Schorndorf

Dorfladen kämpft ums Überleben

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Breites Sortiment, moderate Preise: Der Dorfladen in Schlichten sieht sich als Alternative zum Supermarkt. © Habermann / ZVW
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Sorgen sich um die Zukunft des Dorfladens: Aufsichtsrat Roland Hemberger, Aufsichtsrat Harald Wendt, Vorstand Max Mayer und Aufsichtsrat Jochen Schmid. © Gabriel Habermann

Schorndorf-Schlichten. Zu wenig Umsatz, nicht genügend Ehrenamtliche: Wenn sich daran nichts ändert, befürchtet die Genossenschaft ein baldiges Ende des Dorfladens Schlichten. Bei der Generalversammlung haben die Mitglieder nun nach Wegen gesucht, um den Laden, der seit drei Jahren in der Baierecker Straße besteht, zukunftsfest zu machen.

„Eigentlich ist das Dorf zu klein“, sagt Aufsichtsrat Jochen Schmid. Der Genossenschaftsverband hält Dorfläden erst ab einer Größe von 2500 Einwohnern für rentabel. Schlichten hat aber deutlich weniger, weshalb der Laden offen gestanden auch „ein ziemlich ambitioniertes Projekt“ sei. Eines, das, gemessen an den Voraussetzungen, eigentlich überraschend gut läuft. Rund 260 000 Euro wurden dort im vergangenen Jahr umgesetzt. Keine schlechte Zahl ist das für den 850 Einwohner starken Ortsteil – im Vergleich mit anderen Dorfläden in der Region sogar eine ziemlich respektable.

7200 Euro Verlust im Jahr 2017

Dennoch weist das Jahresergebnis von 2017 erneut ein vierstelliges Minus aus. Der Verlust beläuft sich auf etwa 7200 Euro. Das ist zwar etwas weniger als im Vorjahr, doch nach wie vor zu viel, findet Vorstandsmitglied Max Mayer. Als Genossenschaft müsse man zwar keine Profite erwirtschaften, Rücklagen für künftige Ausgaben schon – doch die lassen sich so nicht bilden.

Mit 2200 Waren kein Tante-Emma-Laden, sondern ein Vollversorger

Die Gründe für das Minus sind vielfältig. Zum einen sind mehrere ehrenamtliche Mitarbeiter aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen zuletzt ausgeschieden. Ersatz konnte bislang jedoch nicht gefunden werden. Die Personaldecke ist mit zwölf Ehrenamtlichen recht dünn, deren Belastung entsprechend hoch. Auch, weil der Dorfladen kein Tante-Emma-Laden, sondern ein anspruchsvoller Vollversorger sein will und deshalb gut 2200 normal- und hochpreisige Waren im Sortiment hat – aus Kostengründen aber auf ein elektronisches Bestell- und Erfassungssystem verzichtet.

Moderate Preissteigerungen und verkürzte Öffnungszeiten

Mit der Konsequenz, dass der Laden nach wie vor auf zwei hauptamtliche Mitarbeiter sowie eine 450-Euro-Kraft angewiesen ist. Ein nicht geringer Kostenpunkt, der sich in der Bilanz entsprechend niederschlägt.

Erste Gegenmaßnahmen hat die Genossenschaft bereits Anfang des Jahres ergriffen. Zum einen mit moderaten Preissteigerungen – wobei die Waren nach wie vor kaum oder überhaupt nicht teurer sind als im Supermarkt, zu dem man sich durchaus als Alternative begreift. Auch wenn man bei Sonderangeboten nicht mithalten könne.

Zum anderen wurden die Öffnungszeiten leicht verkürzt. Abends ist jetzt bereits um 18 Uhr und damit eine halbe Stunde früher Ladenschluss. Mittwochnachmittags ist das Geschäft ganz geschlossen. Erfreulicherweise sei das von den Kunden nicht negativ aufgenommen worden, berichtet Mayer. Die Einnahmesituation habe sich dadurch aber auch nicht entscheidend verbessert.

