Schorndorf

Diskussion über Radwegeplanungen

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uferrad Uferstraße/Stuttgarter Straße Die Stadt erwägt für den Remstal-Radweg im Bereich der Stuttgarter Straße/Einmündung Mittlere Uferstraße eine Lösung, die es Autofahrern unmöglich machen würde, von der Mittleren Uferstraße nach links in Richtung Innenstadt abzubiegen. Foto: Alexandra Palmizi © Palmizi / ZVW
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radwege schorndorf Radfahren in Schorndorf, wenn's geht eines, das zeigt, dass es Radler in Schorndorf nicht leicht haben, weil
radwege schorndorf Radfahren in Schorndorf, wenn's geht eines, das zeigt, dass es Radler in Schorndorf nicht leicht haben, weil sie entweder im Verkehr mitschwimmen müssen oder weil, wie etwa in der Grabenstraße, der Gemeinderat eine Tempo 30-Regelung ablehnt. Entsprechend kritisch beurteilen der ADFC und die Lokale Agenda die Situation für die Radfahrer in Schorndorf. Neuer Kreisverkehr Uhlandstraße Foto: Buettner © Archivbild Buettner / ZVW

Schorndorf. Nachdem sie schon im Technischen Ausschuss bis auf den letzten Zentimeter breitgetreten worden sind, die Radwegeplanungen Stuttgarter- und Feuerseestraße, wurde im Gemeinderat noch einmal genüsslich auf ihnen herumgetrampelt. Und es hat nicht viel gefehlt, und die Planung für die Feuerseestraße wäre plattgemacht worden. Schließlich gilt’s ja immer auch an den Autofahrer zu denken.

So wie bei der Einmündung der Mittleren Uferstraße in die Stuttgarter Straße, wo es nach der Vorberatung im Technischen Ausschuss so ausgesehen hatte, als dürften die aus der Mittleren Uferstraße kommenden Autofahrer künftig nicht mehr links in Richtung Kahlaer Platz beziehungsweise Innenstadt abbiegen, damit auf der Stuttgarter Straße die Einfädelspur zugunsten von zwei Radfahrstreifen wegfallen kann. Denkste!

Knappe Mehrheit: Linkssabbiegen aus Mittlerer Uferstraße beibehalten

Jetzt im Gemeinderat waren sich CDU-Stadtrat Matthias Härer („Das Linksabbiegen muss beibehalten werden“), FDP/FW-Stadtrat Konrad Hofer („Es ist ein Unding, etwas zu ändern, was sich bewährt hat“) und Grünen-Stadträtin Nadia Pagano („Das ist für die Menschen in der Erlensiedlung der kürzeste Weg in die Innenstadt“) und mit ihnen schließlich eine knappe Mehrheit einig, dass das Linksabbiegen aus der Mittleren Uferstraße beibehalten werden muss - um den Preis einer Vollsignalisierung dieses Einmündungsbereichs, was zusätzliche Kosten in Höhe von rund 150 000 Euro verursachen dürfte.

Grünen-Stadtrat äußert Bedenken

Grundsätzlichere Bedenken hatte Grünen-Stadtrat Andreas Schneider angemeldet, der die ganze Radwegeplanung im Bereich Stuttgarter Straße/Kahlaer Platz einschließlich der geplanten Fußgänger- und Radwegebrücke im Bereich „Alter Baurenwasen“ als „jenseits Gestückle und dann auch noch ziemlich teuer“ bezeichnete, wobei er den verantwortlichen Planern zugestand, sie hätten „versucht, aus der schwierigen Situation das Beste zu machen“.

Pesch und Reuster: Linksabbiegeverbot einen Versuch wert

Was ihnen aus Sicht von Grünen-Stadtrat Pesch und SPD-Stadtrat Reuster so gut wie nur irgend möglich gelungen ist. „Für eine verkehrssichere Lösung für die Radfahrer muss der Autofahrer halt auch mal Federn lassen“, meinte ganz grundsätzlich Wilhelm Pesch, für den’s einen Versuch wert gewesen wäre, es erst mal mit einem Linksabbiegeverbot aus der Mittleren Uferstraße zu versuchen. „Wir haben in diesem kritischen Bereich keine schöne, aber eine akzeptable Lösung für einen Remstalradweg“, fand Klaus Reuster und appellierte an die Kolleginnen und Kollegen: „Lassen Sie uns das mit dem Wegfall der Linksabbiegespur doch einmal probieren.“

Und was soll in der Feuerseestraße geschehen?

