Schorndorf

Drei neue Kindergärten bis 2022

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Symbolbild. © Alexander Roth

Remshalden. Es ist ein millionenschweres Ausbauprogramm, für das der Remshaldener Gemeinderat am Montagabend den Fahrplan beschlossen hat: Bis 2022 sollen drei neue Kindergärten in Geradstetten und Grunbach gebaut werden. Das umfassende Konzept ist die Reaktion auf die extrem gestiegenen Kinderzahlen in der Gemeinde und den wachsenden Betreuungsbedarf.

Der Beschluss im Gemeinderat war einstimmig, obwohl es über Einzelheiten der Konzeption für den Ausbau der Kinderbetreuung teilweise noch verschiedene Meinungen gibt. Das Ziel des Konzepts, so betonte Hauptamtsleiterin Christine Kullen, sei es, eine Richtung und einen Weg aufzuzeigen, wie die Deckung des Betreuungsbedarfs in den kommenden Jahren gelingen kann.

Auch Bürgermeister Stefan Breiter betonte: Der Plan ist nicht in Stein gemeißelt. „Sie beschließen heute kein konkretes Ausbauprogramm“, sagte er den Gemeinderäten. „Sollte es sich zeigen, dass sich die Zahlen verändern, dann können wir immer reagieren.“ Allerdings wurde auch deutlich: Eine Abweichung des Bedarfs nach unten ist nicht zu erwarten.

Erst zwei Übergangslösungen ...

Alle Maßnahmen muss der Gemeinderat noch gesondert beraten und beschließen, sobald sie konkreter geplant sind. Der Beschluss jetzt war der Startschuss für den tieferen Einstieg in die Planung. Die Konzeption ist ein Stufenplan, der zunächst eine kurzfristige Deckung des Bedarfs durch zwei Übergangslösungen vorsieht:

Die Wiedereröffnung des Kindergartens in der Blumenstraße in Grunbach, die bereits vorbereitet wird und mit der ersten von zwei altersgemischten Gruppen im Januar 2018 erfolgen soll. Investitionskosten: rund 100 000 Euro. Den Umbau des ehemaligen Notariatsgebäudes in der Raiffeisenstraße in Geradstetten, mit einer Gruppe für zehn Kinder unter drei Jahren. Geschätzte Kosten: 250 000 Euro. Diese beiden Übergangslösungen sollen die Zeit überbrücken, bis Neubauten geplant und umgesetzt sind.

... dann drei Maßnahmen

Im Einzelnen sieht die Konzeption dann drei Maßnahmen vor:

Bis Frühjahr 2021: neuer Kindergarten in der Wilhelm-Enßle-Straße in Geradstetten mit vier Gruppen, zwei davon für Kleinkinder unter drei Jahren, ausschließlich für die Ganztagesbetreuung. Entweder als „Kombi-Lösung“, das heißt, Wohnhaus mit integrierter Kita, für geschätzt rund 2,9 Millionen Euro oder als reinen Kindergartenbau für rund 3,9 Millionen Euro.

Bis März 2022: neuer Kindergarten im Gebiet „Im Lehen“ in Grunbach mit vier Gruppen, auch für Kleinkinder, ausschließlich für Ganztagesbetreuung. Geschätzte Baukosten: zwischen 3,5 und 4,2 Millionen Euro.

Bis März 2022: Neuer Kindergarten auf dem ehemaligen Areal der Ernst-Heinkel-Realschule in Grunbach mit bis zu drei Gruppen, ausschließlich für Kinder unter drei Jahren und ausschließlich für Ganztagesbetreuung; Umsetzung als Kombilösung, das heißt, Mischung aus Wohnhaus und Kindergarten. Geschätzte Baukosten: rund 1,6 Millionen Euro.

Rund zehn Millionen Euro an Investitionen nötig

Mit Umsetzung der Neubauten soll dann in Grunbach nicht nur der als Übergangslösung wieder eröffnete Kindergarten in der Blumenstraße, sondern auch die Einrichtung in der Jahnstraße geschlossen werden. Christine Kullen spricht in Bezug auf die Jahnstraße von einer Verlagerung an den neuen Standort im Gebiet „Im Lehen“.

Rechnet man alle Investitionsmaßnahmen zusammen und kommen alle Bauten so wie geplant, dann wird die Gemeinde bis 2022 damit rund zehn Millionen Euro in die Hand nehmen müssen. Zudem braucht sie natürlich auch die nötigen Fachkräfte dafür, was die laufenden Ausgaben im Haushalt nach oben treiben wird (siehe „Personalkosten“). Für den neuen Kindergarten in der Wilhelm-Enßle-Straße in Geradstetten könnte die Evangelische Kirche als Träger einsteigen. Dafür gebe es bereits eine Zusage, so Hauptamtsleiterin Christine Kullen.

Viel Lob für das Konzept, aber auch Disskusionsbedarf

Von den Gemeinderäten kam viel Lob für die Arbeit der Verwaltung bei der Aufstellung der Konzeption. Mit Bedauern sprach Ali-Rätin Ursula Zeeb davon, „dass wir uns in der Vergangenheit immer so durchgewurstelt haben“.

