Schorndorf

Die Buocher gehen auf die Barrikaden

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Schnell wurde klar, warum die Zuschauerränge im Sitzungssaal des Rathauses so dicht besetzt waren: Buoch hatte zum Protest wegen der schlechten Busverbindungen aufgerufen. © ZVW/Gabriel Habermann

Remshalden. „Was isch denn heit los?“, fragte sich der eine oder andere Gemeinderat, warum die Zuschauerränge im Sitzungssaal des Rathauses bei einer ganz unspektakulären Tagesordnung so voll besetzt waren. Die Bürgerfrageviertelstunde, die sich dann auf eine halbe Stunde ausdehnte, brachte Aufklärung: Mindestens die Hälfte der Zuhörerinnen und Zuhörer waren Buocher, die ihrem Unmut über schlechte Busverbindungen Luft machen wollten.

Daran, dass auch die innerörtliche Busverbindung zwischen Buoch und den Remstal-Ortsteilen alles andere als ideal ist, haben sich die Buocher fast schon gewöhnt. Stellvertretend zitiert sei eine Mutter, die ihre Kinder eigentlich aufs Remstal-Gymnasium nach Weinstadt schicken wollte, aber sich dann wegen der vermeintlich besseren Verbindungen für Winnenden entschieden hat. Genau diese Busverbindung ist jetzt der Grund, warum die Buocher vor allem – aber nicht nur – im Interesse ihrer Kinder, die weiterführende Schulen in Winnenden besuchen, auf die Barrikaden gehen und bei Verwaltung und Gemeinderat dringend Verbesserungen anmahnen und für die nahe Zukunft ein Konzept fordern, das es den Eltern erspart, ständig Bring- und Holdienste für ihre Kinder zu übernehmen oder zu organisieren. Aber auch Ältere, die ihre Ärzte in Winnenden sitzen haben und auf den Bus angewiesen sind, haben Probleme, Termine wahrzunehmen. Weshalb eine Buocher Bürgerin mutmaßte, wahrscheinlich seien die, die das mit dem Busverkehr entschieden hätten, „lauter jonge Leid, die Auto fahrad“.

Busfahrplan ist auf das volle Doppelstundenmodell abgestimmt

Die Busverbindung zwischen Winnenden und Buoch und umgekehrt habe sich seit dem 1. August durch den Wegfall von fünf Fahrenpaaren deutlich verschlechtert, sagte eine Mutter, die ihrer Wortmeldung erst einmal dazu nutzte, alle Buocherinnen und Buocher im Zuhörerraum aufstehen zu lassen, um Gemeinderat und Bürgermeister deutlich zu machen, dass es hier nicht um die Befindlichkeit einiger weniger geht. Das Problem sei, dass der Schulbusverkehr auf den auf dem Doppelstundenprinzip basierenden Stundenplan abgestimmt sei, aber auch da nur funktioniere, wenn die Kinder tatsächlich von der ersten bis zur sechsten Stunde Unterricht hätten. Ganz davon abgesehen, dass es mittlerweile an den Gymnasien wieder die fünfstündige Kursstufe gebe. „Der Winter kommt, und es wird immer schlimmer“, meinte die besorgte Mutter. Gleiches, so eine andere Mutter, gelte im Übrigen auch für Schüler, die das Remstal-Gymnasium besuchten. „Hängen Sie Buoch jetzt komplett ab?“, fragte sie deshalb Bürgermeister Reinhard Molt ganz direkt. Wieder eine andere Mutter beklagte in diesem Zusammenhang mit Blick auf außerschulische Aktivitäten, dass mittlerweile auch das Ruftaxi-Angebot sowohl von Grunbach herauf als auch von Winnenden her deutlich eingedampft worden sei, was mitunter zu der hanebüchenen Situation führe, dass Jugendliche, die eigentlich nach Buoch wollten, in Breuningsweiler aussteigen und dann doch wieder von ihren Eltern geholt werden müssten.#

Gemeinde hat sich an die Stadt Winnenden gewandt

Der Bürgermeister machte zunächst einmal deutlich, dass es sich bei den Busverkehren ins Remstal und nach Winnenden um zwei verschiedene „Linienbündel“ handelt, für deren Vergabe jeweils der Landkreis zuständig sei, der die Busse in Abstimmung mit den jeweiligen Kommunen bestelle. Anders sehe es bei den Schulbusverkehren aus, für die der jeweilige Schulträger zuständig sei, in diesem Fall also die Stadt Winnenden. Wobei er, so Molt, eigentlich davon ausgegangen sei, dass der Unterricht an den weiterführenden Schule bis zur sechsten Stunde abgedeckt sei oder dass es zumindest eine vernünftige Aufenthaltsmöglichkeit für die Schüler gebe. Mittlerweile aber, sagte der Bürgermeister, sei die Gemeinde insofern aktiv geworden, als sie sich sowohl an den Landkreis als auch an die Stadt Winnenden gewandt habe mit der Bitte, die Bedarfssituation noch einmal zu überprüfen beziehungsweise neu zu ermitteln. Er erwarte diesbezüglich in den nächsten Tagen eine Rückmeldung sowohl vom Kreis als auch von der Stadt, sagte der Bürgermeister, der einerseits optimistisch ist, dass sich eine Lösung im Sinne der Eltern und ihrer Kinder finden lässt, der andererseits aber auch darauf hinwies, dass das auf eine finanzielle Beteiligung der Gemeinde hinauslaufen könnte – und in diesem Fall müssten sich erst der Verwaltungsausschuss und der Gemeinderat mit dem Thema befassen. Weshalb er auch nicht davon ausgehe, dass eine Besserung noch in diesem Jahr eintrete. Und eins, sagte Reinhard Molt, müsse den Eltern auch klar sein: Es könne nicht für jede ausgefallene Stunde eine Lösung geben. Und einmal eine halbe Stunde auf einen Bus warten zu müssen, halte er „für nicht spektakulär“.


Stimmungsbild

„Die Stimmung in Buoch ist derzeit so, dass es bald eine Umfrage geben wird, ob die Buocher noch bei Remshalden bleiben wollen“, behauptete ein Buocher, der aber Zweifel hat, „ob uns eine andere Stadt überhaupt will“.

Zumal er neben den schlechten Busverbindungen, bei dene er Zweifel hat, ob die Gemeinde das Problem überhaupt richtig aufarbeiten will, noch ein weiteres Manko ausgemacht hat: „Buoch ist eigentlich ein schöner Ort, aber er wäre noch schöner, wenn die Gemeinde ihre Grundstücke mähen würde.“