Und dann wurde der SPD-Stadtrat, durchaus auch schon mit Blick auf die Planungen in der Feuerseestraße, ebenfalls grundsätzlich: „Früher wurden die Radwege dem Autoverkehr zugeschlagen, heute holt sich der Radfahrer zurück, was ihm weggenommen wurde“, sagte er und provozierte damit anscheinend vor allem FDP/FW-Stadtrat Konrad Hofer, der meinte, vor 60 Jahren habe es in Schorndorf nicht einen einzigen Radweg gegeben. Begründung: „Das passte nicht bei uns wegen der Enge.“

Sprung also von der Stuttgarter Straße zur Feuerseestraße, wo Herbert Schuck, Technischer Leiter Planung bei den Zentralen Diensten, seine ursprüngliche Planung insofern modifiziert hatte, als der von der Burgstraße her kommende Radler später auf den Schutzstreifen in Richtung und dann entlang der Feuerseestraße eingeschleust werden sollte, was den Wegfall von nur noch drei Parkplätzen in der Burgstraße zur Folge hätte.

„Was uns im Radwegenetz fehlt, sind durchgängige Verbindungen“

Nichtsdestotrotz wärmten CDU-Stadträtin Iris Greiner und Konrad Hofer, der den geplanten Wegfall der Linksabbiegespur in Richtung Aichenstraße und ihre Umwandlung in eine unechte Abbiegespur kritisierte, die Idee von einem neuen Fußgängersteg entlang dem Feuersee auf, der es ermöglichen würde, den Radler auf dem seitherigen Gehweg fahren zu lassen. Dann bleibe es dabei, dass der Radler, weil er nicht im fließenden Verkehr mitschwimme, am Kreisel Schillerplatz wieder absteigen müsse, gab Herbert Schuck zu bedenken und betonte: „Was uns im Radwegenetz fehlt, sind durchgängige Verbindungen.“ Und Klaus Reuster und Wilhelm Pesch waren auch in diesem Fall der Meinung, dass der Verwaltungsvorschlag einen guten Kompromiss zwischen Auto- und Radverkehr darstellt und dass für alle Verkehrsteilnehmer eine akzeptable Lösung gefunden worden ist.


Als CDU-Stadtrat Matthias Härer, unterstützt zunächst einmal von seinem Fraktionsvorsitzenden Hermann Beutel, den Vorschlag mit dem Steg zum Antrag erhob und in diesen Antrag auch gleich noch die Forderung packte, die einseitig auf dem Abschnitt der Feuerseestraße zwischen den Kreiseln Schiller- und Reinhold-Maier-Platz geplanten Alleebäume wegfallen zu lassen, nahm Oberbürgermeister Matthias Klopfer den Kampf an zwei Fronten auf. An der einen, der Stegfront, indem er deutlich machte, dass es bei einem solchen Projekt zusätzlich zu den ohnehin schon veranschlagten knapp 600 000 Euro um einen weiteren sechsstelligen Betrag gehe, weil es sich um ein technisch anspruchsvolles Bauwerk handle, über das jetzt nicht so einfach abgestimmt und für das auch bis zur letzten Sitzung vor der Sommerpause keine entscheidungsreife Planung vorgelegt werden könne.

Frühere Meinungsbildung bei Fraktionen notwendig

Im Übrigen, so der Oberbürgermeister in diesem Zusammenhang, würde er sich wünschen, dass die Meinungsbildung bei den Fraktionen in Zukunft etwas früher einsetze und die Verwaltung etwas früher als 22.40 Uhr – so weit war die Sitzung nämlich schon fortgeschritten – mit solchen Anträgen konfrontiert würde. Vielleicht wär’s möglich, die Kosten für die Alleebäume, die „so viele Nachteile“ nicht zuletzt für die Autofahrer hätten, mit den Kosten für den Steg zu verrechnen, schlug daraufhin Hermann Beutel vor, während Klaus Reuster sinnbildlich die Hände über dem Kopf zusammenschlug und feststellte, es sei „so was von lächerlich, was die CDU heute macht“.