Zwar ist der Umsatz in den drei Jahren seiner Existenz kontinuierlich gestiegen. Doch für die langfristige Sicherung wäre aus Sicht des Vorstandsmitglieds eine Steigerung auf 300 000 Euro pro Jahr notwendig. Das Potenzial dafür sei durchaus vorhanden. Würden alle 250 Mitglieder der Genossenschaft pro Woche 23 Euro im Laden ausgeben, wäre der Betrag bereits gedeckt. „Dieses Potenzial ist noch nicht ausreichend erschlossen“, sagt Mayer.

Potenzielle Kunden aus Nachbarorten

Luft nach oben sei zunächst in Schlichten selbst, wie Aufsichtsrat Harald Wendt berichtet. Noch immer gebe es dort viele, die dem Projekt skeptisch gegenüberstehen und dächten „das wird ja eh nichts“. Aber auch in den Nachbarorten wie Thomashardt gebe es sicherlich noch potenzielle Kunden, die an dem breiten Angebot mit vielen Bio-Produkten ihren Gefallen fänden. Dazu müsste sich der Laden aber zunächst bekannter machen.

Mehr Feste, eine E-Bike-Ladestation und Fleischwaren auf Bestellung

Auf der Generalversammlung hat die Genossenschaft deshalb Vorschläge gesammelt, wie mehr Kunden in den Laden gelockt und neue Einnahmen generiert werden können. Eine Option wären Feste oder Verkaufsaktionen in und um den Laden. Wann und zu welchem Anlass (der Schulbeginn etwa oder die Freibad-Eröffnung), das soll nun intensiv überlegt werden.

Schon in der Umsetzung begriffen ist die Idee einer E-Bike-Ladestation vor dem Geschäft. Damit, so die Hoffnung, würden womöglich mehr Radtouristen auf dem Weg durch den Schurwald einen Zwischenstopp im Dorfladen einlegen, der ja auch ein kleines Café ist. Der Vorstand hat in der Sache bereits mit den Stadtwerken gesprochen.

Aufgegriffen wurde in der Versammlung auch der Vorschlag, Fleischwaren auf Bestellung zu liefern. Bis vor kurzem hatte die Schorndorfer Metzgerei Wolz einen solchen Lieferservice nach Schlichten im Angebot. Der Laden könnte diese Lücke nun füllen. Ein permanentes Fleisch-Angebot ist aufgrund der strengen Hygieneverordnungen aktuell jedoch nicht angedacht.

Dorfladen soll sozialer Treffpunkt sein

Auch auf ganz klassische Werbemaßnahmen will die Genossenschaft zurückgreifen. Zum Beispiel mit einer Anzeige im Info-Flyer der Volkshochschule in Thomashardt, über ein Sponsoring durch die Stadtwerke - oder Sympathiewerbung von Kunden und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Vor allem mit Letzterem soll Interessierten die Angst genommen werden vor der Mitarbeit im Laden. „Zwei Stunden pro Woche würden uns schon reichen“, sagt Mayer. Dabei könne sich jeder nach seinen Vorstellungen und Vorlieben einbringen.

Der Dorfladen soll schließlich mehr sein als nur eine Einkaufsmöglichkeit, sondern ein sozialer Treffpunkt für Schlichten.


Wer im Laden helfen möchte, kann sich per E-Mail unter info@dorfladen-schlichten.de melden, die Anmeldemaske auf www.dorfladen-schlichten.de/ehrenamt nutzen oder direkt in der Baierecker Straße 23 vorbeischauen.

Mehr davon, bitte!

Auf der Generalversammlung gab es zwei Wortmeldungen, die Aufsichtsrat Roland Hemberger für denkwürdig hielt. Ein Mitglied habe davon berichtet, seit einiger Zeit alle Waren vom Dorfladen zu beziehen – weil das Angebot mittlerweile so breit sei. Das andere meinte, inzwischen fast alles darüber zu beziehen – und sich beim Einkauf ein Stück weit an das anzupassen, was im Laden gerade vorhanden sei.

„Von denen bräuchten wir mehr“, findet Hemberger, der zugibt, zwar nicht alles, aber doch einen großen Teil seiner Lebensmittel in Schlichten selbst zu kaufen.