Schorndorf

Die große Angst vor Überschwemmung: Was Schorndorf für den Hochwasserschutz tut

Unwetterfolgen Leutenbach, Winnenden, 28.06.2021.
Mit Starkregen und Hochwasser müssen wir immer öfter rechnen. Die Stadt Schorndorf investiert deshalb in den Hochwasserschutz. © Benjamin Beytekin

Vollgelaufene Keller, überflutete Straßen und Verwüstungen durch Schlamm und Wasser: In Zukunft müssen wir uns immer öfter auf Starkregen und Sturzfluten einstellen, wie sie zuletzt viele Menschen im Ahrtal in Rheinland-Pfalz und in Bayern erleben mussten. Kurze Gewitter mit mäßigen Auswirkungen, ruhiger gleichmäßiger Landregen, der die Felder bewässert und im Sommer eine angenehme Abkühlung bringt, sind Wetterlagen, die schon lange nicht mehr selbstverständlich sind. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge werden Extremwetter wie Dürreperioden und Unwetter weiter zunehmen. Bei der Vorbeugung, Alarmierung und dem Schutz der Bürger sind die Kommunen gefragt.

Hochwasserschutz ist eine Pflichtaufgabe

„Der Hochwasserschutz ist eine Pflichtaufgabe für uns und spielt seit Jahren eine große Rolle“, sagt Bürgermeister Thorsten Englert. 50 Millionen Euro haben die Rems-Anrainer nach Angaben von Hans-Peter Sieg, technischer Geschäftsführer beim Wasserverband Rems, zwischen 2005 und 2019 in die vier Regenrückhaltebecken in Winterbach, Urbach, Waldhausen und Reichenhof investiert. Allein am Stauwehr Winterbach entstand eine Retentionsfläche, die bis zum Tuscaloosa-Kreisel und von der B 29 bis zur Bahnlinie Weiler reicht und auf 62 Hektar 1,15 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen kann. Weitere – natürlich kleinere – Rückhaltebecken gibt es an der Wieslauf und am Schornbach.

Versiegelung nimmt weiter zu

Ob die Rückhaltebecken groß genug sind? Derzeit werden die Hochwasserkarten neu berechnet. Dabei fließen die Starkregen der letzten 20 Jahre bis zum Jahr 2010 ein. Feuchtigkeit und Regenmengen steigen – die Versiegelung auch. So versickert das Wasser viel schwerer als früher. „Man hat viele Talauen bebaut“, erinnert Herbert Schuck, Fachbereichsleiter Infrastruktur der Stadt. Bauverbote bestehen in den Gebieten, in denen der Statistik zufolge ein 100-jährliches Hochwasser zu erwarten ist. Bei minimalen Überschreitungen darf in Ausnahmefällen aber trotzdem gebaut werden, wenn Ausgleich geschaffen wird. Möglich macht das ein Hochwasserregister, das der Gemeinderat vor kurzem abgesegnet hat. Investiert werden muss dann an anderer Stelle in den Hochwasserschutz: etwa um einen Altarm eines Flusses zu reaktivieren oder bestehende Gebäude in Überschwemmungsgebieten abzubrechen.

Starkregenrisiko-Management soll ausgebaut werden

„Die Stadt hat vieles getan“, betont Thorsten Englert. Nun bestehe die Herausforderung darin, den Starkregen aufgrund des Klimawandels in den Griff zu bekommen. Dass das Wetter immer extremer wird, weiß auch Wasserverbands-Geschäftsführer Sieg, der vor allem Respekt vor den großen Regenmengen hat, die in kurzer Zeit auf einem sehr begrenzten Raum runtergehen. Helfen soll ein Starkregenrisiko-Management, bei dem im Notfall die Wasserstände in Bächen und Flüssen mit Ultraschallmessungen und Webcams kontrolliert werden. Steigt das Wasser über einen bestimmten Pegel, wird automatisch Alarm ausgelöst.

Zudem setzt der Wasserverband auf Starkregenkarten, die die Risiken und Gefahrenpunkte aufzeigen können. Prognostiziert werden Fließwege und Überflutungen durch wild abfließendes Wasser eines Starkregens. Den kann man nicht verhindern, sehr wohl aber seine Auswirkungen abmildern. Aus der Risikoanalyse folgt deshalb ein Handlungskonzept, das in Schutzmaßnahmen für die gefährdeten Häuser und Kanalvergrößerungen münden könnte, aber auch Auswirkungen auf die Ausweisung neuer Baugebiete haben könnte. „Vielleicht begrenzen wir uns durch diese Planung selbst“, sagt Bürgermeister Englert. Bestehende Gebäude werden nicht immer gesichert werden können, meint Hans-Peter Sieg. Helfen kann eine Rückstauklappe in den Häusern, eine Lösung könnte in diesem Fall aber auch die kontrollierte Ableitung des Hochwassers in Gräben sein. Im September wird der Auftrag, die Starkregenkarte zu erstellen, EU-weit ausgeschrieben. Die Kosten liegen voraussichtlich bei 600 000 bis 650 000 Euro. Zahlen sollen sie die Rems-Kommunen gemeinsam – mit Ausnahme von Schwäbisch Gmünd und Weinstadt, die hier schon weiter sind: In Gmünd können sich die Bürger seit 12. Juli aktuell über Überflutungshöhen und Fließwege im Stadtgebiet informieren. In Weinstadt steht die Untersuchung kurz vor der Fertigstellung. In 3-D-Modellen werden Fließbewegungen von möglicherweise eintretenden Starkregen-Fluten simuliert und besondere Gefahrengebiete identifiziert.

Wenn der Regen rauscht, kommt es auf die Kanäle an

Wenn der Regen rauscht und die Menschen bang in ihren Häusern stehen, kommt es auch auf die Kanäle an. Größe und Zustand wurden laut Infrastruktur-Leiter Schuck in diesem Jahr bereits neu berechnet. „Man kann nicht verhindern, dass der Kanal eine gewisse Regenmenge nicht schafft“, sagt er. Berechnet werden könne aber, wo sich das Wasser entleert. Das kann bei Neuplanungen berücksichtigt werden. In bestehenden Baugebieten müssten gegebenenfalls Maßnahmen getroffen werden. So könnten zum Beispiel die Lichtschächte gesichert werden – und die Anwohner gewarnt.

Alarmierung über Unwetter-Apps und das Flutinformationssystem

Die Alarmierung bei Starkregen und Hochwasser kann über Unwetter-Apps erfolgen, aber auch über Sirenen. Die Stadt Schorndorf ist wie andere Rems-Anrainer auch Mitglied beim Flutinformations- und warnsystem (Fliwas). Dieses gibt Bürgern unter anderem Auskunft über die gefallenen Regenmengen, über Hochwasserpegel und im schlimmsten Fall über die Umsetzung des Hochwasseralarm-Plans.

Vollgelaufene Keller, überflutete Straßen und Verwüstungen durch Schlamm und Wasser: In Zukunft müssen wir uns immer öfter auf Starkregen und Sturzfluten einstellen, wie sie zuletzt viele Menschen im Ahrtal in Rheinland-Pfalz und in Bayern erleben mussten. Kurze Gewitter mit mäßigen Auswirkungen, ruhiger gleichmäßiger Landregen, der die Felder bewässert und im Sommer eine angenehme Abkühlung bringt, sind Wetterlagen, die schon lange nicht mehr selbstverständlich sind. Wissenschaftlichen

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