„Ohne Bäume würden wir an dieser Stelle alles falsch machen“

Derweil kämpfte der Oberbürgermeister, unterstützt von Grünen- und SPD-Stadträten, schon an der Baumfront. Die Baumreihe zwischen den beiden Kreiseln sei „unverzichtbar, wenn wir hier eine städtebauliche Qualitätsverbesserung erreichen wollen“, sagte Klopfer mit Blick auf die Gartenschau und die als zentrale Achse geplante Verbindung vom Alten Friedhof über den Feuersee bis zum Stadtpark. „Ohne die Bäume würden wir an der Stelle alles falsch machen und uns eine Chance vergeben, die wir nie mehr bekommen“, sagte der Oberbürgermeister und empfahl den Kritikern dieser Allee, sie sollten für sich selber einmal überlegen, ob sie lieber in einer Straße mit Bäumen oder in einer Straße leben wollten, die nur aus Asphalt und Beton bestehe.

„Bäume sind Leben und tragen zum Stadtklima bei“

„Man läuft und atmet doch ganz anders mit Bäumen“, gab auch SPD-Stadträtin Heidi Rapp zu bedenken, die aus eigener Anschauung als Fußgängerin weiß, dass die Anwohner dieses Abschnitts der Feuerseestraße jahrzehntelang nur mit Dreck und Stau gelebt hatten. „Bäume sind Leben und tragen zum Stadtklima bei“, stellte sich auch Grünen-Stadträtin Andrea Sieber gegen den CDU-Antrag, von dem mittlerweile auch schon Fraktionschef Hermann Beutel Abstand genommen hatte.

Schlusswort von Gartenschau-Geschäftsführer

Matthias Klopfer überließ das Schlusswort („Ich sage jetzt nichts mehr“) seinem Finanzbürgermeister und Gartenschau-Geschäftsführer Thorsten Englert, der zweierlei deutlich machte: dass es sich erstens bei der Planung für die Feuerseestraße „um eine Planung aus einem Guss“ handelt, aus der nichts herausgebrochen werden sollte, und dass die Planung unbedingt noch in diesem Jahr umgesetzt werden sollte, weil nicht alle Gartenschau-Projekte aufs Jahr 2018 geschoben werden könnten. Argumente, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Die Alleebäume wurden mit 15:10 Stimmen befürwortet – man könnte auch sagen: Der CDU-Antrag wurde mit 10:15 Stimmen abgelehnt – und der Baubeschluss für die Radwegeplanung für den gesamten Abschnitt zwischen Burgstraße und Reinhold-Maier-Platz wurde anschließend bei nur drei Gegenstimmen gutgeheißen.

Einen Kommentar vom Schorndorfer Redaktionsleiter Hans Pöschko zur Diskussion über die Radwegsplanungen lesen Sie in unseren Mittwochausgaben oder im E-Paper

 

Hexengässle: Radfahrer bleiben draußen

Im auch innerhalb der Fraktion der Grünen geführten Streit, ob das vom Kreisel am Schillerplatz weg- und in Richtung Schlosspark und damit auch in Richtung Innenstadt – und natürlich auch umgekehrt – führende und bislang den Fußgängern vorbehaltene Hexengässle im Zuge der radlerfreundlichen Umgestaltung der Feuerseestraße für den Radverkehr aufgemacht werden soll oder nicht, hat sich Grünen-Stadträtin Andrea Sieber durchgesetzt – unter anderem gegen ihren Kollegen Wilhelm Pesch.

Eine Öffnung des bislang für Radler blockierten Hexengässles sei „nicht notwendig und nicht sinnvoll“, hatte Andrea Sieber für den Schutz der Fußgänger und vor allem auch der Mütter und Väter mit ihren Kindern plädiert. Beim Hexengässle nichts zu ändern, sei „ein Fehler“, hatte Wilhelm Pesch dagegengehalten.

Bei der anschließenden Abstimmung hielt es die Mehrheit im Gemeinderat mit Andrea Sieber.