Schorndorf

Die Gaupp'sche Apotheke wird saniert

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Die Nummer 1 am Marktplatz: Bis Mitte Oktober sind Maler und Zimmermänner an der Fachwerkfassade am Werk. © Palmizi / ZVW
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Eigentümer Dr. Heinz-Jürgen Kopmann möchte das Fachwerk zur Gartenschau herausputzen.
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Der Blick nach oben.

Schorndorf. An prominenter Stelle, am Marktplatz Nummer 1, tut sich was hinterm grünen Gerüstnetz: Dr. Heinz-Jürgen Kopmann lässt die Fachwerkfassade der Gaupp’schen Apotheke, seit fast 330 Jahren am Platz, pünktlich zur Remstalgartenschau sanieren – nachdem Annette und Peter Gamm in der Apotheke, Tradition und Geschichte im Blick, eine luftig-leichte Modernisierung hingelegt haben.

Wenn sich die Stadt für die Gartenschau herausputzt – „da will ich meinen Teil dazu beitragen“, sagt Dr. Heinz-Jürgen Kopmann. 1986 hat er die Apotheke von Rosemarie Gaupp übernommen und sie – mit dem Kauf des Gebäudes im Jahr 2009 – an das Apotheker-Ehepaar Annette und Peter Gamm übergeben. Nachdem die beiden zuletzt kräftig renoviert haben, sich ihre Apotheke jetzt in luftig-hellem Ambiente präsentiert, die freigeräumten Fenster den Blick auf den Marktplatz und von dort in die Apotheke hinein zulassen, auf schlichte Metall-Regale und dänisches Lampen-Design, sollte auch die Fachwerkfassade mithalten können. Und: Für das Herausputzen gibt es sogar einen Zuschuss aus dem Sanierungsprogramm Weststadt II.

In der Tat, nach der Schadenskartierung, bei der alle Gefache und jeder Balken inspiziert wurde, signalisierte Manfred Schuler, Malermeister und Restaurator der Firma Leibrand: „Da ist Handlungsbedarf.“ Mehrere Gefache instabil und rissig, die Balken verwittert – seit Mitte August sind die Maler und Zimmerleute an der Nord- und der Westfassade am Werk. Und sie werden bestimmt noch bis Mitte Oktobert beschäftigt sein. Zunächst wurden, erklärt Restaurator Schuler, die dampfdichten Farben von den Balken geschält. Sind die schadhaften Stellen – Riss für Riss – ausgebessert, bekommen die Balken einen dunkelbrauen Ölfarb-Anstrich. Ein Farbgemisch, das auch ursprünglich verwendet wurde, das Haus nicht luftdicht versiegelt und im Gegensatz zum lange verwendeten Acryl verwittert, „bevor’s zum Problem wird“, sagt Schuler. Die Gefache werden, sobald sie von hinten Schicht für Schicht aufgebaut und sauber verputzt sind, mit beiger Silikat-Farbe und rotem Rahmen gestrichen. Zum Schluss kommen die flaschengrünen Fensterläden wieder dazu.

Bei der Fachwerksanierung lässt sich viel falsch machen

Und dabei wird’s auf Dauer nicht bleiben: „Fachwerk ist ein ständiges Wartungsobjekt“, sagt der Fachmann, der bei der Sanierung fast aller Häuser am Schorndorfer Marktplatz dabei war, inklusive dem Schmuckstück Palm’sche Apotheke, Fachwerkhäuser das Remstal rauf und runter restauriert hat sowie schon in Esslingen, Backnang und Geislingen im Einsatz war, und aus der Vergangenheit folgende Lehre zieht: „Man weiß, dass man bei Fachwerksanierungen viel falsch machen kann.“

Das Gebäude, wie es sich heute am Marktplatz präsentiert, wurde bereits im Jahr 1663 von Vogt Alexander Reinhardt auf der abgebrannten Hofstatt der Gebrüder Johann und Franz Binder aufgebaut – aus dem Gebälk eines Schornbacher Fachwerkhauses. Bis heute stimmt die Passform nicht. Und erst seit Mitte der 1970er-Jahre ist sie von 90 Zentimeter Schutt und Asche aus Stadtbrand-Zeiten von 1634 befreit: Damals, weiß Dr. Kopmann, wurde der Boden einfach darüber verlegt. Mit der Folge: Die Apotheke war fast 300 Jahre lang über eine Treppe zu erreichen, heute ist der Zugang ebenerdig.

Seit 1689 gibt es in dem Gebäude am Marktplatz 1 eine Apotheke, von Georg Michael Palm als „Obere Apotheke“ gegründet und von 1773 bis 1986 von der Familie Gaupp über Generationen hinweg weitergeführt. 1927 wurde, anstatt den schadhaften Putz auszubessern, auf Anraten des Architekten und späteren Stadtarchivars J. C. Rösler das Fachwerk in den oberen Geschossen freigelegt – eine Richtungsänderung, die beispielhaft für die Sanierung der Schorndorfer Innenstadt war. Für Kopmann sogar die Initialzündung für die Entstehung der malerische Fachwerk-Kulisse.