Schorndorf

Die Stadt Schorndorf bekommt eine schlechte Note für die Radinfrastruktur - woran liegt's?

ADFC-Fahrradklima-Test
Der Schorndorfer Sprecher des ADFC, Michael Maier, unterwegs an der Remsbrücke. Laut ihm eine der Stellen, die sich zum Positiven entwickelt hat. © ALEXANDRA PALMIZI

Schorndorf wurde von 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in Sachen Radinfrastruktur mit einer Note von 4,1 bewertet. Warum schneidet Schorndorf so schlecht ab und welche Note vergibt der lokale ADFC-Sprecher aus Schorndorf-Weiler, Michael Maier?

Alle zwei Jahre kommt die Zeugnisnote der Fahrradaktivisten. Schorndorf hat in diesem Jahr die Note „ausreichend“ bekommen und sich im Vergleich zu den Vorjahren sogar noch mal verschlechtert. Im Jahr 2014 lag sie bei 3,8, in den anschließenden beiden Erhebungen bei 4,0 und nun sank sie nochmals auf die Note 4,1. Andere Städte dieser Größe schnitten ähnlich ab, wie ein Dokument des ADFC zeigt. Im Bundesvergleich landet Schorndorf auf Platz 278 von 415, also im Mittelfeld. Im Baden-Württemberg-Vergleich steht Schorndorf allerdings nicht gut da. Die Stadt nimmt Platz 51 von 66 ein.

In der Einzelbewertung gaben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schlechte Noten vor allem bei den Punkten „Falschparkerkontrolle auf Radwegen“, „Breite der (Rad)wege“ und „Führung an Baustellen“.

Radler fühlen sich nicht besonders sicher

Als besonders wichtig in der Einzelbewertung gaben die Radler außerdem an, dass ihnen das Sicherheitsgefühl, die Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer und das Thema Konflikte mit Autofahrern wichtig seien. Besonders negativ im Vergleich zu anderen Städten schneidet Schorndorf bei den Punkten „Geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung, „Zügiges Radfahren“ und „Erreichbarkeit Stadtzentrum“ ab. Vergleichsweise positiv sind die Punkte „Öffentliche Räder“, Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln und die Förderung in jüngster Zeit aufgefallen.

Vor allem wegen letztem Punkt bewertet Michael Maier, der Schorndorfer Sprecher des ADFC, die Radinfrastruktur besser als der Durchschnitt der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Er gibt der Stadt die Note 3,7. Schließlich habe sich in der Stadt zuletzt einiges getan. „Es wird besser“, so der 49-Jährige. Unter anderem die Remsbrücke in Richtung Röhm-Areal, die im Zuge der Gartenschau gebaut wurde, betrachtet er als Zugewinn für die Stadt. Dort sei außerdem noch eine Reparaturstation für Radler installiert worden. Neben Rädern können dort beispielsweise auch Kinderwagen und Rollstühle mit einer Pumpe wieder mit ausreichend Luft versorgt werden. „Die Stadt hat einige Maßnahmen umgesetzt“, sagt Michael Maier.

Die noch schlechtere Note als in den vergangenen Jahren erklärt er unter anderem mit einem neuen Selbstbewusstsein der Rad-Community. Außerdem vermutet er, dass bei der Abstimmung viele „Alltagsradler“, wie Maier sagt, abgestimmt haben. Sie seien wohl weniger an den schönen Radwegen an der Rems unterwegs, sondern vor allem auch auf den Straßen in Richtung Innenstadt oder auf dem Weg zur Arbeit. Dort habe sich vergleichsweise wenig getan. Die rote Brücke zur Überquerung der Rems sei wohl vor allem attraktiv für Freizeitradler.

Maier bemängelt häufiges Absteigen

Problematisch ist aus seiner Sicht vor allem, dass Radlerinnen und Radler auf dem Weg in die Innenstadt häufig absteigen müssen, etwa an Unterführungen oder an Zebrastreifen, vor denen es teilweise sogar Metallsperren gibt. Außerdem seien manche Radwege einfach zu schmal. Besonders in der Burgstraße sei die Situation problematisch, dort muss der Radweg auf der Seite des Burg-Gymnasiums eigentlich von beiden Fahrtrichtungen genutzt werden. Dafür sei er aber zu schmal, so Maier, der seit vielen Jahren täglich von seinem Wohnort Weiler zu seinem Arbeitsplatz in die Kernstadt fährt. Nur bei Glätte oder wenn er eine aufkommende Erkältung spüre, steige er nicht aufs Rad.

Was passiert, wenn Autofahrer nicht genug Abstand zu ihm als Radfahrer lassen, musste der Aktivist am eigenen Leib erleben. „Ich bin am Kreisverkehr nach der Stuttgarter Straße schon mal abgeräumt worden“, erzählt er. Sich nicht an die Abstandsregel von 1,5 Meter zu halten, das ist aus seiner Sicht nicht nur ein Kavaliersdelikt. Die Behörden und die Polizei müssten endlich anfangen hier Kontrollen durchzuführen, so Maier. Das Sicherheitsgefühl der Radlerinnen und Radler könnte so erhöht werden und zu besseren Noten führen.

Schorndorf wurde von 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in Sachen Radinfrastruktur mit einer Note von 4,1 bewertet. Warum schneidet Schorndorf so schlecht ab und welche Note vergibt der lokale ADFC-Sprecher aus Schorndorf-Weiler, Michael Maier?

Alle zwei Jahre kommt die Zeugnisnote der Fahrradaktivisten. Schorndorf hat in diesem Jahr die Note „ausreichend“ bekommen und sich im Vergleich zu den Vorjahren sogar noch mal

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