Schorndorf

Die Jugend feiert unter der Brücke

SchoWo Brücke Under the Bridge Jugend Jugendliche Festplatz Fest_0
Unter dieser Brücke wird während der SchoWo der Jugendfestplatz angelegt, auf dem die Jugendlichen chillen und feiern können. © Büttner / ZVW

Schorndorf. Wo die wegen der Gartenschauvorbereitungen aus den Schlosswallgütern und auch aus dem Stadtpark verbannten Jugendlichen während der SchoWo feiern sollen, steht fest – unter der Arnold-Brücke, oder, wie die Jugendlichen selber sagen: „under the brigde“. Der Erste Bürgermeister Edgar Hemmerich und der konzeptionell verantwortliche Jugendreferent Peter Komhard hoffen, dass der in Regie der Stadt betriebene „Jugendfestplatz“, wie er offiziell heißt, auch so angenommen wird, wie sich die Organisatoren das erhoffen.

Immerhin waren die Jugendlichen an der Auswahl des Standortes und an der Konzeption für diesen SchoWo-Jugendtreff selber aktiv beteiligt: einerseits durch die offizielle Jugendvertretung JIS (Jugendinitiative Schorndorf), andererseits mithilfe von rund 700 Fragebögen, die an den Schulen verteilt worden sind. In denen konnten die Jugendlichen ihre Wünsche und Vorstellungen äußern, nachdem beim Suchlauf für einen geeigneten und nicht zu weit von der SchoWo entfernten Standort der Parkplatz unter der Arnold-Brücke übrig geblieben war.

Auch ein Jugendforum im September 2017 war der SchoWo gewidmet, und da, so Peter Komhard, sei es überraschend nicht in erster Linie um „Freibier für alle“, sondern um Beleuchtung, WLAN und Sauberkeit gegangen. Deutlich in der Minderheit, so der Jugendreferent, seien die gewesen, die sich gewünscht hätten, beim Feiern möglichst ungestört zu sein und in Ruhe gelassen zu werden.

Es gibt einen Toilettenwagen, aber keinen Getränkeverkauf

Herausgekommen ist ein Konzept für einen „Jugendfestplatz“ mit einem rund 400 Quadratmeter großen Veranstaltungs- beziehungsweise Aufenthaltsbereich, wobei knapp 300 Quadratmeter mit Kunstrasen belegt sein sollen, damit die Jugendlichen auch so richtig entspannt chillen können. Was es nicht geben wird, ist eine Getränke- und Verpflegungsstation. Das bedeutet, dass sich die Jugendlichen – Zielgruppe sind hauptsächlich die 14- bis 18-Jährigen – selber versorgen müssen – auch alkoholtechnisch, wobei aber wie auch auf der SchoWo harte Sachen nicht zulässig sind.

Ausgestattet werden soll der SchoWo-Jugendtreff mit einer kleinen Bühne, die jeweils Platz für einen DJ und sein Equipment bietet, mit einem Toilettenwagen und mit bequemen Sitzmöglichkeiten, die jeden Abend bereitgestellt und am Ende der Party – die Zeiten orientieren sich an den Stadtfestzeiten, also 1 Uhr in den Nächten zum Samstag und zum Sonntag und 23 Uhr an den anderen Abenden – wieder weggeräumt werden. Dafür sucht Jugendreferent Peter Komhard (Telefon 6 02-94 19 oder peter.komhard@schorndor.de) auch noch freiwillige Helferinnen und Helfer. Überrascht hat den Jugendreferenten auch, wie nachhaltig die Jugendlichen von der JIS gedacht haben: zum Beispiel, als es um die Frage ging, was nach der SchoWo mit den Sitzmöbeln und -kissen passieren soll. Ergebnis: Die werden nicht etwa das ganze Jahr über eingelagert, sondern sollen, bis sie im nächsten Jahr wieder benötigt werden, Kindertagesstätten und den beiden Jugendhäusern überlassen werden.

