Schorndorf

Ehrenamtliche stellen Weihnachtsbäume auf

Weihnachtsbaum Remshalden_0
Mitglieder der BWV und der Rohrbronner Dorfgemeinschaft beim Aufstellen des Weihnachtsbaums auf dem Marktplatz beim Remshaldener Rathaus. © Privat

Remshalden. Es war eine Sparrunde, die bei vielen nicht gut ankam: Im Oktober beschloss der Gemeinderat, dass es in diesem Jahr weniger Weihnachtsbäume auf öffentlichen Plätzen gibt. Die Bürgerliche Wählervereinigung (BWV) und die Rohrbronner Dorfgemeinschaft wollten es dabei nicht belassen und haben für Bäume auf dem Marktplatz und vor dem Gemeindehaus gesorgt.

Heidi Sell, die Vorsitzende des Fördervereins der Rohrbronner Dorfgemeinschaft, macht ziemlich deutlich, wie die Entscheidung von Verwaltung und Gemeinderat, auf den Baum vor dem Gemeindehaus im Ortsteil zu verzichten, dort ankam: „Wir haben gesagt, wir möchten einen Weihnachtsbaum, und es kann nicht sein, dass wir hier oben keinen kriegen und die im Tal kriegen einen.“ Mit der Lösung, einen auf dem Nachbargrundstück des Gemeindehauses gewachsenen Nadelbaum zu schmücken, waren die Rohrbronner nicht glücklich. „Das ist nur so eine lange, hohe Säule“, sagt Heidi Sell. Den Baum könne man nicht vernünftig schmücken.

Kinder basteln den Schmuck und hängen ihn auf

Und das wollte die Dorfgemeinschaft unbedingt. Schon im vergangenen Jahr war mit dem Rohrbronner Kindergarten vereinbart worden, dass die Kinder den Schmuck dafür basteln und dann auch mit aufhängen. „Traditionen lebendig werden zu lassen ist uns wichtig“, sagt Heidi Sell. Die Kinder seien schließlich die Zukunft und es hänge von ihnen ab, ob die Aktivitäten in der Dorfgemeinschaft und den anderen Vereinen weiterleben.

Ein Baum für Rohrbronn und einer für Geradstetten

Also sind Dorfgemeinschaft und Förderverein tätig geworden und zur Weihnachtsbaumschonung von Rainer Engelhorn auf dem Bauersberger Hof gefahren. Der überließ ihnen zu einem fairen Preis eine vier Meter hohe Nordmanntanne. Dabei trafen zwei Initiativen zusammen: Auch einige Mitglieder der Remshaldener BWV waren nämlich zeitgleich zum Bauersberger Hof gekommen, um dort einen Baum zu holen: Für den Marktplatz am Rathaus in Geradstetten, der als Standort gestrichen worden war. Weil der Baum, auf den die Wahl der BWV fiel, deutlich größer als der fürs Rohrbronner Gemeindehaus war, halfen die Rohrbronner gleich noch mit ihrem größeren Anhänger beim Transport ins Tal.

"Was können wir für unsere Gemeinde tun?"

„Wir sollten uns alle nicht immer nur fragen: Was kann und muss unsere Gemeinde für uns tun? Sondern vielleicht ab und zu auch: Was können wir für unsere Gemeinde tun?“ So schreiben Roland Schanbacher für die BWV-Gemeinderatsfraktion und Werner Kurz für den Freundeskreis der BWV in einem Bericht zu der Aktion. Die Fraktion war bei der Mehrheitsentscheidung für die Streichung bestimmter Bäume im Gemeinderat mit beteiligt – wobei nicht alle BWV-Räte dahinterstanden – und kennt die Hintergründe. In ihrem Bericht zu der Weihnachtsbaumaktion spricht sie von „wachsenden Aufgaben und Verpflichtungen unserer Gemeinde“, vor allem im Bereich der Kinderbetreuung, die „hohe Sach- und Personalkosten“ mitbringen. „Der Kostendeckungsgrad (Gebühren, Beiträge) liegt meist nur bei rund 20 Prozent.“ Der Großteil der Kosten sei von der Gemeinde zu finanzieren. „Als Folge davon können manche liebgewonnenen Freiwilligkeitsleistungen, wie zum Beispiel beleuchtete Weihnachtsbäume in jedem Ortsteil, im bisherigen Umfang nicht mehr erbracht werden.“

Auch das Aufhängen der Beleuchtung des Baumes auf dem Marktplatz finanziert die BWV mit. Ab ersten Advent sollen die Lichter an allen Remshaldener Bäumen brennen. In Rohrbronn treffen sich Dorfgemeinschaft und Kindergartenkinder an diesem Samstag, 1. Dezember, um 16 Uhr am Gemeindehaus zum Schmücken. Die Kinder haben auch ein kleines Programm vorbereitet. Es gibt Punsch, Glühwein und Weihnachtsgebäck.

Warum die Baum-Kürzungen?

„Wir haben massive Probleme, Bäume zu bekommen“, so hatte Bürgermeister Reinhard Molt die Entscheidung begründet, auf einige der Weihnachtsbaumstandorte zu verzichten. Bisher kamen die Bäume vor allem von Spendern: Wer einen im Garten oder auf dem Grundstück hatte, konnte sich melden, und der Bauhof begutachtete ihn und nahm ihn mit, wenn er geeignet war. Doch die Zahl der Spender war zuletzt stark zurückgegangen – ein Problem, das auch andere Gemeinden haben. Ein Einkauf der Bäume kam aus Sicht der Verwaltung wegen der hohen Kosten nicht infrage. Zum Opfer fielen der Sparentscheidung neben den Bäumen in Rohrbronn und am Marktplatz auch die in Buoch und am Reinhold-Maier-Platz in Grunbach. Dafür gibt es für die verbleibenden neue LED-Lichterketten. Für den am Marktplatz beim Rathaus habe man nun die besten der alten Lichterketten „zusammengekratzt“, sagte Bürgermeister Reinhard Molt diese Woche im Verwaltungsausschuss.