Schorndorf

Ehemalige DDR-Bürgerin aus Schorndorf erinnert sich an den Mauerfall

Seenot und Flucht
Thomas Mickan (Leiter des ZiB) und Zeitzeugin Uta Panke. © Benjamin Büttner

„Wir haben kein Ost-West-Thema mehr“, verkündete Landesvater Winfried Kretschmann im Mantel dieser Zeitung zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung an diesem 3. Oktober 2020. Das sieht wohl nicht nur Uta Panke ganz anders. „Es gibt hier immer noch welche, die denken, wir sind von den Bäumen runter!“

Gleichwohl sagt die 1967 in der Nähe von Leipzig geborene Sozialpädagogin, die erst 2012 in den „Westen“ ging, „Ich bin jetzt hier angekommen und habe einen urschwäbischen Mann“. Hier, das ist für Uta Panke Schorndorf und das Zentrum für internationale Begegnungen, in dem sie seit acht Jahren tätig ist.

Ministerpräsident Kretschmann findet: Ost-West ist kein Thema mehr

Dort fand nun auch im Rahmen der Aktionswochen Seenot und Flucht ein Gespräch über „Flucht und Migration aus der DDR in den Rems-Murr-Kreis“ statt. Und wenn es stimmt, dass das vor Ort die einzige Veranstaltung zur deutschen Einheit war, dann muss man Kretschmann wohl doch noch zustimmen. Ost-West: kein Thema. Auch das Publikums-Interesse im ZiB war ziemlich überschaubar.

Bedauerlich war zudem, dass der angekündigte Siegfried Börnert aus Welzheim, ein Flüchtling noch zu DDR-Zeiten, krankheitshalber abgesagt hatte. So erzählte denn Uta Panke allein ihre Geschichte zwischen politischer Repression und Selbstbestimmung in dem deutschen Teilstaat, der, wie wir uns erinnern, sich als legitimer Erbe des antifaschistischen Widerstands gegen die Nazis verstand.

Ein Republikflüchtiger als Freund der Familie: Stasi am Elterntisch

Das wirkte sich in ihrer Familie so aus: „Mein Vater hatte zu viel Westverwandtschaft. Ich habe mir nicht vorstellen können, wie politisch das ist.“ Zudem gab es da einen Freund, der „Republikflucht begangen hatte“. Auf einmal „saßen Leute von der Stasi am Elterntisch“. Irgendwie habe sie dennoch eine Jugendreise nach Hamburg angeboten bekommen und wollte das zur Flucht nutzen. Aber: Die junge Frau wurde schwanger: „Die Flucht fällt aus.“ Das war im Frühjahr 1989.

Nach dem Mauerfall kam gleich der Lidl in den Osten

Und dann kam der 9. November. „Ich kann mich noch genau an diesen Abend erinnern. Die ersten kletterten über die Berliner Mauer. Wir öffneten eine Flasche Rotkäppchen-Sekt!“ Und wie groß war damals die Angst im Westen vor einer Invasion der „Brüder und Schwestern“ aus dem Osten. Es blieb im ZiB eine ungeklärte Frage. Umgekehrt war die „Invasion“ indessen sehr zügig: „Da war denn gleich der Lidl gekommen“, erinnert sich Uta Panke.

Ost-West kein Thema? Als Uta Panke, die noch über 20 Jahre im Osten blieb, sich dann aber hier als Konfessionslose auf die Sozialarbeiterstelle einer kirchlichen Einrichtung bewarb, sagte man ihr: „Treten Sie doch in die Kirche ein.“ Uta Panke: „Das wär’ unehrlich.“ Antwort: „Im Osten seid ihr doch auch für ‘ne Stelle in die Partei eingetreten!“

Inzwischen arbeitet die Sozialpädagogin mit dem Schwerpunkt Asyl seit langem in ZiB, „der erfüllteste Job, den ich je in meinem Leben hatte“. Ja, erklärt sie: „Ich bin angekommen.“ Wenn sie früher von hier nach Leipzig fuhr, sagte sie: „Ich fahr’ nach Hause.“ Jetzt sagt sie: „Ich fahre zu meinen Eltern.“

„Wir haben kein Ost-West-Thema mehr“, verkündete Landesvater Winfried Kretschmann im Mantel dieser Zeitung zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung an diesem 3. Oktober 2020. Das sieht wohl nicht nur Uta Panke ganz anders. „Es gibt hier immer noch welche, die denken, wir sind von den Bäumen runter!“

Gleichwohl sagt die 1967 in der Nähe von Leipzig geborene Sozialpädagogin, die erst 2012 in den „Westen“ ging, „Ich bin jetzt hier angekommen und habe einen urschwäbischen Mann“. Hier, das

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