Schorndorf

Die „Bergerei“ in Schorndorf: Wie der Unverpacktladen der Krise trotzt

Bergerei
Larissa Berger ist eine Optimistin und stolz auf ihren Unverpacktladen mit Tagescafé. Auch wenn es schwierige Zeiten sind – die Jungunternehmerin und ihr Team setzen auf ihre Kundschaft und wollen noch einige Ideen verwirklichen. © Benjamin Büttner

Die Unverpackt-Branche steckt in der Krise. Das hat der Unverpackt-Verband vor einiger Zeit vermeldet. Im vergangenen Jahr allein hätten den Angaben zufolge in Deutschland 41 Läden geschlossen. Beim Verband glaubt man trotz der Schwierigkeiten weiter an die Idee: „Unabhängig von der aktuellen Situation sind wir davon überzeugt, dass das Konzept ‘Unverpackt’ funktioniert, langfristig nachhaltig und zukunftsweisend ist“, so der Pressesprecher des Unverpackt-Verbands.

Während hier in der Region ebenso einige Unverpacktläden dichtgemacht haben, herrscht reger Betrieb im Geschäft von Larissa Berger in Schorndorf – auch wenn der 31-Jährigen Herausforderungen bewusst sind.

Hin und wieder an die Grenzen gestoßen

„Ja, es ist schwieriger geworden, keine Frage und es wird sicher kein leichtes Jahr“, bestätigt Larissa Berger. Die Jungunternehmerin ist mit ihrem Schorndorfer Unverpacktladen „Bergerei“ in der Corona-Zeit gestartet, hatte am 5. Mai 2020 in der Karlstraße 3 ihren 160 Quadratmeter großen Laden eröffnet und bis jetzt, man muss es fast so beschreiben, durchgehalten – dank eines intakten Teams und des eigenen Wissens. In der Corona-Zeit ein Unternehmen zu gründen, sei ein Risiko gewesen, dessen ist sich die Unternehmerin bewusst. Aber als studierte Wirtschaftspädagogin wusste Larissa Berger von Anfang an, wie man einen Businessplan erstellt.

Mit dem Corona-Einbruch und dem Lockdown 2020 und 2021 konnte keiner rechnen. Da sei sie hin und wieder schon an ihre Grenzen gestoßen. Als sie nun mitbekommen habe, dass viele Unverpacktläden „ins Straucheln geraten sind“ und schließen mussten, habe sie das erschüttert: „Vielleicht liegt es daran, dass die Unverpacktläden sich in Deutschland doch noch nicht so etabliert haben. In Frankreich beispielsweise ist das ganz anders.“ Für Berger sei es von Anfang an hilfreich gewesen, „nicht nur auf einen Bereich zu gehen“.

Deshalb ist sie stolz auf das Tagescafé, das sich direkt im Unverpacktladen befindet und nur durch Regale abgegrenzt ist. „Das eine beschwingt das andere“, sagt die junge Mutter. Es seien beides Bereiche, die es in der derzeitigen Situation nicht einfach hätten: Gastronomie und Einzelhandel. Stetig habe sie das Sortiment erweitert, die Zusammenarbeit mit ihren regionalen Lieferanten gehalten. Auch wenn es da bei dem einen oder anderen in der vergangenen Zeit Lieferschwierigkeiten gab: „Nicht, weil es die Zutaten nicht gab, sondern weil einige die Produktion zurückgefahren beziehungsweise ganz eingestellt hatten, weil sie keine Abnehmer hatten.“

Preise müssen neu durchkalkuliert werden

Die Gäste hätten das Tagescafé liebgewonnen: „Manche kommen nur auf einen Cappuccino, andere freuen sich auf unseren Mittagstisch“, so Larissa Berger. Stolz ist sie nach wie vor auf das Bio-Label-Zertifikat, das sie für ihren Laden im vergangenen Jahr erhalten hat. Eine Bio-Gastronomie sei selten. All das hätte sie aber ohne die Unterstützung ihrer Mitarbeiter und der Familie nicht geschafft, das weiß die Inhaberin. Ein 13-köpfiges Team, darunter zwei Köchinnen, stehen Larissa Berger zur Seite. „Wir haben auch einige Aushilfen.“ Mitarbeiterin Franziska habe beispielsweise als Aushilfe angefangen und ist jetzt eine 100-prozentige Vollzeitkraft. Sie unterstützt Larissa Berger in der Ladenleitung.

Was die Preise angeht, habe sie seit der Eröffnung nichts verändert. „Aber nun müssen auch wir alles noch mal neu durchkalkulieren und moderat anpassen“, sagt Larissa Berger offen und ehrlich. Personal- und Energiekosten steigen, das rechne sie ebenso mit ein, wie es andere Geschäftsinhaber schon längst getan haben. Mit großer Sorge oder Angst blickt sie eigentlich nicht in die Zukunft, sagt die Optimistin mit einem Lächeln. Auch wenn es erschreckend ist, dass es „definitiv einen Einbruch von 15 Prozent in der Bioläden-Branche gegeben hat“.

Ja, die Menschen würden am Essen sparen. „Und das verstehe ich eigentlich nicht – in der Pandemie hat man auf gutes Essen geachtet und bewusst mal was Besseres eingekauft.“ Das habe jetzt sehr nachgelassen. „Das tut mir schon irgendwie weh – nicht nur als Geschäftsfrau, sondern auch als Privatperson.“ Sie könne es verstehen, wenn junge Inhaber eines Unverpacktladens es mit der Angst zu tun bekommen, „schnell finanziell an der Grenze sind und in die roten Zahlen fallen“.

„Ganz ehrlich – natürlich könnte uns das auch blühen“, sagt Larissa Berger, die das Geschäftsleben nicht durch die rosarote Brille wahrnimmt. Aber sie weiß auch: „Wir sind zwar noch lange nicht an dem Punkt, aber wir müssen auch alles gut im Auge behalten.“ Larissa Berger lässt ihren Blick durch den Unverpacktladen schweifen: „Ja, schwierige Zeiten sind es auf jeden Fall. Aber meinen Optimismus lasse ich mir nicht nehmen.“

Geburtstagsfeier am 5. Mai

Deshalb haben ihr Team und sie Ideen zuhauf: Da könnte man sich beispielsweise Veranstaltungen und Workshops vorstellen, die man abends im Laden anbieten möchte.

Was auf jeden Fall ein fester Termin im Kalender ist: Am 5. Mai feiert die „Bergerei“ den dritten Geburtstag. Und wie im vergangenen Jahr werden wieder ein paar Überraschungen auf die Kunden warten.

Die Unverpackt-Branche steckt in der Krise. Das hat der Unverpackt-Verband vor einiger Zeit vermeldet. Im vergangenen Jahr allein hätten den Angaben zufolge in Deutschland 41 Läden geschlossen. Beim Verband glaubt man trotz der Schwierigkeiten weiter an die Idee: „Unabhängig von der aktuellen Situation sind wir davon überzeugt, dass das Konzept ‘Unverpackt’ funktioniert, langfristig nachhaltig und zukunftsweisend ist“, so der Pressesprecher des Unverpackt-Verbands.

Während hier in der

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