Jährige beim Kneipp-Bund in Ruhestand gegangen und hat alle Unterlagen in Kartons gepackt, damit die Landesgeschäftsstelle von Schorndorf nach Achern umziehen konnte, wo eine Nachfolgerin gefunden wurde.

Mit den fünf Kneipp’schen Elementen –also Wasser, Ernährung, Lebensordnung, Bewegung und Pflanzen – kennt Doris Fritz sich bestens aus. Und sobald es wieder möglich ist, wird sie beim Kneipp-Verein auch als Übungsleiterin weitermachen. Zum Abschied aus dem Landesverband verrät sie ihre fünf ultimativen Kneipp-Tipps fürs Immunsystem.

1. Wildkräutertee:

Dieser Tipp ist dem Kneipp’schen Element Heilpflanzen gewidmet. Schon Sebastian Kneipp, der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiern würde, nutzte ihre gesundheitsfördernde Wirkung, beispielsweise als Tee. Wer sich selbst einen Wildkräutertee mischen möchte, braucht dafür: Hagebutten (sie sind sehr Vitamin-C-haltig, wirken leicht harntreibend und stärken die Abwehrkräfte), Spitzwegerich (wirkt schleimlösend und reizmildernd, ist besonders gut bei Husten), Minze (wirkt krampflösend und bei Erkältungen) und Ringelblume (wirkt wundheilungsfördernd, entzündungshemmend und bringt Farbe in den Tee).

Das Wasser für den Tee sollte nach dem Kochen noch etwa zwei bis drei Minuten stehen und erst dann über die Wildpflanzenmischung gegossen werden. Kochendes Wasser lässt wichtige ätherische Öle aus den Kräutern verdampfen, die in den Kräutern vor allem als Geschmacksträger enthalten sind. Die optimale Ziehzeit beträgt fünf bis zehn Minuten.

Die farbigen Heilpflanzen tun dabei nicht nur dem Körper gut, sondern auch der Seele, denn sie hinterlassen mit ihren leuchtenden Farben eine positive Wirkung aufs Gemüt

2. Guten-Morgen-Küchengymnastik:

Noch müde? Dieser Wachmacher-Tipp macht schon vor dem ersten Kaffee fit. Für die Guten-Morgen-Küchengymnastik, mit der man den Kreislauf in Schwung bringen kann, braucht man nur eine Küchenrolle und etwas Platz. Für die erste Übung wird die Küchenrolle in die Hand genommen, ein kräftiger Armschwung mobilisiert die Schultern, der lockere Stand mit Nachgeben in den Knien die Gelenke, ein Werfen und Fangen der Rolle fordert die Reaktion und Koordination. Für Übung Nummer zwei lehnen sich Küchen-Turner leicht gegen einen Küchenschrank und legen die Küchenrolle an den oberen Rücken. Mit dem Hochrutschen an einer glatten Fläche kommt man in die Streckung, was für die obere Rücken- und die Brustmuskulatur eine Herausforderung ist. Die Rolle im Bereich der Lendenwirbelsäule würde ein eventuelles Hohlkreuz unterstützen. Deshalb sollte man bei dieser Übung die gesamte Wirbelsäule in die Aufrichtung bringen und in eine 90-Grad-Sitzposition kommen. Durch das Auf und Ab wird die Oberschenkelmuskulatur gestärkt, die ja für das Aufstehen aus Stuhl oder Sessel sowie für das Treppensteigen wichtig ist. Dabei sollten die Knie unbedingt über die parallel gestellten Füße gebracht werden. Wer sich im Anschluss im Einbeinstand auf die Rolle stellt, trainiert das Gleichgewicht im Wechsel rechts und links. Bei gleichzeitigem Armschwung werden Oberkörper und Arme miteinbezogen und erleichtern die Koordination. Das Video zur Küchen-Gymnastik ist auf Instagram unter kneippbund_de und auf Youtube unter Kneipp-Bund e.V. zu finden.

3. Trockenbürsten:

Dieser Kneipp-Tipp härtet nicht nur gegen Erkältungen ab, sondern bietet zugleich Streicheleinheiten für die Haut. Denn ruhiges und sanftes Massieren bewirkt auch Entspannung und Wohlbefinden für Geist und Seele. Dazu braucht man eine Bürste mit Naturborsten, die nicht zu weich und nicht zu hart sein sollte. Wer keine Bürste zur Verfügung hat, kann als Ersatz einen rauen Waschlappen nehmen. Im Gegensatz zu Kneipp’schen Wasseranwendungen wirkt eine solche trockene Anwendung nicht durch einen thermischen, sondern einen mechanischen Reiz auf die Haut und ist dadurch deutlich milder, aber nicht weniger wirksam.

Das Trockenbürsten sollte am Morgen in einem gut gelüfteten Raum, am besten am offenen Fenster ausgeführt werden. Los geht’s an der Außenseite des rechten Fußes, dann wird mit Längsstrichen in Richtung Rumpf gestrichen. Den Druck bei herzwärts geführten Strichen leicht verstärken und ohne Druck wieder zurückführen. Weiter geht es mit der Innenseite des rechten Fußes. Von dort aus wird die Haut wie beim anderen Bein nach oben bearbeitet. Oberschenkel und Po mit kreisenden Bewegungen der Bürste massieren. In gleicher Weise wird das linke Bein ausgestrichen.

