Schorndorf

Ein Monat voller großer Namen

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Tocotronic spielen am 11. August in der Manufaktur in Schorndorf. © Petersohn/Tocotronic Agentur
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© The Burning Hell Agentur
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Notwist-Sänger Markus Acher. Die Band spielt am 1. August in der Manufaktur.

Schorndorf. Die Manufaktur feiert ihren Fünfzigsten in Stufen – und jetzt am 28. Juli auf einer ganz breiten Plattform, stadtweit. Aber auch das Konzertprogramm im ganzen August bietet eine ungewöhnliche Häufung von Highlights. Glück war auch im Spiel, sagt der Programmmacher Werner Hassler.

Am 28 Juli ist es soweit: Die Schorndorfer Manufaktur begeht nach der Feierstunde Anfang des Jahres erneut ihren 50. Geburtstag – diesmal mit unbegrenzter Zuhörerschaft. Und standesgemäß mit viel guter Musik: Am 28. Juli werden zahlreiche lokale und internationale Acts auf in der Stadt aufgebauten Bühnen zu hören sein. Unter anderem spielen The Hidden Cameras und The Burning Hell aus Kanada sowie Luis Zirkelbach und Mimi Frost aus Schorndorf.

Der Programmchef plaudert

Wie auch der reguläre Manufaktur-Betrieb bietet das Festival zum Jubiläum also eine Mischung aus großen und kleinen Bands und Künstlern. Und das Sahnehäubchen: Es ist kostenlos. Bereits um 11 Uhr startet das Programm.

„Wir sind hauptsächlich abseits des Mainstreams unterwegs“, sagt Programmchef Werner Hassler. „Dennoch ist es oftmals nicht einfach, die Bands nach Schorndorf zu lotsen.“ Überzeugungsarbeit zu leisten sei ein großer Teil seiner täglichen Arbeit. „Wenn man einbringen kann, dass man schon seit fünfzig Jahren im Geschäft ist, macht das aber schon Eindruck.“

Das Festival sei allerdings ein besonderer Organisationsaufwand gewesen. „Glück war neben der harten Arbeit natürlich auch ein Faktor. Oftmals kann man einen gewissen Schneeballeffekt beobachten. Musiker reden untereinander, tauschen sich aus. Mit etwas Glück auch über die Manufaktur.“

Dem Festival folgt ein ganzer Monat voller Hochkaräter

Den Auftakt machen The Notwist. Die Band aus Weilheim ist seit mehr als zwanzig Jahren aktiv und tourt regelmäßig in Deutschland und im Ausland. Dabei statten sie auch der Manufaktur regelmäßige Besuche ab. Wer die Formation um Sänger und Gitarrist Markus Acher schon einmal live erleben durfte, der weiß, was einen am 1. August erwartet: Eine Performance, die ihresgleichen sucht und so schnell auch nicht gefunden werden kann. Nicht umsonst gelten die Bayern als eine der konstantesten, aufregendsten und intensivsten Liveacts überhaupt.

Je länger man über die Paarung Tocotronic-Manufaktur nachdenkt, desto mehr Gemeinsamkeiten fallen einem auf: Beide hatten und haben einen Einfluss auf diverse Subkulturen, beide sind für hochwertige und innovative Musik bekannt. Und außerdem gibt es sie schon seit mehreren Jahrzehnten. Da passt es also, dass die Hamburger Band am 11. August endlich in der Manufaktur zu Gast ist. Man darf sich freuen auf Schwankungen zwischen Lo-Fi-Heldentum und Diskurspop, zwischen Tiefgründigkeit und knallenden Parolen. Ganz groß.

Post-Punk und Psychedelic Rock

Die australische Band mit dem doch recht obskuren Namen King Gizzard and the Lizard Wizard kommt am 22. August nach Schorndorf. Länger als der Bandname ist nur die Liste der im vergangenen Jahr veröffentlichten Alben: Sage und schreibe fünf Langspieler hat das Septett seiner Diskografie im Jahre 2017 hinzugefügt. Doch von Massenware und Belanglosigkeit ist die Psychedelic-Rock-Formation Lichtjahre entfernt: Konzeptalben, Experimente mit mikrotonaler Musik, Ausflüge in Soul und Jazz - wer in dieser Diskografie nicht fündig wird, der muss schon sehr entlegen unterwegs sein.

Die Detroiter Post-Punker Protomartyr kommen am 24. August. Mit „Relatives in Descent“ legen sie bereits das vierte Album vor, von dem man durchaus der Meinung sein kann, dass es der bisher beste und relevanteste Output des Quartetts ist. Verzerrte Gitarren walzen dahin, das Schlagzeug zuckt und peitscht. Sänger Joe Casey gibt seine gesellschaftskritischen, manchmal kryptischen Lyrics in einem Bariton zum besten, der gerne auch mal mit Mark E. Smiths Organ von The Fall verglichen wird.