Schorndorf

Dunkle Straßen ab 0 Uhr: So will die Stadt Schorndorf mehr Energie sparen

Leutenbach-Weiler zum Stein Im Hummerholz  Gemeinde Leutenbach erneuert Straßenbeleuchtung und setzt auf LED-Technik
LED-Straßenlaternen können theoretisch gedimmt werden. Lässt sich das umsetzen? © Gabriel Habermann

Kalte Räume, kaltes Wasser und keine angestrahlten Gebäude mehr: Seit Donnerstag ist der erste Teil der bundesweiten Energiesparverordnung in Kraft getreten. Ziel der Maßnahmen soll es sein, den Gas- und Stromverbrauch in Deutschland zu senken. Manche Städte und Gemeinden gehen sogar noch über die von der Bundesregierung verfügte Verordnung hinaus und lassen Straßenlaternen und Schaufensterlichter ausschalten. Das birgt auch Gefahren, warnt unter anderem die Polizeigewerkschaft. Was macht die Stadt Schorndorf?

In „Anliegerstraßen“ gehen bald ab Mitternacht die Lichter aus

Bei welchen Energiesparmaßnahmen die Stadtverwaltung zwangsweise mitmachen muss, ist schon länger bekannt. Im Rathaus, der Stadtbibliothek und allen anderen öffentlichen Gebäuden wird es etwas kühler. Denn die Räume dürfen dort nur noch bis auf 19 Grad geheizt werden. Frieren müssen die Verwaltungsangestellten allerdings eher nicht. Denn bisher lag die empfohlene Mindesttemperatur bei 20 Grad. Flure, Hallen und Foyers sollen, wenn möglich, gar nicht mehr beheizt werden.

Wasser, das überwiegend für das Händewaschen genutzt wird, soll nach Möglichkeit ebenfalls nicht mehr erhitzt werden. Von all diesen Maßnahmen ausgenommen sind Schulen, Kitas, Krankenhäuser, Pflegeheime und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Ebenso sieht die Verordnung vor, dass Denkmäler und Gebäude, wie etwa die Stadtkirche, nicht mehr aus ästhetischen Gründen mit Scheinwerfern bestrahlt werden dürfen. Einzelhändler dürfen ihre Türen nicht mehr dauerhaft offen halten, damit sie Heizenergie sparen.

Doch viele Städte belassen es nicht bei diesen Maßnahmen und gehen noch einen Schritt weiter. In Esslingen zum Beispiel werden die Straßenlaternen ab sofort morgens eine halbe Stunde früher aus und abends eine halbe Stunde später eingeschaltet. In Sporthallen senkt die Esslinger Verwaltung die Temperatur sogar auf 17 Grad ab, wie die Esslinger Zeitung berichtet. In Kircheim unter Teck bleibt die Straßenbeleuchtung zwischen 21 und 6 Uhr sogar ganz aus.

Auch die Stadtverwaltung Schorndorf plant, die Straßenbeleuchtung in „Anliegerstraßen“ von 0 bis 4 Uhr abzuschalten. Wann genau, steht noch nicht fest. Dazu bedarf es aber erst einer Änderung der Steuerungstechnik, teilt die Stadtverwaltung mit.

Doch machen es stockdüstere Innenstädte nicht Dieben und Vandalen besonders leicht, ihr Unwesen zu treiben? Die Polizeigewerkschaft Niedersachsen warnt ausdrücklich davor. Denn wenn Werbeschilder und Schaufenster dunkel sind, erhöhe das die Gefahr für Einbrüche und Sachbeschädigung. In einer Pressemitteilung schreibt die Polizeigewerkschaft, dass sich „der eine oder andere mit jugendlichem Übermut“ in der Dunkelheit besonders gut an „einem denkmalgeschützten oder auch dem möglicherweise verhassten Behördengebäude“ austoben könne.

LED-Straßenlichter dimmen? Es gibt spezielle Auflagen

Es gibt aber auch Lösungsansätze, ohne das Licht ganz ausmachen zu müssen. Im Münchner Westen könnte laut einem Bericht der SZ bald ein „adaptives Straßenlicht“ zum Einsatz kommen, das im Prinzip wie ein Bewegungsmelder funktioniert. Die Laternen leuchten nur dann hell auf, wenn sich ein Fußgänger, Rad- oder Autofahrer nähert. Man müsste die Laternen dafür aber entsprechend kostspielig umrüsten.

Jedoch lassen sich grell-weiße LED-Lichter, wie es sie in Schorndorf schon an einigen Straßenlaternen gibt, theoretisch dimmen. Wäre das eine gute Energiesparlösung? „Das ist abhängig von der Steuerungstechnik und der eingesetzten LED-Technik“, teilt die Stadt mit. Außerdem gibt es technische Vorschriften bei der Ausleuchtung, was die Lichtstärke und Gleichmäßigkeit angeht. Deshalb sei das Dimmen von Straßenlaternen nur dort möglich, wo die Lichtstärke schon zu hoch eingestellt ist.

Weitere Maßnahmen zum Einsparen von Strom und Gas habe die Stadt bereits im Oskar-Frech-Seebad getroffen. Die Stadt zählt auf: Die Wassertemperatur in den Schwimmbecken und in den Duschen wurde ebenso gesenkt wie die Lufttemperatur im gesamten Gebäude. Wenn wenig Gäste im Bad sind, wird der Saunabereich ebenfalls nur eingeschränkt betrieben. Die Warmwasserversorgung in anderen städtischen Gebäuden wird ebenfalls, wie vom Bund vorgeschrieben, nach Möglichkeit abgeschaltet.

Des Weiteren sei die Verwaltung darauf erpicht, die städtischen Angestellten für Energiesparmaßnahmen zu sensibilisieren.

Ab Oktober soll dann der zweite Teil der Energiesparverordnung der Bundesregierung in Kraft treten, der langfristige Maßnahmen regeln soll. Dann müssen, das berichten mehrere Medien übereinstimmend, Eigentümer von Gebäuden mit Gasheizung einen Heizungscheck durchführen. Den Anteil des eingesparten Gases schätzt Wirtschaftsminister Robert Habeck auf zwei bis zweieinhalb Prozent. Das ist wenig, doch laut dem Ministerium ein „kleiner, aber unverzichtbarer Beitrag“ aufgrund der Gasknappheit.

Kalte Räume, kaltes Wasser und keine angestrahlten Gebäude mehr: Seit Donnerstag ist der erste Teil der bundesweiten Energiesparverordnung in Kraft getreten. Ziel der Maßnahmen soll es sein, den Gas- und Stromverbrauch in Deutschland zu senken. Manche Städte und Gemeinden gehen sogar noch über die von der Bundesregierung verfügte Verordnung hinaus und lassen Straßenlaternen und Schaufensterlichter ausschalten. Das birgt auch Gefahren, warnt unter anderem die Polizeigewerkschaft. Was macht

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