Schorndorf

Die Reise-Trends zwischen den Jahren

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Ägypten: Nikolaus für Weihnachtsflüchtlinge am Strand. © Habermann / ZVW

Schorndorf. Eigentlich interessiert es Sie ja nicht, wohin Ihre Nachbarn über Weihnachten verschwunden sind. Aber wissen möchten Sie es schon. Wir recherchierten deshalb für Sie in Reisebüros im Rems-Murr-Kreis nach den beliebtesten Reisezielen der hiesigen Weihnachtsflüchtlinge. Und fanden heraus: Stark im Kommen sind die Emirate. Beliebt sind aber auch kurze Städtereisen.

Dass die Leute, die Ihnen gegenüber wohnen keinen Weihnachtsbaum nach Hause schleppten, gab schon schwer zu denken. Aber dass kurz vor Heiligabend auch noch alle Rollos unten sind und seither immer noch kein Licht brannte; das macht die Sache klar: Die sind einfach so mal abgehauen! Machen Urlaub. Aber wo?

„Es gab zwar schon bessere Jahre“, erklärt Annika Kögel vom Schorndorfer Reisebüro MKT, aber ja doch, „schon im September kamen die ersten Weihnachtsbucher. Die Leute haben gelernt, je früher sie kommen, desto günstiger wird es“. Und, wer hätte es gedacht? „Die meisten wollten auf die Kanaren.“ Ein Blick auf das dortige aktuelle Wetter lässt denn auch neidisch werden: um die 20 Grad, blauer Himmel und Sonne auf Teneriffa, Gran Canaria und Lanzarote.

Die Verlierer: Ägypten und Türkei

„Was immer mehr kommt“, erzählt die junge Reise-Expedientin, „das sind die Emirate. Man fliegt kürzer als in die Karibik, nur sechs Stunden. Auch die Zeitverschiebung ist geringer. Und dann hat es dort derzeit Außentemperaturen von angenehmen 28 Grad.“ Verlierer des Winterreisebooms ist das einst beliebte Ägypten. Das Land gilt als zu gefährlich. „Die Leute haben die Anschläge noch im Hinterkopf.“

Auch die Nachfrage nach Reisen in die Türkei ist eingebrochen. Die unsichere politische Lage und die häufigen Terrorakte schrecken die Touristen ab. „Stattdessen wird nun nach Bulgarien ausgewichen“, hat David Eisele vom Schorndorfer Reisebüro Wägerle festgestellt. „Vom Preis her ist es dort vergleichbar günstig wie in der Türkei.“ Eisele selbst war gerade in Tunesien und sagt, „ich hätte auch keine Angst vor Ägypten“. Aber auch Kuba, vielleicht aus nostalgischen Gründen, bevor McDonalds den Sozialismus übernimmt, werde derzeit gern gebucht. All diese Fernreisen werden eher von Paaren gewählt. „Die Familien kommen zu mir“, ruft Annika Kögels Kollegin herüber.

Hamburg als Kurztrip beliebt

Das MKT verkauft auch Tickets für Konzerte und Events – und über Weihnachten sind Musicals, Cabaret und Zirkus der absolute Renner für die Daheimgebliebenen. Statt Arabisch im Dubai der Emirate steht dann eben „supercalifragilisticexpialigetisch“ mit Mary Poppins auf dem Festprogramm. Und Deutschland? „Da sind vor allem Städtereisen für drei bis vier Tage beliebt, etwa nach Hamburg“, weiß die Reiseverkäuferin zu berichten.

Von Urlaub keine Rede sein kann indessen für die Beschäftigten der Reisebüros. Denn über Weihnachten haben sich viele die Frage gestellt: „Schatz, wohin fahren wir denn diesen Sommer?“ Die Kataloge der Veranstalter liegen längst aus. „Schon zwischen den Feiertagen beginnt der Run auf den Sommerurlaub.“ Und „im Januar, Februar ist unsere Hauptsaison für den Verkauf von Sommerurlauben“, sagt David Eisele. Viel beraten müsse man allerdings nicht. „Die meisten wissen, was sie wollen.“

Bleibt nur noch die ausgelassene Kehrwoche des unverheirateten Pärchens bei Ihnen im dritten Stock. Wo die sind, konnten wir leider nicht herausfinden.

Wie’s der Touristik gerade geht

Für die Bilanz des Reisejahres 2015/16 (Stichtag 31. Oktober 2016) meldet der Deutsche Reise-Verband (DRV) Ende Oktober erstmals seit Jahren des stetigen Wachstums einen Umsatzrückgang beim Veranstaltermarkt von drei bis vier Prozent auf immer noch stattliche 26,3 Milliarden Euro.

Die Umsätze der Reisebüros mit ihren in Deutschland derzeit 9909 Agenturen sind indes auf Vorjahresniveau geblieben.

Die Urlaubsklassiker der Deutschen am Mittelmeer – Spanien, Portugal, Italien und Griechenland – sowie auch Kreuzfahrten verzeichneten demnach deutliche Zuwächse, vermeldet der DRV für das Reisejahr 2015/2016.

„Buchungsrückgänge“ gab es hingegen für die krisengeschüttelten Länder Türkei, Ägypten und Tunesien. Hier gab es Umsatzeinbrüche von 40 bis 60 Prozent! Dennoch sei die Türkei immer noch an dritter Stelle unter den von Reisebüros vermittelten Reisezielen.

Bei den Fernzielen hat die Karibik, angetrieben durch die Dominikanische Republik und Kuba, ein Umsatzplus von 16 Prozent erreicht.

Auch Afrika (Südafrika, Kenia, Namibia) hat sich mit einem Wachstum von plus 14 Prozent nach den Einbrüchen durch die Ebola-Epidemie wieder erholt.