Schorndorf

Ein Kreisverkehr wirft Fragen auf

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Michael Maier von der Schorndorfer ADFC-Gruppe am umstrittenen Kreisverkehr: Links führt die Straße über die Gleise zum Kleingartenverein „Wolfswinkel“, rechts der Radweg Richtung Geradstetten und ganz rechts hinter dem Damm liegt die frisch renaturierte Rems. © Schneider / ZVW
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Radwegkreisel
Für viele Radfahrer ist der Kreisel mit seinem zweieinhalb Zentimeter hohen Randstein eine unnötige Gefahrenstelle, die bei Unachtsamkeit im falschen Moment auch zu Stürzen führen kann. © Gaby Schneider

Winterbach. Im Zuge der Rems-Renaturierung wurde am südlichen Ufer zwischen Winterbach und Remshalden auch der Radweg neu gebaut. Er wird von allen Radlern gelobt – mit einer Einschränkung: Ein Kreisverkehr auf Höhe der Kleingärtneranlage erregt die Gemüter. Was soll das Ding dort? So fragen sich viele. Auch der Schorndorfer ADFC-Sprecher Michael Maier hält den zweieinhalb Zentimeter hohen Kreisel für eine „unnötige Gefahr“.

Angeblich sind bereits Radler wegen des Kreisverkehrs gestürzt. Zumindest von einem Fall weiß Ralf Heinl, Radfahrer aus Waiblingen, der sich maßlos ärgert, seit er zum ersten Mal verwundert vor dem Bauwerk mitten im Radweg zwischen Winterbach und Geradstetten stand. „Ich fahre 55 Jahre Fahrrad, aber so etwas habe ich noch nie gesehen“, schimpft er. „Das ist eine Radfahrerfalle.“ Auch Hans Sukowski aus Winnenden meint: „Ich dachte, ich seh nicht recht. Das habe ich noch nie gesehen, dass so ein Kreisel auf einem Feldweg ist.“

Michael Maier, der Sprecher der Schorndorfer Gruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), äußert sich etwas diplomatischer, aber nicht weniger deutlich als seine Radkollegen. Er kommt extra selbst zum Kreisel des Anstoßes, um zu zeigen, warum dieser so viel Kopfschütteln auslöst und er kommt natürlich von seinem Wohnort Weiler mit dem Drahtesel hergerollt. „Der Kreisverkehr macht einfach keinen Sinn“, sagt Maier. Und er könne sogar tatsächlich eine Gefahr sein.

Der ADFC-Sprecher demonstriert, was aus seiner Sicht gefährlich werden kann, indem er mit seinem Rad an die Bordsteinkante des Kreisels fährt: Wenn jemand so hier entlang fahre und nicht aufpasse, dann könne er schon böse stürzen.

Das Problem sei, sagen die Kritiker des Kreisels, dass man einfach nicht damit rechne, dass da so ein Ding auf der Strecke komme. Wenn es dunkel sei oder trüb und regnerisch, dann könne man von dem Kreisverkehr überrascht werden, sagt Hans Sukowski. Wenn der jetzt noch frische Asphalt mit der Zeit heller werde, dann falle der Randstein noch weniger auf.

„Es gibt sicherlich 100 gefährlichere Stellen im Kreis“, sagt Michael Maier, deswegen wolle er die Brisanz der Sache nicht aufbauschen. Allerdings kommt er nicht über die Sinnfrage hinweg: Was soll so ein Bauwerk, mit dem eine „unnötige Gefahr“ in den Radweg eingebaut worden sei. „Es ist für mich ein Schildbürgerstreich.“

Der Kreisverkehr soll als „Verkehrsbremse“ wirken

Also noch mal einen Schritt zurück mit der Frage: Warum gibt es den Kreisverkehr überhaupt? Das weiß Hans-Peter Sieg, der Technische Geschäftsführer des Wasserverbands Rems, der in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Regierungspräsidium Stuttgart die Rems-Renaturierung geplant hat. Die Stelle sein ein „Knotenpunkt“, erklärt er. Es seien dort Fußgänger, Radfahrer, Autos und landwirtschaftliche Fahrzeuge unterwegs. Der Kreisel solle als „Verkehrsbremse“ wirken und allen signalisieren, dass hier andere Verkehrsteilnehmer den Weg kreuzen könnten.

Diese Argumentation halten die Radfahrer wiederum für Quatsch. Leute, die seit Jahrzehnten die Strecke an der Rems mit dem Rad befahren, meinen gegenüber unserer Zeitung: Die Gelegenheiten, bei denen sie ein Fahrzeug von der Eisenbahnbrücke herunterkommen gesehen hätten, ließen sich an einer Hand abzählen. Außerdem sei die Stelle nicht unübersichtlich.

Verkehrsteilnehmer fahren einfach geradeaus weiter

Während des Gesprächs mit Michael Maier am Kreisverkehr ist eines zu beobachten: Alle, die in der Zeit vorbeifahren, sei es auf dem Rad und egal aus welcher Richtung, ziehen an der Stelle einfach geradeaus und ungebremst durch, auch die, die von Geradstetten kommen, lassen den Kreisel völlig links liegen. Für ein Auto stellt der flache Bordstein ohnehin kein Hindernis dar.

„Als Verkehrsbremse ist der Kreisverkehr sinnvoll“, sagt dennoch Hans-Peter Sieg. So sei es gedacht und auch als Gliederung der großen Asphaltfläche, die nötig sei, damit Traktoren mit Anhängern, die von der Bahnbrücke kommen und nach links Richtung Geradstetten wollen, einen ausreichenden Wendekreis haben.

Reflektierende Farbe soll helfen

Die von den Radfahrern beschworene Gefahr, sieht er nicht. „Man sollte dort langsam tun“, das ist für Hans-Peter Sieg zwar klar. Er ist aber der Meinung, dass man das Bauwerk beim Heranfahren jederzeit deutlich sieht. So sieht es auch der Winterbacher Bauamtsleiter Rainer Blessing. „Auch Radfahrer müssen so fahren, dass sie jederzeit halten können“, meint er. Der Weg dort sei ja kein Radschnellweg.

Nichtsdestotrotz haben sich die Verantwortlichen zusammengesetzt, auch die Straßenverkehrsbehörde des Landratsamts war dabei, und eine Lösung für den Kreisverkehr ersonnen. Laut Hans-Peter Sieg sollen die Flachbordsteine am Rand mit einer reflektierenden weißen Farbe gestrichen werden und Reflektoren auf den Kreisel kommen.

Maier: Schön, wenn die Radfahrer vorher gefragt würden

Das ist auch für Michael Maier das Mindesteste, was kommen sollte. „Die beste Lösung wäre, ihn einzuebnen“, sagt er, dafür müsse man ja aber auch wieder einige Tausend Euro vergraben. Michael Maier hat ein generelles Anliegen: „Ich fände es schön, dass man bei solchen Baumaßnahmen die Radfahrer vorher auch fragen würde: Was meint ihr? Das passiert nie.“ Schade, so findet er, denn der neu gemachte Radweg sei insgesamt schön geworden und viel besser zu fahren als vorher.


Die Rems-Renaturierung und der Radweg

Die Rems im Westen von Winterbach war fast das ganze Jahr über eine Baustelle. Sie wurde auf einer Länge von rund 1,1 Kilometern Länge renaturiert, das heißt, das gerade Bett mit den steilen Böschungen wurde aufgelöst und in eine mäandernde Form mit Inseln und Altarmen umgebaggert. Gleichzeitig wurde der Radweg dort verbreitert und begradigt.

Die Baumaßnahme sei weitgehend abgeschlossen, sagt Hans-Peter Sieg. Lediglich der nördliche Wirtschaftsweg entlang der Rems müsste noch asphaltiert werden. Das mache man, wenn die letzten Erdhaufen weggeräumt seien, für die derzeit noch eine Deponie gesucht werde.