Schorndorf

Dodokay schwätzt so, wie wir denken

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Dodokay beim Erstaunen über sich selbst. © Ralph Steinemann

Rudersberg. Er tut ja so harmlos. Dass er früher mit dem Schwäbischsein gar nichts an der Kappe hatte. Dass er nur zufällig auf die Absonderlichkeiten gestoßen sei, die dem Vor- und Vollälbler äll Tag so aus der Gosch purzeln. Dabei ist Dominik Kuhn, besser beleumundet als Dodokay, ein ganz gerissenes Bürschle in Sachen Aufschnappen, Behalten und Weitertratschen.

Wo er auch hinkommt, füllt er erst die Halle. Und die zeigt sich dann sehr schnell erfüllt vom Lachen derer, die ihm an den Lippen seiner Schwertgosch hängen. So wie jetzt in der besten Rudersberger Stube im Rahmen der Winterkulturtage. Da kommt auch der junge neue Bürgermeister mit Frau und will schauen, warum seine Rudersberger endlich mal nicht in den Keller gehen. Hier wird gelacht in offenem Vollzug.

Es war ja so, dass der junge Dominik Kuhn zu gern in der Welt herumgondelte, sich James-Bond-Filme mit dem eleganten Weltmann Sean Connery reinzog, sich durch Hollywood ästhetisch bilden ließ und den Schwaben an sich einen guten Mann sein ließ, der irgendwo auf der Scholle rumstolpert. Bis, ja bis er es beruflich mit unserer markanten Sprechweise zu tun bekam. Ein Werber lebt halt von der Nähe zu den Käufern.

„Arschd gar ned g’seha“

Er habe die Frau Metzger in seiner Nachbarschaft erst gar nicht verstanden, beteuert er. Heute versteht er sie so gut, dass sein Geschäftsmodell Hallenfüllen über den letzten Platz hinaus bestens aufgeht.

Die Frau Metzger spricht ein solch ungeschlachtes Schwäbisch, dass allein die korrekte Wiedergabe ihrer Auswürfe Lacher garantiert. Klar, Kuhn siedelt ja kurz vor der Alb, in Reutlingen. Frau Metzger will sagen, sie habe jemanden erst gar nicht gesehen. Daraus wird bei ihr „arschd gar ned g’seha“. Und allein aus der Tatsache, dass der so Angesprochene vor allem eines raushört, nämlich dass er ein Arsch ist, speisen sich ganze Lachblöcke. Da hat Kuhn etwa gegenüber Christoph Sonntag einen natürlichen, geografischen Vorteil. Sonntag findet ja vor lauter Umschlingungen mit den Stuttgarter Großkopfeten aus seinem Honoratiorenschwäbisch gar nicht mehr raus.

Schwätzen wir wirklich so schlimm?

Dodokay macht, dass sich Im-Stau-Steher rund ums Voralbenland freiwillig in den Stau stellen. Es ist zu lustig, was da aus seiner Feder der Sender Antenne 1 so versendet. Etwa, wenn er die Männer vom SV 49 nach dem Schlüssel für den Partyraum suchen lässt. Eigentlich könnte er sich einfach so auf die Bühne stellen, er braucht die Einspieler nicht mehr. Also die Filmchen, die ihn als genialen Synchronsprecher zeigen mit untergeschobenem Dialekt, der so dada und gaga ist, dass über das anfängliche Selbst- und Fremdschämen (schwätzen wir wirklich so schlimm?) es bald zu einer Solidarisierung kommt. Wenn es schon so schlimm ist, dann müssen wir das Grauen ablachen.

Die Filmeinspieler, keine Frage, haben ja was Köstliches. Wie er das bekannte Personal des Bundestags ein Läddagschwätz schwäddse lässt, etwa auf der Suche nach dem Schlüssel für den Partyraum des SV 49, das ist so unglaublich sprechend. Ein Jürgen Trittin wird dabei erst kenntlich, wie er knitz-kokett so tut, als habe er mal wieder gar nix Böses dazwischengebellt. Ein Lausbua, wie er im Drehbuche steht.

Sprach-Macken

Das ist die Masche des Dodokay beim Aufzählen all der Sprach-Macken, die wir haben. Erst beginnt eine Story mit der Vorrede, dass etwa schwäbische Sprechstundenhelferinnen ganz arg liebe, zugewandte, menschenfreundliche Servicebedienstete sind. Dann aber, in den nächsten Minuten entfaltet sich ein Panoptikum der Zumutungen. Wie die ganz arg liebe Sprechstundenhilfe alle zudeckt mit ihrem „glei“. Dass alles ganz schnell „glei“ passiert, auch wenn der Mann mit dem halb abgerissenen Arm dann im Wartezimmer verbluten wird.

Ein Dodokay mit diesen Fähigkeiten zum Aufschnappen und Zuschnappen wird überall Beute finden. Er hätte gleich in der Rudersberger Gemeindehalle anfangen können.

Der Abend ist rum, wir gehen durch die Eingangstür: Was steht da?: „Während der Heizperiode die Türen geschlossen halten“. So sind wir Schwaben: Wir gönnen noch nicht einmal der Umwelt ein bisschen Wärme. Aber mit Dodokay lernen wir immerhin, über uns selbst zu lachen.