Schorndorf

Die Kindergartenfrage sorgt für Zündstoff

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Der Gemeinderat will keine direkte Nachfolgelösung für das Kinderhaus „Sonnenbogen“. © Palmizi / ZVW
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Das alte Rainbrunnen-Sportgelände am Stöhrerweg ist als neuer Standort für einen viergruppigen Kindergarten im Gespräch. © Palmizi /ZVW

Schorndorf. Auf den Herbst vertagt hat der Gemeinderat die Entscheidung über den Bau von voraussichtlich jeweils viergruppigen Kindergärten auf dem Rainbrunnen-Sportgelände am Stöhrerweg und in Haubersbronn, wo es erneut eine Standortdiskussion gibt. Beschlossen hat der Gemeinderat, dass für einen neuen Kindergarten in Schorndorf-Ost noch einmal ein Suchlauf gestartet und dass an Stelle des Kindergartens „Sonnenbogen“ kein direkter Ersatz geschaffen werden soll.

Für nachträgliche Aufregung sorgte vor allem die bei nur drei Gegenstimmen, darunter die des Oberbürgermeisters, getroffene Entscheidung, sich bei der Kindergartenplanung in Schorndorf-Ost zunächst einmal von der Festlegung auf einen Standort am Rande des Stadtparks zu lösen und einen neuen Standortsuchlauf zu starten. Was natürlich auch einen möglichen Standort im geplanten Neubaugebiet „Obere Straßenäcker“ einschließt, der schon seit längerem von den Grünen favorisiert wird und für den sich jetzt auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Hermann Beutel stark gemacht hat. „Kindergärten sollten dort gebaut werden, wo die Menschen wohnen und wo die Kinder sind“, sagte Beutel nicht nur mit Blick auf Schorndorf-Ost.

Falsche Antworten auf drängende Wohnbauprobleme

Die Leiterin des Fachbereichs Wirtschaftsförderung und Grundstücksverkehr, Gabriele Koch, war es dann, die darauf hinwies, dass diese Entscheidung des Gemeinderats auch bedeutet, dass der Bebauungsplan für die Erweiterung des Baugebiets „Obere Straßenäcker“ nicht wie geplant ausgelegt werden könne, wenn in diesem Gebiet möglicherweise ein Kindergarten eingeplant werden müsse. „Dessen waren wir uns nicht bewusst“, reagierte FDP/FW-Fraktionschef Peter Erdmann sichtlich betroffen. Wobei Oberbürgermeister Matthias Klopfer bereits vor der Abstimmung darauf hingewiesen hatte, dass ein Kindergarten im Neubaugebiet auch insofern die schlechtere Alternative zu einem Kindergarten „mit wunderbaren Möglichkeiten“ auf einem bereits der Stadt gehörenden Grundstück am Stadtpark wäre, weil in den „Oberen Straßenäckern“ nicht nur Grundstückserlöse für die Stadt, sondern auch Platz für dringend benötigte Wohnungen wegfielen. Mit einem Kindergarten in den Oberen Straßenäckern würde die falsche Antwort auf die drängenden Wohnbauprobleme gegeben, sagte Klopfer, der aber die Hoffnung, dass der Gemeinderat zum Standort am Stadtpark zurückkehrt, noch nicht aufgegeben hat. „Manchmal brauchen wir halt etwas Zeit mit Ihnen“, sagte er an die Adresse des Gemeinderats.

"Kurze Beine, breite Reifen", statt "kurze Beine, kurze Wege"

Dabei ist dem nach der Vorberatung im Verwaltungs- und Sozialausschuss, wo er auch gegenüber der Verwaltung noch durchaus kritische Töne angeschlagen hatte, ganz offensichtlich vom Oberbürgermeister bekehrten SPD-Stadtrat Tim Schopf zufolge „Zeit genau das, was wir nicht haben“. Diesmal ganz auf Klopfers Linie, teilte Schopf auch die Einschätzung des Oberbürgermeisters, dass größere Entfernungen zum Kindergarten für viele Eltern kein Problem seien, weil sie sich ohnehin die entsprechenden Träger und Angebote aussuchten. „Am Trend, mit dem Auto zu fahren, um überhaupt einen Platz zu bekommen, ist nicht zu rütteln“, meinte der SPD-Stadtrat, der deshalb und mit Blick auf den im Regionalplan verankerten Wohnungsbauschwerpunkt auch den Bau eines viergruppigen Kindergartens in Haubersbronn befürwortete.

