Schorndorf

Die Freundin grün und blau geschlagen

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Ein Mann schlug seine alkoholisierte Freundin (Symbolbild). © ZVW/Sebastian Striebich

Schorndorf. Sie lernten sich bei einer Selbsthilfegruppe für Alkoholiker kennen. Später eskalierte die Situation zwischen zwei Welzheimern. Er schlug seiner alkoholisierten Freundin mit der Faust ins Gesicht und wurde dafür zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung, und einer Geldstrafe von 2000 Euro verurteilt.

„Sie konnte bis zu 18 Bier am Tag trinken“, schildert ein 63-jähriger Welzheimer den Alkoholkonsum der Frau, die ihn wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung anklagte. Selber genehmige sich der Alkoholiker jeden Tag wieder zwei Bier, nachdem bei ihm inoperabler Krebs diagnostiziert wurde. Die Schläge ins Gesicht gab der Mann vor Gericht offen zu.

Da er weder Verwandtschaft oder Freunde habe, wurde dem 63-Jährigen nach seiner letzten Entziehungskur geraten, dass er sich wieder einen Freundeskreis aufbauen solle. Bei einer Selbsthilfegruppe für Alkoholiker lernte er die Geschädigte kennen. Da die 60-Jährige nur zwei Häuser weiter wohnte, trafen sie sich oft zufällig und freundeten sich zunächst an.

Er nannte sie „Stadtschlampe“

Nach und nach entwickelte sich ein engeres Verhältnis: Der Angeklagte übernachtete oft bei seiner neuen Bekanntschaft, meinte: „Ich habe gemerkt, sie braucht mich immer mehr.“ Sie trank weiterhin und war deshalb noch zweimal zur Entgiftung in Winnenden. Nach der zweiten Entziehungskur beendete sie das Verhältnis und forderte ihre Schlüssel zurück.

Die Geschädigte schildert, der Mann habe sie von Anfang an mit Liebesbekundungen überschüttet, obwohl sie ihm gesagt habe, sie könne seine Gefühle nicht erwidern. Er sei eifersüchtig geworden, habe sie als „Stadtschlampe“ bezeichnet und ihr Beziehungen mit anderen Männern unterstellt. Auf die Nachfrage der Richterin, warum sie dann so viel Zeit mit ihm verbracht und ihn bei sich wohnen habe lassen, sagte sie: „Damals habe ich getrunken. Es war mir egal.“

Nachdem die Frau einen Schlussstrich gezogen hatte, war der Kontakt weitestgehend abgebrochen. Dann, Ende August 2017, warf er ihr eine Geburtstagskarte in den Briefkasten. Alkoholisiert klingelte die Frau später bei ihm, um sich zu bedanken. Laut seinen Aussagen wollte sie sofort ein Bier, betrank sich weiter und schlief dann in seinem Bett. Tagelang hielt sich die Frau in der Wohnung des Mannes auf, bis es dann am 6. September zur Eskalation kam. Der Mann meinte, er habe das Haus nur verlassen, um einzukaufen. Die Wohnungstür habe er lediglich abgeschlossen, weil der Nachbar immer die Haustür offen lasse.

Das Opfer hatte Todesangst

Die Geschädigte sagte aus, er habe seine Waffe neben sie auf den Nachttisch gelegt. Sie habe Todesangst gehabt. Als die Polizei Tage später in die Wohnung eindrang, fand sie die Waffe in einer Kiste verstaut im Wohnzimmer. Der Angeklagte sagte aus, er habe die Frau weder mit einer Waffe bedroht noch versucht, sie einzusperren. Es habe sich ein weiterer Schlüssel in der Wohnung befunden, mit dem sie die Tür hätte öffnen können. Zudem war die Frau, auch nach eigener Aussage, im Besitz eines Handys, mit dem sie nach Hilfe hätte rufen können. Zusätzlich habe der Rentner eine Nachbarin der Frau informiert, dass sie sich bei ihm befinde. Aus diesen Gründen wurde auch die Anklage der Freiheitsberaubung im Laufe der Verhandlung fallengelassen.

