Schorndorf

Die Nerven in der Manufaktur

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Die Nerven als Strandläufer. © Agentur

Schorndorf. Mittlerweile ist ja in aller Munde, die Stuttgarter Band Die Nerven, die im Jahr 2010 gegründet wurde, und nun schon seit geraumer Zeit zum wichtigsten gehört, was die deutsche Musikszene zu bieten hat. Ihr neues Album - „Fake“ - ist am 20.April erschienen und ist neben Tocotronics „Die Unendlichkeit“ und Kreiskys „Blitz“ eine der besten deutschsprachigen Veröffentlichungen in diesem Jahr. Jetzt kommen sie in die Manufaktur.

Wahrheit ist das, was man daraus macht. Wir leben immerhin in einer Welt der Digitalisierung, des Internets und der Sozialen Medien, der rasend schnellen Verbreitung von Informationen, ganz gleich, wo Sender und Empfänger verortet sind. Was prinzipiell eine tolle Sache ist, hat natürlich auch seine Schattenseiten. Jeder darf zu allem seinen Senf dazu geben und irgendwelche Abstrusitäten als Wahrheit verbreiten. Erlogenes steht im Netz auf gleicher Stufe mit seriösen Informationen, man glaubt das, was man gerne glauben möchte. Wer nun „die Wahrheit“ sagt oder nur durch die Gegend fabuliert, ist nicht immer klar ersichtlich. Gesagtes verschwindet im Strudel der schieren Masse an Info.

Die Nerven haben ein Album gemacht, das sich in weiten Teilen mit diesem medialen, und somit auch gesellschaftlichen Umbruch - zynische Geister würden wohl von „Auseinanderbruch“ sprechen - beschäftigt. „Her mit euren Lügen/her mit eurem Neid“ heißt es etwa im Titeltrack des Albums. Genau, immer her mit dem ganzen Wahnsinn, der durch alle Kanäle jagt. Die Nerven machen Bestandsaufnahme, sind Beobachter und Chronisten.

Das Album ist ihr bestes bisher. Das liegt nicht nur an dessen thematischer Relevanz - wie Julian Knoth und Max Rieger als Texter gereift sind, so sind es auch Die Nerven als Musiker und Arrangeure. Das Spiel mit Kontrasten ist für die Band nichts Neues.

Melodischer und zurückgenommener

Äußert sich das auf den Vorgängeralben hauptsächlich durch den Wechsel zwischen laut und leise, ist die Ambivalenz auf „Fake“ jedoch vielschichtiger. Die Stücke auf dem Album sind stellenweise melodischer und zurückgenommener als man es von der Band eigentlich gewohnt ist, was aber nicht heißen soll, dass sich ein kompletter Stilwechsel vollzogen hat. Die Bandbreite ist lediglich höher. Waren die drei Vorgängeralben quasi aus einem Guss, mehr Klotz als Kaleidoskop, steht auf „Fake“ der Song selbst im Vordergrund, und jeder einzelne deutet aus einer anderen Richtung mit dem Finger auf den Albumtitel. Ein Konzeptalbum ist es laut Aussage der Band aber trotzdem nicht, auch wenn die Thematik der Texte eine Art roten Faden bildet. Den Spagat zwischen Pop und Lärm meistern Gitarrist Rieger, Bassist Knoth und Schlagzeuger Kevin Kuhn jedenfalls mit Bravour. Zugeständnisse und Kompromisse gibt es naturgemäß keine. Die Nerven machen ihr Ding.

Wer schon einmal das Vergnügen hatte, einem Konzert des Trios beizuwohnen, der weiß, was am kommenden Freitag auf die Besucher der Manufaktur zukommt: Ein lautes, forderndes, energiegeladenes Set, das stellenweise durch eine eigenwillige Dramaturgie auffällt.

Rieger fordert das Publikum auch gerne mal zu absoluter, kontemplativer Stille auf, bevor die Schleusen wieder geöffnet werden. Wer der Kombination aus Schweiß, Lärm, Tanz auch nur ansatzweise etwas abgewinnen kann, dem sei der Besuch des Konzerts hiermit wärmstens empfohlen.

Restkarten

Die Nerven spielen jetzt am Freitag, 27. April in der Manufaktur. Das Konzert beginnt um 20.30 Uhr. Wer dem Konzert beiwohnen möchte, der sollte sich sputen – die Karten könnten knapp werden.