Es gibt jetzt schon Bedarf im Raum Haubersbronn/Miedelsbach

In Übereinstimmung mit Grünen-Stadträtin Andrea Sieber und der zuständigen Fachbereichsleiterin Nicole Marquardt-Lindauer, die darauf hinwiesen, dass es im Raum Haubersbronn/Miedelsbach jetzt schon Bedarf sowohl im U-3- wie im Ü-3-Bereich gebe, im Widerspruch aber zu CDU-Stadtrat Matthias Härer, der den Bedarf für vier weitere Gruppen in Haubersbronn absolut nicht sieht, es sei denn, man ersetze das gängige Prinzip „kurze Beine, kurze Wege“ durch „kurze Beine, breite Reifen“. Härer will „lieber zwei Gruppen mehr in der Stadt“.

Standortdiskussion wirft die Planung zurück

Mehr als die Diskussion um zwei oder vier Gruppen ärgerte den Oberbürgermeister, dass die Kindergartenplanungen für Haubersbronn durch eine erneute Standortdiskussion zurückgeworfen werden. Erst kurz vor Sitzungsbeginn nämlich war Klopfer von Ortsvorsteher Erich Bühler davon in Kenntnis gesetzt worden, dass der Ortschaftsrat aus Sorge, dass die Verkehrsbelastung der Anwohner zu groß werden könnte, vom geplanten Standort Haldenstraße wieder abgerückt ist und jetzt über einen Standort bei der Festhalle nachdenkt. Damit, so der Oberbürgermeister bedauernd und unter Verweis darauf, dass ursprünglich ein Waldkindergarten im Gespräch gewesen sei, gebe es auch in diesem Fall keine Basis für einen Grundsatzbeschluss. Gleiches galt für einen Kindergarten am Stöhrerweg, für den ebenfalls noch Basisdaten fehlen, nachdem sich die Verwaltung entschlossen hat, von der ursprünglich angedachten Container- oder Pavillonbauweise abzugehen und stattdessen einen „richtigen“ Kindergarten in Modulbauweise zu erstellen. Das, so Klopfer, koste zwar ein paar Monate mehr Zeit, sei aber nachhaltiger und auf längere Sicht auch kostengünstiger.

U-3-Plätze: Für die nächsten Jahre fehlen noch 15 bis 16 Gruppen

Was bleibt, ist die vom Ersten Bürgermeister Edgar Hemmerich bekräftige Tatsache, dass die Stadt bei der Versorgung mit U-3-Plätzen gehörig unter Druck steht und dass ihr auch nach Fertigstellung des Bewegungskindergartens und des katholischen St.-Markus-Kindergartens für die nächsten Jahre noch 15 bis 16 Gruppen fehlen – von der Ganztagesbetreuung noch gar nicht zu reden. Um sich dieses bewusstzumachen, sei „Kopfrechnen Klasse 1“ ausreichend, sagte Matthias Klopfer an die Adresse derer, die wie FDP/FW-Fraktionschef Peter Erdmann „keine falsche Hektik an den Tag legen und keine Schnellschüsse abfeuern“ wollen oder die wie CDU-Fraktionschef Hermann Beutel Entscheidungen erst dann treffen wollen, wenn sie wirklich ausgegoren sind.

Gemeinderat soll "nicht einfach der Verwaltung hinterherdackeln"

Und das gilt aus Beutels Sicht nur für die geplante Wiedereröffnung des erst vor kurzem geschlossenen Kindergartens „Geißhecken“ in Oberberken und für die die Einrichtung neuer TigeR-Gruppen. Er weise, so Beutel, deshalb auch den Vorwurf des Oberbürgermeisters zurück, er und andere könnten nicht auf 16 zählen. Und er warb um Verständnis dafür, „dass der Gemeinderat bei solch weitreichenden Entscheidungen nicht einfach der Verwaltung hinterherdackelt“. Womit Hermann Beutel ganz bestimmt nicht Tim Schopf persönlich gemeint hat, wiewohl der ganz im Sinne des Oberbürgermeisters kein Verständnis dafür aufbrachte, „dass es jetzt schon wieder eine Diskussion gibt, ob es nicht zu viele Gruppen geben könnte“. Zumal, so Schopf, der selber das Kinderhaus am Schloss leitet, von einer Veränderung der großen Gruppenstärke noch gar nicht die Rede sei.