Auch bei den Armen wird mit der rechten Seite begonnen: vom Handrücken über die Außenseite bis hinauf zur Schulter und danach über die Arminnenseite zurück. Zum Abschluss werden Bauch- und Brustbereich kreisförmig gebürstet.

Trockenbürsten kann vielfältige positive Wirkungen auslösen: Sichtbar wird sofort die bessere Durchblutung der Haut. Die Haut wird rosig, warm und geschmeidig. Außer der Anregung des Herz-Kreislauf-Systems und des Hautstoffwechsels sowie einer Regulation des Blutdrucks, wirkt diese Anwendung venenstärkend, abhärtend sowie psychisch und körperlich aktivierend. Bei Hautverletzungen und entzündlichen Hauterkrankungen sollte sie nicht angewendet werden.

4. Wassertreten:

So trainiert man das Immunsystem in nur einer Minute täglich. „Abhärtung ist der beste Schutz, wie sie auch das beste Heilmittel ist“, das wusste schon Sebastian Kneipp, und dieser Tipp ist jetzt besonders aktuell: In Corona-Zeiten ist ein gut funktionierendes Immunsystem wichtig. Die Kneipp-Wasserheilkunde bietet dafür unzählige Möglichkeiten – gerade mit den Kaltreizen. Aber auch hier sollte langsam begonnen werden. Außerdem sollte man darauf achten, dass die Füße vorher warm sind. Doch es lohnt sich: Die Erfahrung zeigt, dass tägliches Wassertreten weniger anfällig für die typischen Erkältungskrankheiten in der Winterzeit macht.

Nach dem Kaltreiz wird das Thermo-Regulationssystem des Körpers aktiviert und damit werden alle Organfunktionen angeschoben. Das sorgt für eine vermehrte Durchblutung. Da das Blut bekanntlich Sauerstoff, Nährstoffe, Hormone, Enzyme, Wärme und vor allem die Antikörper transportiert, aber auch alle Giftstoffe abtransportiert, sind Kaltreize ein optimales Training für das Immunsystem. Fürs Wassertreten zu Hause braucht es übrigens keine eigene Kneippanlage im Garten. Für den Hausgebrauch leistet auch ein Eimer gute Dienste, der mit kaltem Wasser bis etwa eine Handbreit unter das Knie gefüllt ist.

Zusätzlich wirkt das Wassertreten ent-stauend und kräftigend auf die Venen und fördert den venösen Rückfluss. Außerdem zeigt es Wirkung bei Kopfschmerzen und kann Wetterfühligkeit mildern. Vorsicht ist geboten bei Harnwegsinfekten sowie Blasen- oder Nierenkrankheiten.

5. Knieguss:

Güsse gehören zu den bekanntesten Kneipp-Anwendungen. Auch der Knieguss stärkt die Abwehrkräfte und die Beckenorgane. Die Anwendung verstärkt die Durchblutung von Haut und Muskeln, ist ein Gefäßtraining für die Venen, senkt den Blutdruck und ist nicht zuletzt eine hervorragende Beruhigungs- und Einschlafhilfe. Wer unter akuter Nieren- und Blasenentzündung leidet, sollte diesen Guss allerdings nicht anwenden.

Und so geht’s: Zu Beginn sollten die Füße warm sein. Falls dies nicht der Fall ist, sorgt Bewegung für angenehme Wärme. Der Knieguss beginnt außen am kleinen Zeh des rechten Beins, dann führt der Wasserstrahl hinten aufwärts bis eine Handbreit über die Kniekehle. Nach drei Sekunden Verweildauer wird der Strahl innen am Bein abwärts geführt. Dann kommt – auf gleichem Weg – die Beinvorderseite dran bis etwa eine Handbreit übers Knie. Nun wird die Seite gewechselt. Zum Abschluss werden die rechte und die linke Fußsohle abgegossen. Auch hier sollte darauf geachtet werden, dass die Füße wieder schön warm werden.

Wie bei allen Kneipp’schen Güssen gilt auch für den Knieguss: Am besten wirkt er bei regelmäßiger Anwendung. Wichtig ist dabei immer, dass man auf einer rutschfesten Matte oder einem Matten-Rost steht, durch den das Wasser abfließen kann. Idealerweise wird ein Gießrohr verwendet, das für einen druckgeminderten Wasserstrahl sorgt, der sich wie ein Mantel um die Körperpartien legt.

Doris Fritz gehört zum Schorndorfer Kneipp-Verein wie das idyllisch im Aichenbach gelegene Rundbecken – um das sie sich seit bestimmt 30 Jahren kümmert, damit Kneipp-Fans dort Sommer für Sommer am Waldrand Wassertreten können. Als Übungsleiterin ist sie seit mehr als 40 Jahren im Kneipp-Verein aktiv. Sie war Zweite Vorsitzende und Schatzmeisterin über viele Jahre. Und nachdem sie 2008 stellvertretende Landesvorsitzende des Kneipp-Bunds wurde, hat sie sich – anfangs zusammen mit Iris Ehmann

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper