Schorndorf

Ein Akt der Solidarität: Die Corona-App schon auf dem Handy

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Frisch draufgeladen: Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich, Bürgermeister Thorsten Englert und Oberbürgermeister Matthias Klopfer (von links) haben die neue Corona-App des Robert-Koch-Instituts schon auf dem Handy. © Stadt Schorndorf

Seit Montagnacht gibt es sie, die neue Corona-App, die übers Handy Alarm schlägt, wenn ein Infektionsrisiko besteht. Eine App-Pflicht gibt es nicht, aber auch keine Vergünstigungen für Nutzer. Und auch wenn kritische Stimmen kundtun, sie würden sich eine solche App niemals installieren, von Fachleuten und Datenschützern wird sie bisher durchweg gelobt: Sie funktioniert ohne Handynummer, sammelt keine GPS-Daten, ihr Quellcode ist öffentlich, und sie generiert nur anonyme Codes, die sich die Nutzer über Bluetooth zuschicken. Ob es Risikokontakte gab, ist nur auf den Handys der Nutzer sichtbar und nicht, wie etwa bei der französischen Corona-App, auf einem zentralen Server.

Und so war es für Oberbürgermeister Matthias Klopferdas Erste, was er am Dienstagmorgen getan hat, als er im Büro angekommen ist. Dank der schnellen Internetverbindung im Rathaus hatte er die Corona-App des Robert-Koch-Instituts innerhalb von zehn Sekunden auf seinem Smartphone. Und obwohl er bereits eine Corona-Infektion überstanden hat, für ihn war’s von Anfang klar, dass er die App – mit eingeschalteter Bluetooth-Funktion versteht sich – nutzen wird: Schließlich könnte er bei der Verfolgung von Infektionsketten als Kontaktperson gesucht werden. Und ob er wirklich auf Dauer immun ist gegen das neuartige Virus, das weiß er zum jetzigen Zeitpunkt schließlich auch noch nicht. Jetzt ist er gespannt, wie viele Menschen die freiwillige App nutzen – und hofft auf eine breite Akzeptanz: Mit Erstem Bürgermeister Edgar Hemmerichund Bürgermeister Thorsten Englerthat sich Klopfer am Dienstagmittag jedenfalls zu Werbezwecken mit Handy und aufgespielter Corona-App gleich mal öffentlichkeitswirksam für einen Fototermin vors Rathaus gestellt.

Auf Facebook gesehen, dass andere schon aktiv geworden sind

Auch SchoWo-Macher Jürgen Doblerhat sich die Corona-App am Dienstagmittag, nach kleinen technischen Schwierigkeiten, heruntergeladen: Für ihn: ein Akt der Solidarität. Am Montag, sagt er, sei er tatsächlich noch etwas unentschlossen gewesen, nachdem er sich mit dem Thema aber beschäftigt, sich informiert und auf Facebook gesehen hat, dass Bekannte und Geschäftspartner auch schon aktiv geworden sind, war’s für ihn keine Frage mehr, sondern nur vernünftig: „Sonst lädt man sich doch auch alles Mögliche mit dem Handy runter.“ Und klar ist für Dobler auch: „Das funktioniert nur durch eine gewisse Quantität.“

Nach anfänglichen Zweifeln hat sich auch Joe Saling, als freier Tontechniker in Vor-Corona-Zeiten auf vielen Konzerten und Veranstaltungen zu sehen, am Dienstagmittag zum Herunterladen der App entschieden. Kritisch begleiten will er den Umgang mit dem Corona-Warnsystem aber auch weiterhin, auch wenn ihm klar ist, dass man über Facebook und Messenger-Dienste schon eine Menge preisgibt. Und doch hat Saling Bedenken, dass es vielleicht durch die Hintertür Zwänge geben könnte, auch wenn im Moment von allen Seiten die Freiwilligkeit betont wird. Denkbar sei schließlich, dass bei Konzerten, in Kinos oder Fitnessstudios künftig nur Nutzer der App eingelassen werden. Und auf Bundesebene haben Grüne und Linke bereits kritisiert, dass Betreibern solche Praktiken gesetzlich nicht untersagt sind.

Schade, „wenn man sich da sperrt“

Auch Büchereileiterin Marianne Seidel hätte die App schon auf dem Handy – wäre es ihr nicht gerade jetzt ins Wasser gefallen: „Es muss noch trocknen.“ Da sie in der Stadtbücherei mit vielen Menschen zu tun hat und dort auch immer mehr Normalität und Betrieb einkehrt, hält sie ein solches Sicherheitssystem für sinnvoll. Nachdem sie die Diskussionen über die App verfolgt hat, fände es Seidel schade, „wenn man sich da sperrt“. Sie jedenfalls hat Vertrauen, dass die Corona-App datenschutzrechtlich in Ordnung ist: „Bei vielen anderen Dingen ist man nicht so vorsichtig.“

Auch Margarete Oesterle, Pfarrerin der evangelischen Paulusgemeinde, würde die Corona-App nutzen, wenn sie denn ein Smartphone hätte. Mit ihrem Handy, sagt sie, könne sie aber gerade mal telefonieren – und findet das aus Datenschutzgründen auch gut so. Dennoch hält sie die Corona-App des Robert-Koch-Instituts für sinnvoll und würde jeden ermuntern, sie zu nutzen – „als eine weitere Möglichkeit des Schutzes“. Und tatsächlich überlegt Margarete Oesterle auch, ob sie sich wegen der Warn-App nicht vielleicht doch ein Smartphone zulegen soll.

Doch bei allem Vertrauen in die Technik und geringen Fallzahlen – aktuell sind gerade mal acht Personen in Schorndorf in Corona-Quarantäne: Der beste Schutz, darüber sind sich alle einig, ist auch weiterhin: Abstand halten.