Dass der Angeklagte die Frau übel zugerichtet hat, stand allerdings nie infrage. Selbst gab er zu, sie dreimal hintereinander mit der Faust geschlagen zu haben. Sie erzählte, dass er sie nicht nur einmal geschlagen habe. „So, jetzt hast du dir deine zweite Ration verdient“, soll er gesagt haben, bevor er sie erneut misshandelte.

Der Angeklagte bestreitet dies. Er sei so ausgerastet, weil sie seine Wohnung ruiniert habe. Sie habe sich nicht mehr unter Kontrolle gehabt, überall hingepinkelt, sich entleert und erbrochen. Die Geschädigte konnte sich vor Gericht nicht mehr klar genug an die Ereignisse des Tages erinnern, um dies zu bestätigen oder zu verneinen. Laut Polizeiaussage habe es bei Betreten der Wohnung „extrem nach Urin gestunken“ und es seien kleinere Blutflecken im Bett und auf dem Sofa zu sehen gewesen.

Tochter der Frau wurde misstrauisch

Grund für das Eintreffen von Krankenwagen und Polizei war ein Anruf der Tochter der Geschädigten. Sie wusste zwar von der Nachbarin der Mutter, wo diese sich aufhielt, wurde aber misstrauisch, als der Angeklagte ihr den Zutritt zu seiner Wohnung verwehrte. Nach weiterem Drängen ließ er die Tochter dann schließlich doch in seine Wohnung. Als sie den Zustand ihrer Mutter mit eigenen Augen sah, ging sie verbal auf den Angeklagten los. Laut Arztbericht litt die Geschädigte unter einer Gehirnerschütterung, massiven Blutergüssen und Schwellungen. Mit zwei Promille war sie auch noch stark alkoholisiert. Nach dem Vorfall machte sie eine weitere Entgiftung.

Die Rechtsanwältin der Frau warf dem Angeklagten vor, er habe die „Situation brutal ausgenutzt“. Er habe „seine Vorstellungen davon, wie eine Beziehung zu laufen hat“, und als es ihm dann nicht mehr gepasst hat, habe er zur Gewalt gegriffen. Es habe keinen Grund gegeben, die 60-Jährige weiterhin mit Alkohol zu versorgen. Außerdem habe er sich „extrem eifersüchtig verhalten“. Die Folgen der Gewalttat seien erheblich gewesen. „Die Angeklagte war nicht nur drei Tage krank. Sie hatte wochenlang Schmerzen und leidet heute noch psychisch unter der Tat.“

Einschlägig vorbestraft

Der Welzheimer hat bereits eine einschlägige Vorstrafe von 2012. Die Bewährungszeit überstand er damals ohne weitere Auffälligkeiten. Das Urteil nahm der Mann auch dieses Mal an, diskutierte aber über die Höhe des Schmerzensgeldes. Die ursprüngliche Strafe in Höhe von 2500 Euro könne er von seiner Rente nicht bezahlen. Stattdessen bat der Mann darum, den Schaden an seinen Möbeln mit dem Schmerzensgeld aufzuwiegen. Die Richterin lehnte dies ab, verminderte das Schmerzensgeld aber um mehrere Hundert Euro.

Die Folgen der Tat

  • Nach der Tat habe die Geschädigte sich vor Schmerzen zwei Wochen nicht waschen können. Sie habe zwei Monate nicht arbeiten können und sich nicht aus dem Haus getraut.
  • „Es gibt keine Entschuldigung, dass ein Mann eine Frau so zurichtet“, meinte sie. Als der Angeklagte vor Gericht trotzdem versuchte, sich zu entschuldigen, akzeptierte die 60-Jährige dies deshalb auch nicht: „Das kann ich dir nicht verzeihen.“