Diskutiert werden könnte noch an verschiedenen Stellen über das vorliegende Konzept. So äußerte Gaby Holzwarth für die CDU Skepsis darüber, ob das alte Notariatsgebäude für die Kleinkindbetreuung geeignet ist. Außerdem seien die Umbaukosten mit 250 000 Euro „recht hoch“. Auch die FW/FDP-Fraktion hält das Notariats-Gebäude für ungeeignet, wie Bernd-Günter Barwitzki sagte: Es fehle der Platz, wo die Kinder ihrem Bewegungsdrang nachgehen könnten. Man solle stattdessen schneller den Neubau in der Wilhelm-Enßle-Straße realisieren.

Nächste Schritte: Weitere Planungen und Beantragung von Fördermitteln

Tobias Schädel (BWV) bat darum, zu prüfen, ob ein Erhalt und eine Sanierung des Kindergartens in der Jahnstraße in Grunbach eine bessere Alternative als der Neubau im Gebiet „Im Lehen“ sein könnte. Dazu antwortete Hauptamtsleiterin Christine Kullen allerdings direkt: „Abgesehen vom baulichen Zustand ist das Grundstück in der Jahnstraße einfach zu klein.“ Man brauche dort Ganztagesplätze.

Mit dem Beschluss des Gemeinderats geht die Verwaltung jetzt in die weiteren Planungen für die Kindergarten-Konzeption. Zunächst soll dann die Übergangslösung im Kleinkindbereich entwickelt werden, die sich die Gemeinde im ehemaligen Notariatsgebäude vorstellen kann. Dann sollen parallel zu den weiteren Planungen der Kindergarten-Neubauten auch Fördermittel vom Land beantragt werden.



Verschiedene Faktoren machen in Remshalden den starken Ausbau der Betreuungs-Infrastruktur nötig. Zum einen gibt es einen starken Generationenwechsel in den bestehenden Wohngebieten, vor allem in den südlichen Ortsteilen, wohin es viele Neuzuzüge insbesondere aus dem Stuttgarter Raum gibt.

Zum anderen kommen Zuzüge auch in neu gebaute oder derzeit noch geplante Wohngebiete. Außerdem macht die Verwaltung den steigenden Bedarf auch am gesellschaftlichen Wandel fest: Die Nachfrage nach Betreuung nimmt auch in zeitlicher Hinsicht hin zur Ganztagesbetreuung und immer mehr Kinder unter drei Jahren besuchen Kitas.

Vorausberechnung: Kompliziert und unsicher

Remshalden hat im landesweiten Vergleich schon jetzt eine überdurchschnittliche Betreuungsquote im Bereich der Kleinkinder. Gut ein Drittel der Kinder unter drei Jahren in der Gemeinde besucht eine Betreuungseinrichtung.

Die Vorausberechnung ist kompliziert und unsicher. Welcher Bedarf in Zukunft da sei, sei „sehr schwer vorhersehbar und berechenbar“, so Hauptamtsleiterin Christine Kullen. Zur Bedarfsermittlung hat sich die Verwaltung angeschaut, welche Neubauvorhaben es gibt und mit einem Faktor von 0,8 pro Wohneinheit hochgerechnet. Dieser Faktor, sagt Christine Kullen, sei von der Gemeindeprüfungsanstalt und vom Gemeindetag so anerkannt. Mit dieser Berechnung kommt das Hauptamt auf 160 Kinder, die durch Neubauvorhaben bis 2022 nach Remshalden kommen.

Der Bedarf kann gerade noch abgedeckt werden

Schon für 2018 kann die Gemeinde den Bedarf im Bereich der Kinder ab drei Jahren, der bereits durch konkrete Anfragen besteht, nur durch die Reaktivierung der bereits geschlossenen Einrichtung in der Blumenstraße decken.

„Bei der Kleinkindbetreuung liegen wir nach den aktuellen Anmeldezahlen nächstes Jahr gerade noch im Bedarf“, sagte Christine Kullen im Gemeinderat. Die Zahlen seien aber stetiger Veränderung unterworfen. Insbesondere die Zuzüge in bestehende Häuser und Wohnungen kann die Gemeinde nicht vorhersehen.

Personalkosten steigen sprunghaft

Nach bereits in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Personalkosten durch den Ausbau der Kinderbetreuungsangebote wird sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren durch die Neubauten potenzieren. Hauptamtsleiterin Christine Kullen rechnet durch 29 nötige neue Personalstellen mit einem Anstieg der Kosten um 2,2 Millionen Euro auf dann 5,5 Millionen Euro jährlich.

Bürgermeister Stefan Breiter wiederholte seine schon öfter geäußerte Kritik an den Regierungen in Bund und Land: „Der Bund muss auch bezahlen, was bestellt wird.“ Man freue sich über jedes Kind, das auf die Welt komme. Wer aber für die Kinderbetreuung einen Rechtsanspruch einführe, der müsse auch sagen, wie dessen Umsetzung durch die Kommunen bezahlt werden solle.

Klar sei, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angemessen bezahlt werden müssen. In die Vorausberechnung von Christine Kullen sind bereits Tarifsteigerungen einbezogen.