Schorndorf

Die Ausstellung der Schorndorfer Modellflieger

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Wie variantenreich der Modellflug ist, hat die Fliegergruppe Schorndorf am Sonntag unter Beweis gestellt. © ZVW / Habermann
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Harald Schahl aus Winterbach ist Mitglied der Mikromodellbaufreunde Süd. Sie waren am Sonntag mit ihren Fahrzeugmodellen im Maßstab 1:87 zu Gast, die sie ferngesteuert durch Modelllandschaften bewegten. Schahl hat das Modell einer russischen Antonov 124 mitgebracht. Sein Modell könne alles, was eine richtige Maschine auch kann. Die hat ein Fahrwerk, Nase und Heck sind aufklappbar, sie besitzt sämtliche Lichtfunktionen sowie Lande- und Bremsklappen. © ZVW / Habermann

Schorndorf. Es ist schon ein sehr spezielles Hobby, das die Besucher und Aussteller der Barbara-Künkelin-Halle an diesem Wochenende verbindet. Fliegen lernt man schließlich nicht an einem Tag, auch dann nicht, wenn das Flugobjekt nur Modellgröße hat. Da braucht es viel technisches Verständnis, ein gutes Auge, Fingerspitzengefühl und ein rasendes Reaktionsvermögen – ein Absturz kann nämlich wirklich teuer sein.

Mehr als ein Kleinwagen steckt in manchen der Modellflugzeuge, die auf den Ausstellungstischen stehen. Aber klar: Bausatz, Motor, Funkausrüstung - das läppert sich. Logisch, dass ein Modellfluganfänger erstmal klein anfängt, nicht so teuer, leicht und aus Schaumstoff. Diese Flugzeuge geben etwas nach, wenn sie abstürzen, Bodenkontakt heißt nicht gleich Totalschaden. Und wenn doch, bedeutet das nicht gleich den finanziellen Ruin. Damit das Lernflugzeug aber nicht der völligen Verbeulung ausgesetzt wird, gibt’s zum Steuern ein „Lehrer-Schüler-Paket“.

Unternimmt der Flugnachwuchs seine ersten Versuche, ist zusätzlich ein Könner per Funk mit dem Flugzeug verbunden und kann eventuelle Abstürze auffangen. Gar nicht mal so selten brauchen die Schorndorfer Modellflieger dieses Gerät, tatsächlich gibt’s eine muntere Nachwuchsrunde, die Flugstunden nimmt. Rund acht Jugendliche sind immer wieder mit dabei. Vier kommen regelmäßig und sind bei der Baugruppe mit von der Partie. Hier gibt’s alle Werkzeuge, die die Flieger dringend zum Instandhalten oder Neubau ihrer Objekte brauchen. Und da ist so manches Spezialgerät dabei – die Anschaffung würde sich für einen einzelnen Modellbauer kaum lohnen.

Wer auf dem Flugplatz brillieren und sein Flugzeug in höchste Höhen entlassen will, muss vorher abtauchen. Der normale Modellflieger ist viele Stunden im Jahr im heimischen Keller anzutreffen. Schrauben und Tüfteln gehört nämlich genauso dazu, wie das Fliegen selbst. Mit der Instandhaltung von rund fünf Geräten, so schätzt der Abteilungsleiter Daniel Knapp, ist man bestens ausgelastet. Er selbst hat sich dem Fliegen von Modellhelikoptern verschrieben. Sie zu lenken sei eine besondere Herausforderung, schließlich müsse man die Maschinen in drei Dimensionen kontrollieren. Da müssen nicht nur die Geräte auf dem neuesten Stand der Technik und wettbewerbstauglich bleiben. Auch die Steuermänner (immerhin eine Steuerfrau gibt es im Verein) müssen fit bleiben, wenn sie an den zahlreichen Konkurrenzen teilnehmen wollen, die übers Jahr verteilt stattfinden.

80 Prozent der Zeit auf dem Flugplatz, 20 im Hobbykeller

„Drum verbringen wir 80 Prozent der Zeit draußen auf dem Platz“, erklärt Physiker und Modellflieger Bernhardt Schwendemann. Bis zu 700 Meter dürfen die Modellflugzeuge in die Höhe steigen. „Dann sind sie nur noch als kleiner Punkt zu sehen.“ Damit die Lenker ihre kostbaren Stücke aber trotzdem unter Kontrolle haben, senden diese stets Informationen über die aktuelle Akkuspannung, die Thermik und die Flughöhe an den Boden. „Wir wissen immer genau, was da oben gerade passiert“, erklärt Abteilungsleiter Knapp. Zusammenstöße mit Vögeln gebe es nie. Und dies obwohl die Segler die gleichen thermischen Kanäle zum Aufsteigen in die Höhe nutzen wie die gefiederten Flugkollegen.

In den Wintermonaten wird vermehrt geschraubt, und die Hallenflugzeuge haben ihre Sternstunden. Die Abteilung mietet dafür regelmäßig die Karl-Wahl-Halle. Die Saalflugmodelle sind die Fliegengewichte unter den Ausstellungsobjekten. Rund drei Gramm schwer und mit Folie bespannt, werde sie von einem aufgezwirbelten Gummi betrieben, der mit einem Propeller aus Balsaholz verbunden ist. Solange der Gummi damit beschäftigt ist, sich zu entwirren, wird der Propeller gedreht und die extrem leichten Flugzeuge fliegen quasi autonom durch die Luft. Steuern lassen sie sich nicht. Und so ist vor drei Jahren eines von ihnen mal in dem Schallschutzsegel der Künkelinhalle hängengeblieben. Heute hat es der Hausmeister zurückgegeben, hatte er es doch letztens erst in luftiger Höhe entdeckt. Ein großes Willkommen gab’s deshalb dieses Jahr fürs lang verschollene Fluggerät.

Aber noch viel mehr gab es zu sehen: Freiflugmodelle, Segler, Hubschrauber, Elektromodelle und Kunstflugmaschinen, vom Anfänger- bis zum Weltmeistermodell war alles mit dabei. Mittendrin im Traum eines jeden Modellbauers sind zwei Jungs: Lukas Maurer ist 14 Jahre alt und landete nach anfänglichem Interesse für Helikopter beim Kunstmodellflug. Versiert lässt er am Sonntag seine Flugzeuge durch die Halle tänzeln. Und das ist an diesem Tag wirklich keine leichte Übung. Schließlich hängt der Himmel der Künkelinhalle voll mit Modellen, die alle umflogen werden wollen. Niklas Bernauer, 13, wurde von seinem Opa mit dem Modellbaufieber infiziert, „Er hat ganz viele Flugzeuge“, berichtet der Junge, da hab’ ich im Keller immer mitgemacht. Heute baut der Junge seine eigenen Flieger. Wenn er zu einem Wettkampf antritt, geht es drum, welcher Wettbewerbsteilnehmer einen bestimmten Parcours als schnellstes abgeflogen ist. Bis zu 250 Stundenkilometer bekommen die Maschinen dabei drauf. „Das ist echt Adrenalin“, erklärt Niklas begeistert.

Kontakt

Mehr Informationen und Kontaktdaten zur Fliegergruppe Schorndorf und ihren beiden Abteilungen gibt es im Internet untern www. modellflug-schorndorf.de