Schorndorf

Die Arbeit überstehen, trotz der heißen Temperaturen

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Bleiben cool trotz hitziger Arbeitsstelle: Giuseppe Nigro und seine Kollegen auf der Baustelle am Archivplatz. © Schneider / ZVW
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Eine Abkühlung am Marktbrunnen sorgt zumindest kurzfristig für Abhilfe. © Schneider / ZVW

Schorndorf. Von der europaweiten Hitzewelle durch das Hoch „Concha“ bleibt auch Schorndorf nicht verschont. Trotz Freibadwetter können die meisten von Hitzefrei nur träumen. Von denen, die arbeiten müssen, hat nicht nur jeder seine eigene Art und Weise, mit den Temperaturen umzugehen, sondern auch den einen oder anderen Trick, die heißen Arbeitstage so angenehm wie möglich zu gestalten.

Menschen in luftiger Sommerkleidung suchen im Schatten nach Erleichterung. Die Hitze ist drückend. Doch die Marktbeschicker haben keine Wahl. Für sie ist die Arbeit bei 33 Grad trotz Sonnenschutz schweißtreibend. Doch davon zeigt sich der Blumenverkäufer David Klinger eher unbeeindruckt. Für ihn bedeutet die große Hitze zwar weniger Kundschaft und mehr Arbeit beim Wässern der Blumen, allerdings meint er, die Obstverkäufer hätten mit ihrer Ware „viel mehr Schwierigkeiten“. Auf die Frage, wo er im Moment am liebsten sein würde, antwortet er, ohne nachdenken zu müssen: „Im Urlaub in der Karibik“. Und falls es damit nicht so bald klappen sollte, habe er immerhin diesen Sommer das karibische Wetter auch zu Hause. Sein Kollege, Obst- und Gemüseverkäufer Walter Schanbach, ist von der Hitze hingegen nicht sehr angetan. Er wünscht sich Regen, denn das wäre nicht nur besser für ihn, sondern zudem auch „sehr gut für den Wald“.

Entspannt und freundlich trotz heißem Pizzaofen

Selbst bei heruntergelassenem Rollladen lässt sich die Hitze aus der Stadt nicht aussperren. Abseits des Marktes sind vor allem Schüler und Arbeitnehmer auf der Suche nach Abkühlung und einem Mittagessen. Beim „Hoagie’s“-Restaurant gibt es zwar Letzteres, doch auf eine Abkühlung kann man dort nicht hoffen. Beim Betreten der Pizzeria wird man von einem Schwall heißer Luft begrüßt. Durch den Pizzaofen herrschen hier noch höhere Temperaturen als draußen. Doch Andrea Stuck lässt sich von der Anstrengung nichts anmerken. Die Mitarbeiterin bleibt entspannt und lächelt freundlich. Auf Nachfrage bestätigt sie, dass ihre Arbeit im Sommer deutlich belastender sei und die Arbeitskleidung (lange Hosen, Kurzarm-Poloshirt) das Ganze nicht gerade angenehmer mache. „Eine Klimaanlage wäre natürlich super, ist aber wegen des Teigs nicht möglich“, sagt sie. Auf die Frage, ob sie kein Hitzefrei bekomme, muss sie lächeln, denn diese Regelung gebe es leider nur an Schulen.

Bei 33 Grad mit Anzug und Krawatte – da hilft nur noch italienisches Eis

Während Andrea Stuck zurück an die Arbeit geht, holen sich vier Männer eine Straße weiter ihre verdiente Abkühlung in der Eisdiele „Rosato“. Um nicht ihre Anzüge zu bekleckern, essen sie ihr Eis vor dem Gebäude mit Bedacht. Die vier sind Rechtsanwälte und gehen regelmäßig während ihrer Mittagspause Eis essen – schon seit Februar. Da sie in ihrer Anwaltskanzlei eine Klimaanlage hätten, könnten sie die Hitze ganz gut überstehen, sagt Jörg Woltering. Außerdem meint er: „Kurze Hosen wären natürlich angenehmer als Anzüge, aber man gewöhnt sich daran.“ Sein Kollege scherzt, man müsse nur lernen, „seinen Blutdruck herunterzufahren“.

Im Gegensatz zu den Anwälten haben die Bauarbeiter auf der Baustelle beim Parkplatz neben der Eisdiele nicht den Luxus einer Klimaanlage. Doch das Arbeiten in der prallen Sonne steckt Bauarbeiter Giuseppe Nigro gut weg. „Wir sind das gewohnt“, sagt er mit kurzem Blick in Richtung seiner Kollegen, „wir kommen aus südlichen Ländern.“ Der Schorndorfer mit italienischen Wurzeln ist froh, dass hier einmal die Sonne scheint. Ab 30 Grad darf man zwar nicht mehr betonieren, ansonsten ist Nigro mit seiner Arbeitssituation aber zufrieden. Sein Chef erinnert ihn und seine Kollegen daran, regelmäßig Pausen zu machen. Und er bringt kühle Getränke. Das freut ihn.

Schwitzen für die Kunst: Die Bildhauer trotzen der Hitze

Auch ein paar Hundert Meter weiter wird anstrengende körperliche Arbeit geleistet. In der Nähe des Biergartens arbeiten Stein- und Holzbildhauer aus verschiedenen Teilen Deutschlands für zwei Wochen an Skulpturen für das Bildhauersymposium 2017. Die lockere Künstlertruppe macht gerade Mittagspause. Die noch unvollständigen Kunstwerke nehmen aber schon eindrucksvolle Formen an.

Jo Kley arbeitet an einer Großskulptur aus Anröchter Dolomit. In seinen Stein hat er mit Hammer und Meißel Spiralen geformt – eine schweißtreibende Handarbeit im Dienste der Kunst. Der Kieler Steinbildhauer erklärt, was die Künstler im Bezug auf die Hitze beachten müssen. Wichtig ist, dass sie so viel wie möglich im Zeltschatten arbeiten und nicht vergessen, genug Wasser zu trinken, das „man dann gleich wieder ausschwitzt“. Um einen Sonnenstich zu vermeiden, hilft es auch, längere Mittagspausen zu machen und vor allem abends zu arbeiten. Obwohl Kley in Norddeutschland wohnt und es dort selten so heiß wird, kommt er recht gut mit den Temperaturen klar. Dabei hilft auch, dass er schon öfter in heißen Gegenden, wie zum Beispiel in der Osttürkei, gearbeitet hat. Dort kann es bis zu 45 Grad warm werden. Über zwanzig Länder hat er bereits bereist, mehr als 100 seiner Kunstwerke sind weltweit von Kleinasien bis Südamerika zu sehen.

Hoch "Concha" bleibt mindestens bis Samstag

Auf die Frage, ob es sich denn lohne, so für die Kunst zu leiden, meint er schmunzelnd: „Da muss man durch.“ Außerdem habe er trotzdem großen Spaß mit der Künstlergruppe. Und das Kulturforum Schorndorf kümmere sich „rührend“ um sie. Auch lohnt sich die anstrengende Arbeit für den Steinbildhauer, da er es als Ehre empfindet, etwas zu der „Skulpturenstadt Schorndorf“ beitragen zu dürfen.

Der Ort, an dem er angesichts der Hitze im Moment am liebsten wäre, ist aber seine norddeutsche Wahlheimat Kiel. Doch seine Großskulptur muss rechtzeitig bis zum Abschlussfest am Sonntag fertig werden. Und das Hoch „Concha“ bleibt der Daimlerstadt noch mindestens bis Samstag erhalten.