Schorndorf

Die Schorndorfer Weihnachtswelt ist derzeit nicht vorstellbar

Weihnachtswelt
Wenig spricht dafür, dass es eine Weihnachtswelt 2020 geben könnte. © Gabriel Habermann

Der traditionell Ende Oktober stattfindende Stadtmarkt in Verbindung mit einem verkaufsoffenen Sonntag ist spätestens kein Thema mehr, seit die Frist, innerhalb der keine Großveranstaltungen möglich sind, von zunächst 31. August bis zum 31. Oktober ausgeweitet wurde, wobei das noch nicht das Ende der Fahnenstange sein muss. So oder so aber ist aus der ganz persönlichen Sicht von Oberbürgermeister Matthias Klopfer nicht vor- und darstellbar, wie in diesem Jahr eine Weihnachtswelt betrieben werden könnte. Was ein sehr abruptes Ende und einen alles andere als runden Abschluss für die Aktivitäten des City-Marketingvereins Schorndorf Centro bedeuten würde, der, wenn es nach der Stadt geht, künftig nicht mehr die erste Adresse sein soll, wenn es um die Planung, Durchführung und Weiterentwicklung innerstädtischer Veranstaltungen geht. Diese und andere auf die Belebung und Stärkung der Innenstadt abzielende Aktivitäten sollen künftig in die Zuständigkeit eines Eigenbetriebs „Tourismus und Citymanagement“ fallen, der zum 1. Januar 2021 gegründet werden und spätestens dann handlungsfähig sein soll, wenn Mitte des kommenden Jahres sowohl Centro-Geschäftsführer Ulrich Fink als auch der Vorsitzende des City-Marketingvereins, Gerhard Nickel, aus ihren Ämtern ausscheiden.

Centro besteht als Verein weiter

„Wir stehen bei der Entwicklung der Innenstadt und dem Einzelhandel vor extrem großen Herausforderungen, die durch die Coronakrise weiter zunehmen werden. Und wir müssen als Kommune alles dafür tun, unsere Innenstadt lebendig zu halten und wirtschaftsstark aufzustellen. Mit der Gründung des Eigenbetriebs fassen wir die Bereiche unter einem Dach zusammen, die an diesem Prozess unmittelbar beteiligt sind“, wird Oberbürgermeister Matthias Klopfer in einer städtischen Pressemitteilung zu den von der Haushaltsstrukturkommission vorgeschlagenen und vom Gemeinderat in einer Klausurtagung vorberatenen Maßnahmen – mit Verweis auf ein weitgehend in städtischer Regie gestemmtes sehr erfolgreiches Gartenschaujahr 2019. Zum neuen Eigenbetrieb sollen künftig außer dem Bereich Stadtmarketing der Bereich Tourismus, die Stadtinfo, Teile des städtischen Fachbereichs Wirtschaftsförderung und die großen Vereinsfeste gehören. Außer um Veranstaltungen soll sich der neue Eigenbetrieb auch um Schnittstellenmanagement kümmern und als „Kümmerer“ fungieren sowie alle Citymarketingprojekte inklusive der seitherigen Centro-Aktivitäten und die Innenstadtentwicklung insgesamt im Blick haben und forcieren. Was aber nicht heißt, dass es Centro künftig nicht mehr geben wird. „Der Verein wird weiter bestehen bleiben“, hat auch der Oberbürgermeister betont – als Verein ohne die seitherigen operativen Tätigkeiten. Was auch daran ablesbar wird, dass Ulrich Finks Sohn Andreas, der bislang als Technischer Leiter bei Centro aktiv war, künftig beim neuen Eigenbetrieb beschäftigt sein wird.

Centro und BdS sind in Gesprächen

„Centro wird sich neu aufstellen müssen“, sagte in seiner Eigenschaft als FDP/FW-Fraktionsvorsitzender in der Pressekonferenz zu den Ergebnissen der Haushaltsstrukturkommission der amtierende Centro-Vorsitzende Gerhard Nickel und berichtete, dass es bereits Gespräche mit dem örtlichen BdS darüber gebe, wie künftig eine möglicherweise gebündelte Interessenvertretung des Schorndorfer Einzelhandels aussehen könnte.

Fraglich: Verkaufsoffener Sonntag und Neujahrsempfang

Was nun besagte Großveranstaltungen angeht, so ist auch Nickel der Meinung, dass es eine Weihnachtswelt in der gewohnten Form in diesem Jahr nicht geben kann – mit Trauben von Glühwein trinkenden Menschen, bei denen im Corona-Fall eine Kontaktverfolgung nicht möglich wäre. Gleichwohl gebe es bei Centro noch Überlegungen, einen in die angrenzenden Straßen hinein ausgedehnten und damit entzerrten Weihnachtsmarkt auf die Beine zu stellen. Ebenfalls liefen „mit sehr angezogener Handbremse“ die Planungen für einen verkaufsoffenen Sonntag ohne Stadtmarkt am letzten Oktober-Wochenende. Wohl wissend, dass es dazu eine Gesetzesänderung bräuchte, die bislang nur als Begleitprogramm mögliche verkaufoffene Sonntage von Hauptereignissen wie einem Stadt- oder einem Frühlingsmarkt abkoppelt. „Ich kann mir derzeit auch keinen Neujahrsempfang mit 850 Gästen vorstellen, denn dann müssten zum Beispiel auch große Konzertveranstaltungen wieder möglich sein“, warf der Oberbürgermeister einen düsteren Blick voraus auf 2021.