Kein zweigruppiger Kindergarten im Wieslaufweg

Zwei Gruppen, die die Verwaltung auf der Rechnung hatte, kommen möglicherweise nicht – es sei denn, der Antrag würde mit gebührendem zeitlichen Abstand noch einmal auf die Tagesordnung genommen. Vorläufig zumindest ist, wenn auch nur mit Stimmengleichheit, der Antrag abgelehnt worden, dass in dem Wohnkomplex, den die Stadtbau nach Aufgabe des derzeitigen Kindergartens „Sonnenbogen“ im Wieslaufweg bauen will, im Erdgeschoss ein neuer zweigruppiger Kindergarten integriert wird. Dafür gebe es zumindest an diesem Standort keinen Bedarf, meinte CDU-Fraktionschef Hermann Beutel mit Blick auf den nicht weit davon entfernt geplanten Bewegungskindergarten. Ähnlich sieht das FDP/FW-Fraktionschef Peter Erdmann, zumal dann, wenn am Stöhrerweg viergruppig gebaut wird.

"Wir sollten endlich anfangen, uns über die vielen Kinder zu freuen"

Und im Gegensatz zu Tim Schopf, der auch diesen Kindergarten „bedarfsgerecht“ nannte, war auch Grünen-Stadträtin Andrea Sieber gegen einen neuen Kindergarten in der Wieslaufstraße, weil damit der angestrebte soziale Austausch im Bewegungskindergarten ad absurdum geführt würde. „Die Menschen können sich dann ja überlegen, ob sie ihre Kinder lieber in den Bewegungskindergarten oder in den Stöhrerweg schicken wollen“, meinte Andrea Sieber und merkte ganz grundsätzlich an: „Wir sollten endlich anfangen, uns über die vielen Kinder zu freuen und dafür zu sorgen, dass Schorndorf endlich auf den Standard einer familienfreundlichen Stadt kommt.“ Der Oberbürgermeister reagierte äußerlich gelassen auf die Ablehnung des Verwaltungsantrags: „Dann macha mr dort halt Wohnunga“, konstatierte Matthias Klopfer, der sich eigenem Bekunden vorgenommen hat, innerhalb der nächsten Wochen allen 30 Kinderbetreuungseinrichtungen in der Stadt einen Besuch abzustatten. Vor allem auch, wie er betonte, um dem Eindruck entgegenzutreten, dass in den letzten Jahren in Schorndorf in Sachen Kinderbetreuung nichts passiert ist.


CDU-Antrag: Waldkindergarten wird geprüft

Trotz des entschiedenen Widerstandes des Oberbürgermeisters („Wer soll diesen Waldkindergarten nutzen?“) und trotz der Vorbehalte von FDP/FW-Fraktionschef Peter Erdmann („Dieser Waldkindergarten, der nicht weit entfernt vom Stöhrerweg wäre, ist Kür“) hat der CDU-Antrag, die Einrichtung eines neuen Waldkindergartens beim Wasserhochbehälter der Stadtwerke am Holzbergweg zu prüfen, im Gemeinderat eine 15:11-Mehrheit gefunden.

Die CDU-Fraktion sieht in einem solchen Waldkindergarten mittelfristig eine Alternative zum Kindergarten „Geißhecken“ in Oberberken, der zum neuen Kindergartenjahr wieder reaktiviert wird. Es sei, so heißt es in dem Antrag, „ökologisch unsinnig, täglich Verkehre nach Oberberken zu verursachen“.

Demgegenüber gab Matthias Klopfer zu bedenken, dass ein Waldkindergarten keinen Beitrag zur Lösung der U-3-Problematik leiste, weil die Kinder dort in aller Regel erst ab Ü 2 aufgenommen würden. Sinnvoll wäre aus Klopfers Sicht die Einrichtung eines Waldkindergartens in Haubersbronn gewesen.