Schorndorf

Dodokay: Schwäbische Albernheiten zum Schlapplachen

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Beobachtungen des Alltags-Schwaben, amüsant vorgetragen. © Steinemann / ZVW

Urbach. Dass man einer wildfremden Frau von hinten ins T-Shirt reinfasst, um ihr das herausragende Waschzettele wieder unter den Stoff zu schieben – so was bringen nur Schwaben zustande. Meint der Comedian und Entertainer Dodokay. 600 Zuschauer in der ausverkauften Auerbachhalle wurden zu lachenden „Followern“ des Multimedia-Multitalents.

Schwaben sind „zwanghaft“ beim Erledigen ihrer wöchentlichen Kehrpflichten. Dodokays Standpunkt: „Der Schwabe ist als Schizo zu beschreiben“. Weil er „furchteinflößend, aber brudal nett“ ist. „Typisch schwäbisch halt“. So wie Frau Metzger, der erste schwäbische „Alien“, dem er in der Kindheit begegnete und den er unter einer Darth-Vader-Maske aus „hochgiftigem Polyesterharz und Glasfasermatte“ einfach nicht verstehen konnte.

Dodokay, der im bürgerlichen Leben Dominik Kuhn heißt, zeichnet die Figur der Durch-und-Durch-Schwäbin präzise und führt in vielen Gags vor, wie sie ihn „schwäbisch sozialisiert“ habe. „Der Schwabe muss alles kommentieren - egal, ob er gefragt wird oder nicht“, hat er gelernt. Auch dass der Schwabe trotz aller Boshaftigkeit und „Abartigkeit“ liebenswürdige Seiten hat. Frau Metzger jedenfalls hatte sehr viele „Follower“ und brauchte dafür nicht mal Facebook: „Die hat so laut auf'm Balkon gschwätzt, dass die ganze Nachbarschaft mithören und followen musste.“ Dodokays Show-Mission führt mit Humor, Nonsens und Eigenbiografie mitten in die schwäbische Menschheitsgeschichte. Er schaut Schwaben beim Schwätzen im Supermarkt, auf der Straße und beim Grillen zu, schreibt mit und schöpft daraus Pointen, Schrulligkeiten und Situationskomik für seine Gags. Da dürfen Besonderheiten einzelner Zuschauer nicht fehlen: So findet sich der 35 Jahre alte Traktor von Zuschauer Günther in einer Geschichte über die Katze „Coco“ wieder.

Mit schwäbischen Neusynchronisationen bestehender Filme wurde Dodokay bekannt. Jetzt (be-) steht er auf einer Bühne vor realem Publikum, das klatscht anstatt zu kommentieren und zu liken. Kunstvoll verknüpft er „live“ mit „multimedial“ und jene im Publikum, die das rote Auge von HAL 9000 erkennen, haut es fast von den Stühlen vor Lachen, als er in breitestem Schwäbisch den Astronauten einen Korb erteilt. Tja, Pech gehabt, die eingegebenen Pin-Codes sind leider alle falsch, die Astronauten gucken in der von Dodokay hingemodelten Lesart dumm aus den Raumanzügen.

Wenn Angela Merkel schwäbelnd den Begriff „bollenheiß“ erklärt

Auch für die Parodien der Filmausschnitte schaut er Menschen beim Schwätzen zu, erklärt er dem Publikum. So guckte er Filmausschnitte an und vertonte die Dialoge ulkig, juxig und vor allem schwäbisch. Spannend zu erleben, dass er die Gabe des Schwäbisch-Synchronisierens auch live vorschwätzen kann. Ohne viel Bedenkzeit brabbelt er das „Ofaröhrle“ von Karin aus Grunbach in einen parallel zu sehenden Ausschnitt aus Star Wars rein. Bei so viel hanebüchenem und schrägem Inhalt brandet begeisterter Applaus auf. Ebenso wie bei der schwäbelnden Angela Merkel, der er eine Definition des Begriffs „bollenheiß“ in den Mund legt, vielmehr in den Mund synchronisiert. Er vermengt die Lippenbewegungen mit einer Nonsens-Geschichte über schwäbische „Bollen“, italienische Eis-„Kügela“ und Bobbel. Das Publikum geht mit, es kann gar nicht genug von „bollenheißen“ Ofenröhrle und vom „Klettverschluss von der Alea ihrem Kinderschuh“ kriegen. Und der fiktive „FKK-Verein Urbach“ kommt auch noch zu ungeahnten Ehren: In einer Episode aus „Schwaben Menschen Abenteuer“ verfremdet Dodokay eine Longtailbootsfahrt im Regenwald zur lustigen Schipperei auf der „Rems“, die in den Plüderhäuser Badesee fließt. In den eingeschwäbelten Filmaufnahmen wird ein Eingeborener mit Lendenschurz vor der Kamera zum glaubwürdigen „Dieter vom FKK-Verein Urbach“. Famos auch eine Sitzung des Deutschen Bundestags, die Dodokay in eine Vorstandssitzung des fiktiven Vereins „SV 49“ umschneidet und in eine Diskussion über den Vereinsausflug ausarten lässt. „Es hat ein paar ganz gute Sachen dabei“, meint ein Zuschauer in der Pause. Eine Frau, durchaus anerkennend: „Auf so einen Quatsch und die Ideen muss man erst mal kommen.“

Gastdozent für "virales Marketing"

Dass er Medien virtuos und konvergent auf allen Kanälen zu nutzen versteht, zeigt er auch jenseits seines Live-Auftritts. Auf seiner Webseite ist am Samstag zu lesen: „Dangggee an da Günther mit seim 35 Jôhr alta Bulldog, an meine Minderjährige Luca und Lorenzo, an da Axel (die blöde Sau), an d’ Karin aus Grunbach fir’s Ofaröhrle, an da Ralf aus Oberurbach fir’s lauteschte Synchronisiera und an älle die wo dô waret!“

Dodokay arbeitete für den SWR, arbeitet für Antenne Eins, „verlieh“ seine schwäbische Stimme sowohl Film als auch einem Hörspiel. Er arbeitet als Comedian, Filmautor und -regisseur. Zudem ist er Gastdozent für „virales Marketing“ an Hochschulen und macht Musik in der eigenen Band „Welcome to the Pleasuredome“.