Vier Sicherheitsleute der Firma Bunk kontrollieren den Festplatz

Apropos Jugendhäuser: Zur Grundausstattung des Festes gehört außer einer nicht zu aufdringlichen Beleuchtung auch ein Pavillon, in dem sich ständig sozialpädagogisch geschulte Mitarbeiterinnen aus den beiden Jugendhäusern sowie von der Mobilen Jugendarbeit und der Schulsozialarbeit aufhalten. Diese werden je nach Bedarf akut und präventiv tätig sein und als Ansprechpartner in wie auch immer gearteten Notsituationen zur Verfügung stehen. Für Sicherheit und Ordnung sorgen auch jeweils vier auf dem Festplatz patrouillierende Sicherheitsleute der Firma Bunk, die auch den kurzen Kontakt zu ihren Kollegen auf dem SchoWo-Gelände und zu den Rettungs- und Einsatzkräften halten, sollte ein solcher Einsatz erforderlich werden. Wovon aber Peter Komhard und der Erste Bürgermeister nicht ausgehen.

„Wir wollen, dass sich die Jugendlichen wohlfühlen und Spaß haben“, sagt der Jugendreferent, der selber gespannt ist, wie dieses Konzept angenommen wird. „Wir sind so gut organisiert, dass man sich auch als Mensch im fortgeschrittenen Alter auf das, was da „under the bridge“ passieren soll, freuen darf“, findet Edgar Hemmerich, der das städtische Budget für diese neue Art von Jugend-SchoWo auf 27 000 Euro beziffert und der zu wissen glaubt, dass viele Jugendliche, die es alljährlich auf die SchoWo beziehungsweise an deren Ränder zieht, „noch gar nicht so richtig glauben, dass die Schlosswallgüter und der Stadtpark gesperrt sind“. Weshalb sich viele die neue Örtlichkeit ganz sicher anschauen werden. Und dann ist die spannende Frage, wie viele dort hängenbleiben.

Jugendliche sollen von anderen Plätzen nicht vertrieben werden

Denn dass diese organisierte Form der SchoWo-Jugendbespaßung allen gefällt, davon geht der Erste Bürgermeister nicht aus. Er rechne sehr wohl damit, dass Jugendliche auch auf andere SchoWo-nahe Plätze wie etwa Schulhöfe ausweichen, sagt Hemmerich und kündigt an, dass auch das toleriert werde, solange alles friedlich bleibe. Was vermieden werden soll, sind dunkle, nicht einsehbare und dann auch nicht mehr kontrollierbare Ecken, weshalb auch das THW bereitstehen wird, um solche Treffpunkte gezielt auszuleuchten.

„Die Jugendlichen sollen nicht vertrieben werden, solange es nicht zu Zwischenfällen kommt“, sagt der Erste Bürgermeister, der aber auf jeden Fall vermeiden will, „dass Ordnungs- und Einsatzkräfte aus einer dunklen Ecke heraus mit Gegenständen beworfen werden“. „Es geht aber auch darum, Angsträume für die Jugendlichen selber zu vermeiden“, ergänzt der Jugendreferent.


Angelehnt ans SchoWo-Sicherheitskonzept

„Die Jugendlichen sollen begleitet und nicht überwacht werden“, sagt der Erste Bürgermeister und spricht mit Blick auf den Jugendfestplatz von einem Sicherheitskonzept, „das an das Sicherheitskonzept der SchoWo angelehnt ist“.

Was laut Hemmerich bedeutet, dass sich die Polizei unter der Arnold-Brücke zurückhalten und das Feld zunächst einmal den Security-Leuten der Firma Bunk überlassen wird. „Wenn’s erforderlich sein wird, wird die Polizei schnell da sein“, kündigt Hemmerich unter Verweis auf eine große Pressekonferenz zum SchoWo-Sicherheitskonzept am kommenden Dienstag an.

Mit Einschränkungen durch den SchoWo-Jugendtreff müssen die Autofahrer rechnen, die jeden Abend von 18 Uhr die Zufahrt zum Parkhaus der Arnold-Galerie von der Arnold- beziehungsweise Karlstraße her nicht mehr nutzen können. Das Parkhaus kann dann nur noch von Osten her über die entlang der Bahnlinie verlaufende Heinrich-Talmon-Groß-Straße angefahren werden.