Schorndorf

Die Schorndorfer Künstlerin Renate Busse, der Rapper-Star Majan und ihre Lovestory um ein Kartenspiel

Busse- Marjan
Die Schorndorfer Künstlerin Renate Busse mit Rapper Majan in der neuen Ausstellung in der Laden-Galerie „Feuer & Flamme“. © Benjamin Büttner

Er wusste, wer sie ist, kannte ihre Postkarten und die Tassen im Schaufenster bei Carl Max Meyer. Sie erinnert sich an ein finsteres Foto im Manu-Heft und an ihr Erstaunen, dass die Konzerte dieses Typen dreimal ausverkauft waren. Viel mehr wussten die Schorndorfer Künstlerin Renate Busse und Majan, einer der erfolgreichsten Rapper Deutschlands, nicht voneinander, als sie sich das erste Mal getroffen haben. Doch die Begegnung in Renate Busses Wohnung am Oberen Marktplatz war inspirierend – und sie mündete nach einem zeichnerisch-musikalischen Dialog mit zwei identischen Skizzenbüchern und einem verstimmten Klavier erst in einem Kartenspiel und jetzt in der Ausstellung „Bube, Dame, König“, die noch bis 21. August in der Laden-Galerie „Feuer & Flamme“ zu sehen ist.

Weil Majan sein Debütalbum in einer besonderen Box mit Zusatzartikeln veröffentlichen wollte, suchte der Liebhaber des russischen Durak-Spiels jemanden, der besondere Skatkarten – von sechs bis Ass – entwerfen könnte. „Das Schnelle, Farbenfrohe“ an Renate Busses Stil und die farbigen Tuschen, mit denen sie arbeitet, haben ihm gefallen – und so kam der Musiker über Alex Schenk, dessen Sohn zu seinem Schorndorfer Freundeskreis gehört, mit der Künstlerin in Kontakt; ihre Malbuch-Ausstellung hatte er voriges Jahr in Schenks Laden-Galerie „Feuer & Flamme“ gesehen. Bei ihm hat’s gefunkt. Er sagt: „Es ist eine kleine Lovestory“ – und sie erklärt sich die gegenseitige Sympathie so: „Wir sind uns als Künstler begegnet.“ Dass sie fast 80 ist und er erst 21, war dabei kein Thema.

Nach einem legendären Abiball in der Künkelinhalle durchgestartet

Beide verbindet aber auch die Liebe zu Schorndorf. Majan, der eigentlich Marian Heim heißt, ist in Schorndorf aufgewachsen, war am Burg-Gymnasium und ist nach einem legendären Abiball-Auftritt in der Künkelinhalle durchgestartet: Über den großen Bruder eines Freundes kam er Anfang 2018 in Kontakt zur Berliner Studioszene, am Ende des Jahres schon konnte er Aufnahmen an alle großen und kleinen Labels schicken – und hatte Erfolg: „Da war klar, das werde ich nächstes Jahr weitermachen.“ Ein Türöffner war der Kontakt zu Cro, der von seinem Song „1975“ begeistert war. Mit „Schere, Stein, Papier“ gründete Majan sein eigenes Label und wäre 2020 auf allen großen Festivals aufgetreten, wenn ihm und allen anderen nicht die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.

Tatsächlich hat der 21-Jährige, der im Wechsel in Schorndorf und Berlin lebt, die Zeit genutzt, um sein Debütalbum „Skits“ zu vollenden. In Schorndorf hat er das Video für den Song „Gin & Juice“ mit seiner alten Gang in einer weißen Stretchlimousine auf dem Marktkauf-Parkplatz gedreht. Im Oktober 2020 dann meldete er sich bei Renate Busse, hat sich und seine Kartenspiel-Idee vorgestellt – und bei der Künstlerin etwas angestoßen: Irgendwann, erinnert sich die 79-Jährige, wollte sie schon mal ein Kartenspiel für Schorndorf machen. Daraus wurde nichts. Doch mit Majan hat sie die Karten neu gemischt – und mehr als 50 Motive gezeichnet: Die zwölf besten wurden für das Kartenspiel ausgewählt, viele weitere sind jetzt in Alex Schenks Laden-Galerie zu sehen.

Ein halbes Jahr lang haben sich die beiden alle ein, zwei Wochen gesehen. Immer dann, wenn er nach Schorndorf gependelt ist, um seine Freunde und Familie zu treffen. Als er sich mal vier Wochen lang nicht sehen ließ, hat Renate Busse die Zeit genutzt und einen großen Spielkarten-Paravent gemacht. Und sie hat einfach immer weitere Kartenmotive und für die Kartenrückseite Schorndorfer und Berliner Bezüge gezeichnet, sich sogar an die Zahlkarten gesetzt. „Es war was völlig Neues“, sagt Renate Busse und hatte die Karten-Idee zwischenzeitlich so verinnerlicht, dass sie bei Postkarten, die sie verschickt hat, irgendwann wie bei Spielkarten die Ecken abgeschnitten hat. Und was sie im Rückblick auch sagen kann: Das Karten-Projekt hat ihr geholfen, gut durch den düsteren Corona-Winter zu kommen.

Kartenmotive: Alles Typen, die man gerne kennenlernen würde

Buben, Damen, Könige – und auf Majans Wunsch zwei Königinnen für die Geschlechtergerechtigkeit – könnten alle aus seinem Musiker-Umfeld stammen. Doch von der Idee, Freunde und Bekannte zu porträtieren, sind sie irgendwann abgerückt. Es sind einfach interessante Typen, die man gerne kennenlernen würde. Lebendig, ausdrucksstark und vor allem spiegelbar – so muss ein Kartenmotiv sein. Und zu Lieblingsmotiven taugen sie alle: Majan mag die Dame mit Cocktailglas und Limette am liebsten, Renate Busse die königliche Sängerin im grünen Trägerkleid. Den Joker hat sich Alex Schenk für die Ausstellung gewünscht – als Selbstporträt von Renate Busse. Und einige der Typen, die es nicht ins Kartenspiel geschafft haben, hat er auf einer Postkarte zusammengebracht.

Das Bild, das Renate Busse bei ihrer ersten Begegnung von Majan auf einen Pappkarton gezeichnet hat, ist auf dem Deckblatt des Kartenspiels gelandet – und es ist Teil der Ausstellung. Dass sie es zusammen mit einer Bach-Partitur gerahmt hat, ist auch Ausdruck ihres Erstaunens, dass Majan seine Songideen auf dem Handy notiert und niemals Noten auf ein Blatt Papier schreiben würde.

Im Dezember will Renate Busse, wenn’s hoffentlich wieder möglich ist, auf Majans Konzert in der Manufaktur gehen: „Ich mag die Lieder“, sagt sie – und er ist einfach fasziniert, „was Renate aus den Farben herausbekommt“.

Er wusste, wer sie ist, kannte ihre Postkarten und die Tassen im Schaufenster bei Carl Max Meyer. Sie erinnert sich an ein finsteres Foto im Manu-Heft und an ihr Erstaunen, dass die Konzerte dieses Typen dreimal ausverkauft waren. Viel mehr wussten die Schorndorfer Künstlerin Renate Busse und Majan, einer der erfolgreichsten Rapper Deutschlands, nicht voneinander, als sie sich das erste Mal getroffen haben. Doch die Begegnung in Renate Busses Wohnung am Oberen Marktplatz war inspirierend –

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