Schorndorf

Die beste Schreinerin in der Region: Wie sich Nicola Jelinek in Unterberken mit zeitlosem Design in einer Männerdomäne behauptet

Schreinerei  Jelinek
Die Schreinerin Nicola Jelinek bei der Arbeit. © Gabriel Habermann

Für Nicola Jelinek war früh klar: Sie geht ins Handwerk. Nach einem Praktikum als Schreinerin und einem halben Jahr Au-pair in England ging es nach dem Abi los mit der Konstruktion von Möbeln und dem Innenausbau. Ihrer Lehre folgte eine Weiterbildung an der Fachschule für Holztechnik in Stuttgart, wo sie zugleich den Meister machte. Jetzt wurde sie zur Bestmeisterin im Bereich Tischler/Schreiner der Region Stuttgart ernannt.

Kammerbeste der Schreiner zu werden, das schüttelt man sich nicht aus dem Handwerker-Handgelenk – noch dazu als Frau in einer Männerdomäne: Was sie kann, hat Schreinermeisterin Nicola Jelinek den Prüfern der Handwerkskammer Region Stuttgart mit einem ausgeklügelten Couchtisch bewiesen: Das elegante Möbel aus Kirschbaum wird mit nur wenigen Handgriffen zum Esstisch und hat viele weitere Besonderheiten.

„Ich wollte, dass er nicht aussieht wie ein klassisches Ausziehmöbel“, erklärt sie den Ansatz hinter ihrer Abschlussarbeit. „Im Vordergrund steht das filigrane Design, das leicht wirkt, die Konstruktion soll auf den ersten Blick nicht sichtbar sein.“ Die Projektidee entstand im eigenen Wohnzimmer: Sie und ihr Mann sind dabei, das eigene Haus umzubauen. „Die Wohnfläche soll effizient genutzt und erweitert werden“, erzählt sie. In drei Wochen hat sie ihr Meisterstück geschaffen, für das sie die Bestnote 1,1 unter 30 Tischlern und Schreinern erhielt.

Nicola Jelinek: „Das Gestalterische hebt sich ab“

Warum sie so gut ist? „Ich denke, das Gestalterische hebt sich ab.“ Ihr Möbel kann sich nicht nur multifunktional ausziehen lassen, es kann sich mit seinem zeitlosen Design sehen lassen: Ein platzsparender Tisch, an dem bei Bedarf mehrere Leute sitzen können und den sie in der Höhe so angepasst hat, dass man bequem auf der Couch am Tisch sitzen kann - an den Proportionen hatte sie ein Weilchen zu tüfteln. Die Liebe zum Detail ist zu erkennen an der millimetergenauen Verbindung zwischen dem stabilen Stahlgestell und dem edlen Holz sowie an den seitlichen handgezinkten Schubladen. Auch ein Vollholz-Kulissenauszug ist im Möbel verbaut. Während der erstmals digital abgehaltenen Meisterfeier durfte ihr Möbel auf der Bühne stehen.

Was ihr die Auszeichnung bedeutet? „Es ist eine wunderbare Bestätigung dafür, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe.“ Schon während der Schulzeit hat sie ihre Vorliebe für Gestaltung entdeckt: „Die Vielseitigkeit von Möbeln hat mich immer fasziniert. Das individuelle Möbelstück und die Maßanfertigung ganzer Einbaumöbel.“ Das erklärt, woher ihr Draht für die Raumgestaltung kommt, die sie in der Schreinerei Möbel Bühler als angestellte Möbelgestalterin und Meisterin eigenständig abwickelt. Eine Zeit lang habe sie mit dem Gedanken gespielt, Innenarchitektur zu studieren. „Das wäre mir vermutlich zu theoretisch gewesen“, sagt sie. Ausschlaggebend für die Berufswahl war die Nähe zum Produkt. „Ich erstelle den Plan und einige Wochen später sehe ich das Ergebnis, das produziert wurde, vor mir stehen.“

Der Arbeitsalltag sei längst nicht mehr auf Holz begrenzt. „Wir arbeiten immer mehr mit Mineralwerkstoffen, auch beschichtete Materialien und Plattenmaterial kommen zum Einsatz.“

Ihre dreijährige Lehre hat sie nach dem Abitur 2013 in einem Drei-Mann-Betrieb absolviert. Mit ihrem heutigen Ehemann ist sie nach Heidelberg gezogen und hat zwei Jahre als Gesellin in einem größeren Betrieb mit 20 Leuten gearbeitet.

Die Stadt sei geprägt von denkmalgeschützten Häusern und einer Hausgeneration der Gründerzeit - so sammelte sie viel Erfahrung im individuellen Möbelbau, „in Häusern, wo keine Wand gerade ist“, wie sie schmunzelnd anmerkt.

Die Tätigkeit sei spannend, doch den ganzen Tag in der Werkstatt stehen, war ihr nicht genug. „Da hat mir die Freiheit für die eigenen Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten gefehlt.“ Sie wollte sich in Richtung Gesamtraumplanung weiterentwickeln und machte die Weiterbildung zur „staatlich geprüften Gestalterin mit Fachrichtung Möbel- und Innenraumgestaltung“ an der Fachschule für Holztechnik in Stuttgart. Teile der Meisterprüfung überschneiden sich inhaltlich mit der zweijährigen Weiterbildung.

Den Abschluss machte sie 2019. Seit nun über einem Jahr ist sie als Gestalterin in ihrem Element. Mit ihrer Arbeit sind Wohnträume verbunden. Sie geht zu Kunden, zeichnet für zu gestaltende Räume vom Keller bis ins Dach die kundengerechten Visualisierungen und erstellt Konstruktionspläne von Hand und mit CAD am Computer. „Als Bindeglied zwischen Büro und Werkstatt habe ich eine schöne Verbindung aus Kreativität, Handwerk und Planung.“

Engagierte Handwerker, die Möbelstücke bauen können und Innenausbau beherrschen, werden gebraucht. Ein Problem, das auch die Betriebe, in denen sie gearbeitet hat, zur Genüge kennen: Auszubildende sind Mangelware. Generell gebe es wenige Frauen im Schreinerhandwerk.

Ein netter Zufall wollte es, dass ihr Arbeitgeber da eindeutig aus der Statistik fällt: Ihre Chefin und Schreinermeisterin Katja Bühler leitet den Betrieb in dritter Generation. Wir sind drei Frauen in einem siebenköpfigen Team, ich fühle mich am richtigen Platz“, sagt sie schmunzelnd.

Für Nicola Jelinek war früh klar: Sie geht ins Handwerk. Nach einem Praktikum als Schreinerin und einem halben Jahr Au-pair in England ging es nach dem Abi los mit der Konstruktion von Möbeln und dem Innenausbau. Ihrer Lehre folgte eine Weiterbildung an der Fachschule für Holztechnik in Stuttgart, wo sie zugleich den Meister machte. Jetzt wurde sie zur Bestmeisterin im Bereich Tischler/Schreiner der Region Stuttgart ernannt.

Kammerbeste der Schreiner zu werden, das schüttelt man sich

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper